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Bodo Wartke gastierte mit dem Capital Dance Orchestra und "Swingender Notwendigkeit" in Dresden

Bodo Wartke gastierte mit dem Capital Dance Orchestra und "Swingender Notwendigkeit" in Dresden

Es gibt Dinge, die sind nicht verhandelbar. Die Menschenrechte, das Bekenntnis zum FDGO, zur freiheitlich demokratischen Grundordnung, und das grundsätzliche Einverständnis darüber, dass Bayern München zu den größten Plagen der Menschheitsgeschichte zählt.

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Bodo Wartke: Swingende Notwendigkeit

Quelle: PR

Über anderes lässt sich hingegen nicht nur unter Brüdern reden. Rindsroulade, Fish & Chips oder Chicken Curry? Im Urlaub an die See oder in die Berge? Suum cuique, kann man da nur sagen. Kniffliger ist da schon die Frage "Sein oder Nichtsein?", über die man auch dann, wenn man kein Dänenprinz ist, ins Grübeln geraten darf.

"Heavy Metal oder Polka?", fragte nun in der proppenvollen Messe der Klavierkabarettist Bodo Wartke den Sologeiger David Canisius, der auch Chef des Capital Dance Orchestras ist, von dem Wartke sich auf seiner unter dem schönen Titel "Swingende Notwendigkeit" stehenden Tournee begleiteten lässt. Entschieden wurde die Frage letztlich durch einen Abzählvers. Schnick, Schnack, Schnuck. Das ganze dreimal. Letztlich hatte Wartke das Nachsehen und musste seinen Traum von der Heavy-Metal-Version eines Liedes begraben. Aber ein bisschen nachzutreten, gestattete er sich schon. Head-Banging im Polka-Rhythmus? Von einem Typen im weißen Zwirn statt blauer oder schwarzer Rocker-Kluft? Hat man so auch noch nicht gesehen, war aber amüsant.

Bodo Wartke war also mal wieder in der Stadt. Aber diesmal nicht als Einzelkämpfer an seinem "Kern-Instrument", dem Klavier also, sondern mit großem Orchester, mit allem dazugehörigen Pipapo, etwa "echten Athleten an den Trompeten". Warum? Nun, weil manche Songs auf diese Weise "einfach geiler" klingen, wie Wartke beteuerte.

Stilistisch wünschte sich der Musikkabarettist "spontan" eine Reise durch die Musikgeschichte, bei der der Schwierigkeitsgrad schrittweise erhöht werden sollte. Nun ja, wer zahlt, schafft an, wird sich Bandleader Canisius gedacht haben, jedenfalls erfüllte er, ohne groß mit der Wimper zu zucken, gemeinsam mit seinen zwölf Mannen (die dank Meta Hüper an der Violine zusammen so eine Art "Wilde 13" der Orchesterlandschaft bilden), was sich der Meister so wünschte. Die Musiker sind samt und sonders Meister ihres Faches, folglich ist ein Wunsch wie "Langsam und schön" bei diesem Orchester "keine Frage des Entweder-Oder", wie Wartke begeistert lobte.

So wie einst die Comedian Harmonists ist auch der im weißen Zwirn steckende Wartke ein Musikkomiker, kein Musikclown. Noch ist er kein Elder Statesman des guten Stils wie Bryan Ferry oder Leonard Cohen, dafür ist der Berliner dann doch noch zu jung, aber das Zeug dazu hat er. Er singt im guten alten Paarreim wie viele Schlagersänger von Gefühlen, von Trieben und Lieben, von Herz und Schmerz, zwinkert aber dem Publikum dabei zu.

Und so mancher Text ist spätestens beim zweiten Hinhören durchaus hinter-, ja abgründig. Man kennt so manche Situation, die da besungen wird: Welcher paarungswillige Mann hat sich bei einer schönen Frau nicht schon kompromissbereit gezeigt, obwohl diese Blech redete und ihr Lächeln gekünstelt wirkte? In einem anderen Lied des freundlichen Geschichtenerzählers Wartke geht es um die kläglichen Versuche, bei einer ungemein scharf aussehenden Tanzlehrerin zu landen, was schwierig ist, wenn man zwei linke Füße hat und auf die Frage "Wie steht's mit Latein?" entwaffnend ehrlich wie dämlich gestehen muss: "Ich habe nur das Latinum, und auch nur das kleine!" Im realen Leben ist Wartke aber, das der Vollständigkeit halber, alles andere als hüftsteif, hat so ziemlich jeden Tanzschritt leichtfüßig drauf.

Musikalisch wird gern konterkariert. So erklingt also, schon um keine "Loose-Loose-Situation" entstehen zu lassen (trauriges Thema, triste Musik), fröhlicher Jamaika-Reggae, wenn eine Klage über das schlechte Wetter in Deutschland angestimmt und festgestellt wird: "Bei Regen ist Rügen kein Vergnügen." Stimmt schon, wenn man ihn mal wirklich braucht, ist der Klimawandel nicht da. Und ein Lied über die Love-Parade kommt im Walzer-Takt daher.

Alles andere als ein Loblied ist Wartkes Blick auf die moderne Architektur in Deutschland. Der Unterschied zwischen Bauhaus und Baumarkt? Baumarkt ist bunter. Und "der Sozialismus mag vergangen sein, in die Architektur fließt er weiter ein", spottet Wartke über den Einheitslook der grauen Kästen. Hübsch auch seine Idee, die Verulke auf die Apple-User, "die sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnen", im Gewand eines Gospels anzustimmen. Da Gospel ohne Chor nicht wirklich gut läuft, kommen die beiden Background-Sängerinnen Lucy Flournoy und Anita Hapt bei dieser Zugabe mit auf die Bühne. Sie durften schon nach der Pause immer wieder mal ins Geschehen eingreifen und machten ihre Sache ausgesprochen gut, so gut, dass Warkte die beiden zeitweise rechts und links von sich stellte, weil er mit gespieltem "Entsetzen" registrieren musste, dass die Zuhörer nun ihre Blicke nicht mehr auf ihn und seinen "Stehgeiger" Canisius richteten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.11.2014

Christian Ruf

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