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Blau, so blau

Cyanotypien von Klara Meinhardt in der Galerie am Damm Blau, so blau

Die junge Künstlerin Klara Meinhardt zeigt in der Galerie am Damm sieben großformatige Cyanotypien auf Leinwand. Sie gehören zu der 2016 in Paris entstandenen Serie „Egosun“. Meinhardts Fotogramme sind Lichtabdrucke vom Körper der Künstlerin sowie von verschiedenen Objekten und deren Schattenwürfen.

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Klara Meinhardt: „Egosun #7“, Cyanotypie auf Leinwand, 110 x 100 Zentimeter (2016).

Quelle: Galerie am Damm

Dresden. „Egosun“ lautet der Titel einer Serie mit acht Cyanotypien der Leipziger Künstlerin Klara Meinhardt aus dem Jahr 2016. Sieben dieser in Paris entstandenen Blaudrucke auf Leinwand sind nun in der Sommerausstellung der Galerie am Damm zu sehen. Die titelgebende Bezeichnung ist ein Wortspiel – zusammengesetzt aus dem lateinischen „ego“ (ich) und dem englischen Wort „sun“ (Sonne) –, das sich auf Herstellung und Motivik der zugehörigen Bilder gleichermaßen bezieht. Denn die in unterschiedlichen Intensitätsgraden von Cyanblau erstrahlenden Bilder sind keine Gemälde, sondern Fotogramme vom Körper der Künstlerin, von unterschiedlichen Objekten und deren Schatten.

Klara Meinhardt wurde 1987 in Dresden geboren und studierte dort zunächst Malerei und Grafik an der HfBK bei Hans-Peter Adamski, anschließend Medienkunst in der Klasse für Installation und Raum bei Joachim Blank an der HGB in Leipzig sowie für ein Jahr Performative Kunst und Bildhauerei bei Monica Bonvicini an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Meinhardts Werdegang zeigt eine fundierte, breite Ausbildung an und lässt bereits die Vielfalt ihrer künstlerischen Beschäftigung erahnen.

Neben der Auseinandersetzung mit fotografischen Verfahren experimentiert sie spielerisch mit verschiedensten Materialien und Techniken, wobei ihr Interesse stets der Interaktion von Mensch und Natur gilt. Unter Verwendung von textilen und anderen Fundstücken, Baumaterialien wie Beton, aber auch vorgefertigten Tierpräparaten schafft Meinhardt Objekte, plastische Bilder sowie Installationen. Diese Pluralität deutet sich in der Präsentation in der Galerie am Damm an, wo neben den blauen Bildern auch zwei Objekte zu sehen sind.

Der mit Fellstücken überzogene Betonklotz „Probewürfel“ (2011) verdeutlicht, wie Meinhardt ungewöhnliche Materialkombinationen austestet, die in ihrer widersprüchlichen Haptik verwirrende Botschaften aussenden. Noch verstörender wirkt das silberglänzende „Best of Breed“ betitelte Objekt, das zugleich natürlich gewachsen und artifiziell wirkt, wie jene hochgezüchteten Hunde, die auf Züchtungsschauen prämiert werden und deren krankhafte Wucherungen für die Form von Meinhardts Objekt Pate standen.

Für die betörende Wirkung der unterschiedlichen Blauschattierungen von „Egosun“ hingegen sind zwei alte Techniken verantwortlich, die Meinhardt der eigenen Kunst anverwandelt und ins große Format überträgt: Zunächst ist da das zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfundene tiefblaue Pigment „Berliner -“ oder „Preußisch Blau“, das aus der Lösung von Eisen(III)-Salz und gelbem Blutlaugensalz gebildet wird. Aufgrund der Fotosensitivität der enthaltenen Eisensalze wird es seit 1842 für das fotografische Verfahren der Cyanotypie genutzt. Dabei wird ein Träger, in diesem Falle sind es ein Quadratmeter große Leinwandstücke, mit der chemischen Lösung präpariert. Werden darauf lichtundurchlässige bzw. transparente Gegenstände gelegt, entsteht bei der Belichtung ein Fotogramm, ein Lichtabdruck. Die verdeckten Flächen bleiben am Schluss heller bzw. weiß, während die übrigen Stellen mit dem (UV-)Licht reagieren und jene typische Blaufärbung annehmen. Als „Schattenwerfer“ für ihre Sonnenlichtabdrucke verwendet Meinhardt verschiedenste Gegenstände, die sie auf der mit der Lösung getränkten Leinwand anordnet: Fäden, Folie, Pflanzen, kleine Bälle, ein runder Tisch, vor allem aber: der eigene Körper, versehen mit einem Schutzanzug, schließlich sind die verwendeten Chemikalien nicht ungefährlich. Hinzu kommen die Schatten, die umstehende Gebäude auf die Leinwände werfen, während sie zehn Minuten oder länger dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Nach Ablauf dieser Frist deckt Meinhardt die Leinwände mit lichtundurchlässiger Folie ab, um den Belichtungsvorgang zu stoppen. Durch das anschließende Spülen mit Wasser – Meinhardt wäscht ihre Leinwände in der Waschmaschine – werden die Reste der Reaktionssubstanz ausgewaschen und die Darstellung wird fixiert.

Blau wurde in der Kunst seit jeher mit besonderen Bedeutungen verknüpft, was seine herausgehobene Stellung unter den Farben erklärt. Schon im Mittelalter wurde es als Verbindung zum Himmel und damit zur Sphäre des Göttlichen betrachtet. Als Nonplusultra galt über Jahrhunderte das aus dem Halbedelstein Lapislazuli gewonnene Luxusprodukt Ultramarinblau, das zum Teil sogar mit Gold aufgewogen wurde. Blau wird mit Himmel und Wasser assoziiert, man schreibt ihm eine beruhigende, friedliche und erweiternde Wirkung zu. Für den romantischen Dichter Novalis war die „blaue Blume“ das Bild grenzenloser Sehnsucht und Liebe.

Diese Bedeutungen schwingen auch bei Meinhardts blauer Serie mit, zumal im Galerieraum, umgeben von großen Flächen mit unterschiedlichen Blauschattierungen und schemenhaften Abdrücken von Objekten und Körpern, die unter Wasser oder schwerelos im traumblauen Raum zu treiben scheinen und beständig zur Reflexion über ihre Bildwerdung anregen. Dabei wird die den alten Bedeutungszuschreibungen an Blau innewohnende Unbeherrschbarkeit bei Meinhardt noch gesteigert, schließlich ist das Blau bei ihr kalkuliert unkalkulierbares Gestaltungsmittel: Zwar kann die Künstlerin die Eckpunkte der Komposition durch die aufgesetzten Objekte bestimmen und jene Reaktion zwischen fotosensitiver Lösung und Sonnenlicht terminieren, doch der Zufall bleibt wichtiger Gestaltgeber. Schließlich hängen Blauton und Form der Schatten entscheidend vom Stand der Sonne und ihrer Intensität ab.

Da erscheint es wie ein ironisch-selbstbewusster Kommentar, wenn im zentralen Bild Nr. 7 der Schatten von Meinhardts Hand hell hervorleuchtet. Während die Hand des Künstlers sonst die souveräne Autorschaft des Schöpfers eines Werkes herausstellen soll, mit die Natur nachahmenden, bildkünstlerischen Mitteln größter Illusionskraft, ist sie hier zwar unbestechlicher Sonnenabdruck und Spur vergangener Anwesenheit, betont aber dennoch den Kunstcharakter des fotografischen Bildes, da sie wie eine Berührung der Grenze zwischen Bild und Betrachter erscheint.

Klara Meinhardt „Egosun“. Cyanotypie auf Leinwand. Bis 15. August in der Galerie am Damm, Körnerplatz 10. Geöffnet Dienstag bis Freitag, 14 bis 19 Uhr; Samstag 11 bis 14 Uhr.

www.galerie-am-damm.de

Von Teresa Ende

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