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Bild-Ton-Live-Paket der Breitwandrocker Sigur Rós

Bild-Ton-Live-Paket der Breitwandrocker Sigur Rós

Die Zeit bis zum Bundesstart des sehr beeindruckenden französischen Stummfilms "The Artist", Ende Januar 2012, überbrückt ausgerechnet ein Konzertfilm auf DVD.

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Und ausgerechnet stammt er von den isländischen Präsentationsrockern Sigur Rós, deren Platten man sogar noch kurz vorm Verlassen der Vulkaninsel zum schnellen Kauf im Flughafen präsentiert bekommt. Neben denen von Björk. Populärkünstler also, die Island im guten Sinne vertreten. In Breitwand.

Was also hat "The Artist" mit "Inni" zu tun, einer 2-CD/DVD-Edition? Nun, wo zumeist die Filme als Bonus der Platten auftauchen, scheint es hier genau anders herum zu sein. Die Band verpflichtete den kanadischen Regisseur Vincent Morisset, und der gibt dem Konzertmitschnitt aus dem Londoner Alexandra Palace vom November 2008 einen untrüglichen Stummfilm-Charakter. So, als würde er damit das alte Genre konterkarieren. Die üppigen Songs von Sigur Rós tanzen hier förmlich auf flackernden, ja, irrlichternden, grieseligen Schwarzweiß-Bildern. Es wirkt wie ein Statement. Mehrere Handkameras kamen direkt auf der Bühne zum Einsatz, zu sehen sind beängstigend dichte Details, selten Totalen. Das digitale Material wurde schließlich analog "heruntergebrochen" und bekam so diesen sehr eigenen, sehr wohl nicht leicht zu goutierenden Charakter.

Morisset weiß, was er da macht. Schon die Dokumentation "Miroir Noir" über die Landsleute Arcade Fire hatte ähnliche Elemente dabei, Morissets Clip zu "Neon Bible" gehört zu den Klassikern jüngeren Datums. Für "Inni" ist die Lauflänge von 75 Minuten geradezu ideal. Die Komprimierung auf das Wesentliche ist gelungen, ebenso wie das gelegentliche Auflockern der formalen Strenge mit witzigen (dann farbigen) Archivaufnahmen, die allerdings nie den Fluss des puren Live-Gigs stören.

"Inni" kontert auch in zweiter Instanz. Denn als vor vier Jahren "Heima" erschien, war dieses umwerfende Werk ja das Dokument einer Verwurzelung. Sigur Rós waren unterwegs im eigenen Land, zelebrierten Selbiges, die Einwohner und vor allem die atemberaubende Natur. Die Farben haben geleuchtet - kaum ein Song wurde ausgespielt.

Jetzt aber regiert das Konzert. Es stand am Ende der Tour zur bislang letzten CD "Með suð í eyrum við spilum endalaust", mit der die vier auch Station in Dresden machten. Sigur Rós mischen Songs aus vier Platten, und alles ist dabei, was ihren Sound ausmacht: die flirrenden Tasten, die mit dem Geigenbogen gestrichene E-Gitarre, Crescendi nonstop, Wucht und Feinheit, angeführt von Jonsi Birgissons leuchtend-hellem Organ, aufgenommen und gemischt von einem der vertrauten Koryphäen in Sachen Soundkultur: Birgir Jón Birgisson.

Dass auch der Film nach einer Stunde fast suggestiv auf den akustischen wie optischen Höhepunkt "Popplagid" zusteuert, versteht sich dann nur noch von selbst. Die beiden CDs bringen 18 Tracks, die DVD hat immerhin sechs plus vier auf Lager. The Artists -

Sigur Rós, "Inni" (Krank/Pias)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.12.2011

Andreas Körner

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