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Regional Bewegte Körperbilder in Dresden-Hellerau - Olivier Dubois assoziiert die "Tragédie" der Gemeinschaft
Nachrichten Kultur Regional Bewegte Körperbilder in Dresden-Hellerau - Olivier Dubois assoziiert die "Tragédie" der Gemeinschaft
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17:22 09.09.2015

Um schließlich herauszufinden, wie sich Individuelles entwickelt, Gemeinschaften funktionieren und welchen Gefährdungen diese dabei ausgesetzt sind.

Der französische Choreograf und Tänzer Olivier Dubois geht mit der Blöße des Menschen auf eine Weise um, bei der Diffamierendes, Entwürdigendes gar nicht erst aufkommen kann. Und die insgesamt 18 Tänzer, die nach und nach selbstbewusst auf der sich schrittweise aufhellenden Bühne aus dem schwarzen Hintergrund heraustreten, folgen einer Formensprache und Energie, die zunächst kaum veränderlich wirkt. Bis sich zur Klangszenerie von Francois Caffenne dann doch einige hoffnungsvolle Richtungs- und Kombinationswechsel andeuten und auch wieder verflüchtigen. Da scheint jeder (ebenso im Verborgenen) permanent in Bewegung zu sein, reagiert auf Gefahren, strebt der Gruppe zu und landet letztlich immer wieder in der Gemeinschaft.

Problematisch wird es erst dann, wenn Dubois in manchen Szenen zu konkret wird, beispielsweise im Durchzittern der Körper und einer paarweisen Zuordnung Assoziationen nahelegt, die ein freies Deuten eher einschränken und dem Publikum quasi Denkvorgaben mitgeben. Das nimmt letztlich dem konsequenten und spannungsreichen "Vorlauf" der in den Wechseln sparsam gehandhabten und damit wirkungsvollen Dynamik einiges an Kraft.

Raumgreifendes Auftreten

Und wenn sich das Geschehen wie in der griechischen Tragödie schließlich zur Katastrophe, zum Unentrinnbaren steigert, sich jeder auf seine Weise verausgabt und sich die Gemeinschaft vereint, dann ist die Wirkung des Rauschhaften, Unbedingten schon längst wieder abgeebbt. Und das Publikum hat mehr Kraft aufzubringen, die schmerzhaft-andauernde Geräuschkulisse zu überstehen, als dass es sich wahrhaft noch vom Bühnengeschehen gefangen nehmen lässt. Aber wohl doch von den so unterschiedlichen Tänzern. Diese sind zwar nur einseitig gefordert, verausgaben sich in der choreografischen Formung auf ihre Weise. Aber für dramaturgische Schwachstellen, wie sie speziell im letzten Drittel der anderthalb Stunden (ohne Pause) auftreten, kann man sie gewiss nicht verantwortlich machen. Und das Bild ihres unbedingten, raumgreifenden Auftretens wird man zwingend im Gedächtnis behalten.

Dass es in der Aufführung auch immer wieder gelingt, lang erhoffte und dann plötzlich eintretende Wechsel, Ballungen, Konfrontationen so zu akzentuieren, dass sie wie ein Innehalten wirken und zum Nachdenken anregen, ist spürbar auch der Lichtführung von Patrick Riou in Zusammenarbeit mit dem Choreografen zu danken, denn die weichen und auch harten Lichtzeichnungen der Körper sorgen ihrerseits für Verwandlungen und Assoziationen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.01.2015

Gabriele Gorgas

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