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Bilder und Objekte von Angela Böhme in der Galerie Adlergasse

Ausstellung Bilder und Objekte von Angela Böhme in der Galerie Adlergasse

Derzeit sind die Werke der gebürtigen Hamburgerin Angela Böhme in der Galerie Adlergasse an der Wachsbleichstraße 4a zu sehen. Mit ihren Bildern und Objekten stößt sie verschiedene Themen gleichzeitig an. Wir haben uns die Ausstellung genauer angesehen.

"Kleid" (2012/2014) Stoff und verschiedene Tinkturen

Quelle: Heinz Weißflog

Dresden. Angela Böhme (geb. 1976 in Hamburg) versteht ihre Kunst immer auch als ganz persönlichen Spiegel ihres Lebens. Die existenzielle Situation der Geburt, aber auch die Verantwortung für ihr Kind prägten ihre Arbeiten seit einigen Jahren eminent. Die Künstlerin versucht mit ihren Werken, Tabuthemen zur Sprache zu bringen. In ihrer jetzigen Ausstellung in der Galerie Adlergasse stößt sie mit ihren Bildern und Objekten verschiedene Themen gleichzeitig an, die sich mit Körperlichkeit und seelischen Phänomenen beschäftigten. Immer aber geht es ihr um eine ungewöhnliche Wahrnehmungsmitteilung und Kommunikation mit anderen, die sie in ihren Kunstwerken auf magische Weise reflektiert und materialisiert.

Zentrum der Gesamtausstellung im großen Raum bilden die beiden Kleidungsstücke, die wie kostbare Zaubergewänder aus Tausend und einer Nacht anmuten. Dabei handelt es sich bei „Künstlerrobe“ (2015) um ein folkloristisches, in Patchworktechnik angefertigtes Gewand aus gewöhnlichem Material, für das von einigen befreundeten Künstler/innen gesammelte Stoffstücken verwendet wurden. Hinter jedem Stoffteil verbirgt sich eine Geschichte, die ihr die Spender erzählten und die in ihrer Vielfalt nun lebendig als etwas Schönes vor dem Betrachter steht. Das Pendant dazu mit dem schlichten Titel „Kleid“ (2012/2014) ist mit einem Sammelsurium von ungewöhnlichen Tinkturen und Farbstoffen auf goldfarbenen Grund in fleckenartigen Formen appliziert worden. Die Verfremdung des noblen Materials spricht hier das Thema „Fleck“ an, der in diesem Falle ein „Prachtgewand“ nicht verunstaltet sondern verschönert und den „Reinheitswahn“ im Bereich der Kunst erfahrbar macht. Der spielerische Umgang mit einfachen Dingen schärft dabei die Wahrnehmung der Künstlerin und damit auch die des Betrachters, der in dieses Spiel einbezogen wird: Das kissenartige Objekt „Fleck“ (2009) mit vernähtem Stoff und mit Bändern versehen (auf einem kleinen Podest liegend) wurde wegen einer digitalen Fotoserie mit 120 Fotos unter dem Titel „Fleck-Sesssions“ verschiedenen Personen in die Hand gegeben, die damit, ganz nach ihrem persönlichen Empfinden, Teile ihres Körpers bedecken sollten. Diese aktive Form einer nonverbalen Äußerung über die eigene Körperlichkeit hielt die Künstlerin fotografisch fest und demonstrierte damit das Individuelle (einen Teil der Identität) der Person auf der Grundlage allgemeinmenschlicher Beschaffenheiten und Affekte.

Künstlerrobe (2009) Stoffe, Garn, Haken Ösen, dahinter "Muselscheibe und "Trippeltanz" sowie "Tasche" (2011)

Künstlerrobe (2009) Stoffe, Garn, Haken Ösen, dahinter "Muselscheibe und "Trippeltanz" sowie "Tasche" (2011)

Quelle: Heinz Weißflog

Angela Böhmes Kunst schafft Modellsituationen, setzt sie durch ungewöhnliche Mittel um und stellt sie spielerisch vor. Dabei beruft sie sich auch auf das historische Votivbild (ursprünglich eine Weihetafel aus dem Spätmittelalter, zum Beispiel bei Schwangerschaft und Geburt verwendet) wie in „Muskelscheibe“ (2009), eine leicht veränderte Darstellung des weiblichen Beckens, „Kleine hängende Haut“, die vor Schmerz und Krankheit schützen soll oder „Blutendes Kraut“ (2007) in dem eigene Schmerzerfahrungen transformiert werden. Die drei Bleistiftzeichnungen (2014) mit dem Titel „Vita I-III“ zeigen ein grafisches Schriftbild ohne individuelle Angaben zur Person sondern Anweisungen zum „Ein-und Ausatmen“, die damit zur allgemeinen Metapher für eine universale Biografie des Menschen an sich werden.

Im Foyer der Galerie zeigt die Künstlerin fiktive und abstrakte Landschaften, an denen sie gerade arbeitet. Die drei Gouachen von 2017 in hingehauchter, transparenter Farbigkeit beschäftigen sich mit der Weite der Natur in starker Reduktion, widmen sich vor allem aber dem Gefühl der innerlichen Erdung, symbolisch durch einem imaginären, kreisförmigen Landeplatz (“Landung“) ausgedrückt. Angela Böhme studierte von 2000 bis 2004 an der HfBK Dresden bei Prof. Ulrike Grossarth übergreifendes künstlerisches Arbeiten (Mixed Media).

Bis 12. Januar 2018. Galerie Adlergasse, Wachsbleichstraße 4a, 01067 Dresden. Kontakt: 0351/866 0212

Von Heinz Weißflog

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