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Regional Bodecker & Neander bezaubern mit einem Blick auf Erik Satie
Nachrichten Kultur Regional Bodecker & Neander bezaubern mit einem Blick auf Erik Satie
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10:03 14.02.2018
Bodecker & Neander erwecken gemeinsam mit Tobias Morgenstern den Pariser Kosmos von Erik Satie.  Quelle: Günter Linke
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Dresden

 Offenbar haben sich derzeit in enger Folge kleinere Bühnen von Dresden dazu verbündet, das Publikum mal ganz speziell aufzuheitern und anzurühren. Was zu dieser Jahreszeit ja eine recht sympathische Entscheidung ist. Und wofür auch das Societaetstheater gute Bekannte ins Spiel gebracht sowie einen Komponisten erneut hervorgeholt hat, der dieses Bemühen absolut lohnt.

So erlebt das Publikum ein Trio der Überraschungen, das sich in dichter Aufführungsserie erklärtermaßen für „Das Pariser Leben des Monsieur Satie“ interessiert. Mit Bodecker & Neander als „visual theatre“ (beide einst Schüler und Bühnenpartner von Marcel Marceau) und dem Musiker Tobias Morgenstern (wenn das kein Omen ist!) an Klavier und Akkordeon. Qualität ist damit schon mal angesagt. Und auch die Regie von Lionel Ménard bringt es auf den Punkt. Wobei die ebenso für jüngere Besucher bestens geeignete und mit einer Pause versehene Aufführung im zweiten Teil zuweilen etwas an Spannung verliert. Trotz oder auch wegen der überreichlichen Raffinessen des Spiels.

Die beiden Pantomimen, die bekanntlich weit mehr als nur diese eine bewegte Kunst beherrschen, begeben sich auf die Spur des Komponisten Erik Satie (1866-1925). Mit dem speziellen Blick auf Paris, wo der vielseitige Künstler vor allem am Montmartre lebte. Dies gelingt ihnen (Idee und Konzept für das Stück stammen von Gabriele Nellessen) auf berührende Weise mit diversen Verwandlungen, zauberhaften Einfällen und bestem „Handwerk“, und das auch im Schattenspiel, in einer Filmsequenz sowie mit Schwarzem Theater.

Da ist Monsieur inmitten seiner heimischen „vier Wände“ zu erleben, wo ihm sein herumgeisterndes „Spiegelbild“ mal immer in die Quere kommt, wird er aufgestört vom kurios radelnden Pariser Postboten, der allzeit mit diversen Anlieferungen zur Stelle ist. Oder es flattern ihm die musikalischen Einfälle wie bunte Schmetterlinge um den Kopf. Auch im Bühnenbild von Vanessa Vérillon mangelt es keinesfalls an Ideen. Wie sie da beispielsweise mit Rollbildern ein Klavier hervorzaubert oder ein vollgestopftes Regal assoziiert, ist bestens anzuschauen. Und die Mimen beleben dies unverzüglich auf ihre Weise. Auch dann beispielsweise, wenn sie das Fahrrad-Rudiment in der Zahl der Mitfahrer erheblich „aufstocken“.

Dass die Erzählweise einer musikalischen Pantomime nicht zwingend auf sämtliche biografische Details achten muss, ist klar. Und es macht bei dieser nonverbalen Kunst auch viel mehr Spaß, etwas von den Besonderheiten, der Eigenart des Komponisten zu erfahren. Dessen Musik in ihrer Klarheit und speziellen Einfachheit nach wie vor sehr gefragt ist, beispielsweise auch bei Jazz-Musikern. Man darf also neugierig sein auf diese Annäherung, was mit der Aufführung in schöner Symbiose gelingt. Und das auch im Spiel von Tobias Morgenstern, der das musikalische Flair von Paris ebenso wie den empfindsamen Klang der Satie-Kompositionen heraufbeschwört. Und wenn man beim Hinausgehen am Klavier vorbeikommt, dann lohnt auch mal der Seitenblick in die aufgeschlagenen Noten: Gymnopédies. Eine nach wie vor vertraute Musik.

Dass in die Aufführung auch ein eigener kleiner Kintopp-Film einbezogen ist, ergibt in jeder Hinsicht Sinn. Hat Satie doch selbst 1924 bei René Clair mitgespielt und mit seinen Kompositionen unzählige Filme mitgeprägt. In gewisser Hinsicht ist diese Dresdner Premiere übrigens auch eine Art „Heimkehr“ oder besser wohl die Wiederkehr jenes Komponisten, dessen Schöpfung „Vexations“ vor vielen Jahren in einer abenteuerlich-kuriosen, sich über Tag und Nacht erstreckenden Aufführung und Performance im Societaetstheater von solcher Besonderheit war, dass sie unvergessen bleibt. Auf dem Notenblatt zu dieser Musik von zwei Minuten Dauer spricht Satie davon, es 840 Mal hintereinander zu spielen – „in äußerster Stille und absoluter Bewegungslosigkeit“. Die erste öffentliche Aufführung in dieser „Voll-Version“ fand 1963 in New York statt, dauerte über 19 Stunden. 20 Pianisten waren daran beteiligt, darunter auch John Cage. Im Societaetstheater waren es damals (wann eigentlich genau?) ein Pianist und ein Performer...

nächste Aufführungen: vom 14. bis 17. Februar, jeweils 20 Uhr; 18. Februar, 11 und 17 Uhr; Karten: Tel. 0351 8036810

www.societaetstheater.de

Von Gabriele Gorgas

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