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Regional Bin ich Teil des Universums oder nicht?
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18:56 06.02.2018
Ausschnitt aus „Knockout“ des Studententheaters DIE BÜHNE Quelle: Maximilian Helm
Dresden

„Ich freu mich darauf, unsere illustre Audienz begrüßen zu dürfen!“ – So beginnt das Stück „Knockout“ der TU-Bühne, das in den weiteren 70 Minuten alles, was wir über Kommunikation glauben zu meinen, infrage stellt. Dem Publikum soll die Informationsverarbeitung erklärt werden. Die sechs Schauspieler reden dabei jedoch aneinander vorbei. „Was ist 2 mal 2?“, fragt Maria „Also hier auf dem Tisch steht: Fluffi, das Gleitgel“, antwortet ihre Kollegin dazu. Maria möchte sie nach dieser falschen Antwort in eine triviale Maschine verwandeln, „denn das Erziehungssystem soll berechenbare Bürger erzeugen.“ Damit deutet der Berliner Regisseur Carlos Manuel bereits die erste Gesellschaftskritik an – die er eigentlich gar nicht offenbaren wollte, wie er nach dem Stück verrät. Immer, wenn jemand eine Frage stelle, sei diese obsolet, weil der Sender die Antwort bereits kenne. „Es gibt keine Antwortfreiheit, wenn der Frame bereits vorgegeben ist“, meint Carlos Manuel.

Maria hingegen ist sich in „Knockout“ sicher: „Eine Nachricht ist nur dann gelungen, wenn die gleiche Information des Senderhirns A im Empfängerhirn B ankommt. Ob der Empfänger irgendwas mit der Nachricht anfangen kann, die er erhält, ist nicht Sache der Informationstheorie.“ Damit spielt der Regisseur auf die zweite Lehre des Stücks an: Ist es tatsächlich möglich, Informationen wie eine Blume von einem Gehirn ins andere umzutopfen? Oder ist es nicht gerade sinnvoll, dass man durch Kommunikation nur die Samen verteilt, aus der im Hirn des Empfängers ein neuer und eigenständiger Gedanke wächst? „Verständnis ist die Herstellung neuer Welten im Verhandlungsraum, sonst erwächst die Ohnmacht der individuellen Denkkraft“, so der Regisseur. Durch ein Versuchsexperiment der Darsteller wird daher deutlich: Trotz hypothetischer Verschaltung sind wir nicht in der Lage, die Gedanken des Gegenüber lesen zu können. „Knockout“ zweifelt damit Kommunikationstheorien an, die darauf beruhen, den Gesprächspartner anhand dessen Mimik und Gestik zu analysieren.

Gegen Ende des Stücks stellt sich eine Darstellerin die zentrale Frage: „Bin ich vom Universum getrennt oder bin ich Teil des Universums?“ Sie glaubt: „Immer, wenn ich über das Universum spreche, spreche ich auch über mich selbst.“ Regisseur Manuel erklärt ergänzend dazu: „Wenn ich nur die Welt betrachte, sind die auftretenden Phänomene darin nicht meine Schuld. Ansonsten bin ich daran beteiligt.“ Diese Betrachtungsweise sei ausschlaggebend für Politik, Psychologie oder auch Marktwirtschaft. „Vom Diesel-Skandal bis zur Beziehung steht immer die Frage offen: Bin ich Teil der Sache oder nicht?“

Ob Nudelsieb und zerschnittenen Pullover als Requisiten, eine Exkursion ins Freie, wechselnde Metaebenen oder die Interaktion mit dem Publikum: „Knockout“ trägt eine ganz persönliche Handschrift. Humorvoll setzt sich das Stück mit der gesellschaftlichen Kommunikation auseinander und lässt den Zuschauer nachdenklich zurück. Viele bekannte Ansätze, wie etwa Shannons Informationstheorie oder der Rosenthal-Effekt, wurden verarbeitet und mithilfe des Lehrstuhls für Methoden der Psychologie an der TU Dresden kritisch beleuchtet. Dem Regisseur geht es dabei lediglich darum, an Selbstverständlichkeiten zu rütteln, denn Theater sei für ihn keine moralische Anstalt, um das Publikum zu belehren. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Stück richtig verstanden habe“, sagt ein Zuschauer nach der Vorstellung. „Zum Glück!“, antwortet der Regisseur.

„Knockout“ wird wieder am 13.,14. und 15. April, sowie am 8., 9. und 10. Juni jeweils um 20.15 Uhr in der Teplitzer Straße 26 gespielt.

Von Katharina Jakob

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