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18:35 31.05.2018
Klaus Maria Brandauer (r.) schlüpfte an diesem Abend bei den Dresdner Musikfestspielen in verschiedene Rollen. Quelle: Oliver Killig
Dresden

William Shakespeares wahrlich fabelhafte Komödie „Ein Sommernachtstraum“ gab zu einer ganzen Reihe musikalischer Adaptionen von Henry Purcell bis Benjamin Britten Anstoß, John Neumeier brachte sie in Hamburg einst als Ballett mit Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, György Ligeti und Giuseppe Verdi auf die Bühne, auch szenische Lesungen oder – wie am Mittwoch in der Staatsoperette – Mendelssohns Ouverture und Schauspielmusik, zwischen deren Teilen aus dem Schauspieltext vorgetragen wird, stehen auf den Programmen. Nach wie vor ist bei den Übersetzungen die „Schlegel-Tieck-Fassung“ favorisiert, die auch Grundlage für Klaus Maria Brandauers Einrichtung gewesen war.

Der Schauspieler am Pult stehend, auf dem Klavierhocker sitzend oder (scheinbar) schlafend, herumgehend (suchend), an der Bühnenrampe sitzend; Brandauer als Vorleser, Rufer, Imitator, dazu Mendelssohns Musik auf dem Klavier zu vier Händen – so oder so ähnlich mag es vielleicht im Gartenhaus der Mendelssohns zugegangen sein. Dicht versponnen ließen Andreas Grau, Götz Schumacher (GrauSchumacher Piano Duo) und Klaus Maria Brandauer die Welt von Oberon und Puck, Theseus und Hippolyta, Lysander und Hermia aufscheinen, trennten nicht streng Musik und Lesung, sondern ließen beides ineinander übergehen.

„Statisch“ war dieser Abend keineswegs, immer wieder schimmerten Motive zwischen Textzeilen auf, kehrten zurück, untermalten und betonten, Klaus Maria Brandauer wippte und tänzelte, wiegte sich und beflügelte vor allem die etwas „schrägen“ Typen.

Mendelssohns Musik verliert auch in der vom Komponisten eingerichteten Fassung für Klavier nichts von ihrem Zauber, vielleicht nur ein wenig Elfenhaftigkeit (keine Holzbläser) oder Prachtfülle im Hochzeitsmarsch. Doch ein Klavierduo wie GrauSchumacher kann dies ausgleichen. Dem Zauber abträglich war allerdings, dass Klaus Maria Brandauer mit Mikrophon las – warum eigentlich? Man sollte dem „Bühnentier“ doch zutrauen, es ohne zu können, zumal er zwar laut genug, aber nicht immer gut verständlich war. Auch das Rauschen der Klimaanlage und ein Klappern beim Loslassen des rechten Klavierpedals irritierten nicht wenig – kleine Kratzer hatte der Zauber doch.

Klaus Maria Brandauer genoss es sichtlich, in Rollen zu schlüpfen und gleichzeitig deren Regisseur zu sein, die Charaktere anzustacheln und das Publikum zu foppen. Oberon, der Elfenkönig, und Puck, sein Diener und Hofnarr, sind mehrdeutige Figuren – Brandauer kostete ihre Wandelhaftigkeit aus, ließ sie naiv, tölpelhaft und hellsichtig scheinen, wozu Andreas Grau und Götz Schumacher den Wald, den Wind und den Nebel tupften, Blitze zucken ließen. Der Schauspieler lief umher, schaute ihnen über die Schulter und flirtete mit dem Publikum.

Am Ende schickt er es – mit Shakespeare – heim. „Gute Nacht!“ sagt Brandauer, während draußen orangemonden eine (Fast)Sommernacht begann.

Von Wolfram Quellmalz

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