Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 2 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+
Bewusst-wie!

Thurston Moore Group im Dresdner Beatpol Bewusst-wie!

Großes wird verkündet: Thurston Moore kommt mit Steve Shelley, Debbie Googe und James Sedwards in den Dresdner Beatpol, mit im Gepäck die aktuelle Platte „Rock N Roll Consciousness“. Ein Fest für Freunde des Rock-Experiments!

Voriger Artikel
„Es gibt einen Königsweg“
Nächster Artikel
Puppentheater-Inszenierungen für Kinder

Thurston Moore (2.v.l.) bringt Freunde mit: James Sedwards, Debbie Googe und Steve Shelley (v.l.).

Quelle: Vera Marmelo

Dresden, .

Vollendete Tatsachen – das ist eine sehr zutreffende Wortverbindung für Thurston Moores Berufsethos. Der in Kürze 59-Jährige ist ein wahrer Ausbund an Professionalität, Zielstrebigkeit und Musikalität. Künstler wie er sind für Projekte wie geboren, eine einzige Band allein ist ihnen nie genug. Sie profitieren davon und lassen profitieren. „More Moore“ war stets nur gut gemeint.

Vollendete Tatsachen schuf der US-Amerikaner schon beim Gründen jener Formation, mit der er auf ewig in Verbindung gebracht werden sollte und die gemeinsam einen so urtypischen experimentellen Sound und Stil entwickelt hat. Thurston Moore: „ Obwohl wir immer demokratische Entscheidungen trafen, stellte ich die Band diesmal vor vollendete Tatsachen und sagte, dass ... die ganze Sache Sonic Youth heißen würde. Eine der wenigen diktatorischen Entscheidungen, die ich getroffen habe.“ Das war 1981 in New York. Sonic Youth gab es dann über 30 Jahre lang, zu schwärmen war von ihrer besten Besetzung mit Thurston Moore, Kim Gordon, Steve Shelley und Lee Ranaldo. Mit dem Big Apple war Moore scheinbar auf ewig verbunden. Doch jetzt, wo sein Wohnsitz London heißt, überrascht nicht mal das.

Es ist so etwas wie kreative Gelassenheit in den Komponisten, Texter, Gitarristen und Sänger eingezogen: „Früher dachte ich, Musik zu machen bedeutet, jeden Tag zu schreiben und zu proben. Es hat mich Jahre gekostet, um herauszufinden, dass es besser ist, jeden Tag lieber neu zu betrachten. Deshalb schreibe ich mir schon lange überall Ideen auf, egal, wo ich bin, ob daheim oder in der U-Bahn. Und ich lasse dabei auch Unausgegorenes zu. Vielleicht muss ich mich ins Stadium völliger Einsamkeit versetzen, bis alles aus mir herausplatzt.“

Thurston Moore hat wieder eine „neue“ Band, nicht nur fürs Studio, auch für die Bühne. Eine andere hatte der Sohn eines klassischen Pianisten, als er vor fünf Jahren in Dresden gespielt hat. Damals hieß sie Chelsea Light Moving, es war im besten Sinne eine Session-Konstellation mit John Moloney (Drums), Keith Wood (Gitarren), Samara Lubelski (Bass, Violine). Und laut war sie, heftig, rau, explosiv, so gar nicht wie Moores bis dato letzte, insgesamt vierte Solo-CD „Demolished Thoughts“. Die mit den so wunderbaren eher akustisch dominierten Songs, die im Alten Schlachthof nur für den Beginn taugten. Als Idee. Den Begriff „Band-Ballast“ gab es für ihn sowieso nie, gleich gar nicht nach der offiziellen Auflösung von Sonic Youth im Jahre 2011. Dort war auch die Ehe zwischen Kim Gordon und Thurston Moore gescheitert. Sie hielt 27 Jahre lang.

Alles Wissenswerte über Sonic Youth und deren „Bestandteile“ steht im fundierten Buch „Goodbye, 20th Century“ von David Browne. Alternierendes zum Klima, in dem diese Künstler gelebt und gearbeitet haben, gibt es auch – mit Thurston Moore als Protagonist – in den atmosphärischen Dokumentarfilmen „Blank City“ und „Station To Station“ zu sehen. Als Vorbereitung für das neuerliche Dresden-Konzert am kommenden Dienstag unbedingt zu empfehlen. Moore wird dann mit seiner aktuellen CD kommen. „Rock N Roll Consciousness“ (Caroline) erschien Ende April in der Besetzung Thurston Moore (Gitarre, Gesang), Steve Shelley (Drums), Debbie Googe (Bass, Gesang), James Sedwards (Gitarre). Schlicht Thurston Moore Group ist dieses britisch-US-amerikanische Quintett benannt. Es ist wunderbar, dass es im Beatpol-Programm diesmal keine beschreibenden Worte über den Abend gibt!

Denn: Was soll man sagen? Steve Shelley, der alte Sonic-Youth-Freund! Debbie Googe von My Bloody Valentine und Primal Scream! James Sedwards von Guapo! 2014 haben sie schon in dieser Zusammenstellung für die grandiose CD „The Best Day“ gespielt. „Rock N Roll Consciousness“ bringt nun fünf Stücke in einer Länge von sechs bis zwölf Minuten. Eine konsequente Bandplatte ist‘s, klassisch, frei in Geist und Ausführung, mit langen, präzise ausgeformten, extrem vibrationsreichen Instrumentalpassagen, Wucht und Inspiration.

Textlich arbeitete Moore erneut mit dem Londoner Transgender-Autor Radieux Radio zusammen. Beide waren zuvor schon im Projekt Watch The Sky vereint und auch auf „The Best Day“. Anregen ließen sie sich jetzt vor allem durch Moores Arbeit als Lehrer in der Naropa University Colorado des tibetischen Mönchs Chögyam Trungpa. Dass das Album durchaus offen ausgetragene meditative Züge trägt, ist also kein Zufall. Vieles, so Thurston Moore, würde sich dort an der Uni um Bewusstsein drehen. „Und so habe ich herausgefunden, dass der Rock’n’Roll mein Bewusstsein ist – Rock’n’Roll Consciousness.“ Bewusst-wie!

Produziert hat Paul Epworth, der zumeist im Zusammenhang mit Adele und deren Platten „21“ und „25“ genannt wird. Zu wundern gibt es auch hier nichts. Epworth hat wohl allein für beste Arbeitsbedingungen und das eine oder andere Stück Glas im Sound, speziell für Steve Shelleys Schlagzeug, gesorgt. Gemeinsam nahmen sie neun Stücke in sechs Tagen auf, und, so Moore, „wenn ich dafür Adeles Mikrofone benutzen darf, bin ich glücklich.“ Er verehrt sie.

Noch etwas für die, die es noch nicht gehört haben: Thurston Moore war es, der im April dieses Jahres im Londoner Barbican das kommende 50. Bandjubiläum der von ihm gleichsam hochverehrten deutschen Band Can organisiert und zusammen mit dem London Symphony Orchestra und den Can-Mitgliedern Irmin Schmidt und Malcom Mooney gespielt hat. Steve Shelley war auch dabei. Und Debbie Googe. Und James Sedwards.

Also: Wie sehen uns!

Thurston Moore Group, Vorprogramm: Kala Brisella, heute, 21 Uhr, Beatpol

 

Von Andreas Körner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr