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Beim „Tag der Utopien“ präsentierten Schüler ihre Vorstellungen

Landesbühnen Sachsen Beim „Tag der Utopien“ präsentierten Schüler ihre Vorstellungen

Warum nicht mit der praktischen Umhängetasche das Theater besuchen, in der ein Haustier und Zeitung oder Minifernseher Platz finden, falls die Vorstellung zu unspannend verläuft? Solche Erstaunlichkeiten waren von Schülern auf sechs Stationen eines „Parcours der Utopien“ im Stammhaus Radebeul der Landesbühnen Sachsen zu vernehmen.

Auf der Tafel am Eingang vom Hof ins Haus konnten Kinder ihre Meinungen notieren.

Quelle: Landesbuehnen Sachsen / Martin R

Dresden/Radebeul. Warum nicht mit der praktischen Umhängetasche das Theater besuchen, in der ein Haustier und Zeitung oder Minifernseher Platz finden, falls die Vorstellung zu unspannend verläuft? Mehr zu essen sollte es geben, mehr Grün und echte Tiere auf der Bühne, Parfüm sollte auch den Geruchssinn anregen. Der vollklimatisierten Theaterkleidung gehört die Zukunft. Und kostenlos sollte der Theaterbesuch bitte auch sein.

Solche Erstaunlichkeiten waren von Schülern auf sechs Stationen eines „Parcours der Utopien“ im Stammhaus Radebeul der Landesbühnen Sachsen zu vernehmen. Der Tag war Höhepunkt und Abschluss einer seit Spielzeitbeginn währenden Zusammenarbeit des Jungen Studios der Landesbühnen, vierer Schulen in Coswig und Radebeul und des Studienganges Theaterpädagogik der Universität der Künste Berlin. In einem Workshop hatten sie zunächst Vorstellungen vom „Theater der Zukunft“ entwickelt. Gemeinsam mit Abteilungen der Landesbühnen bildeten Schüler dann so genannte Tandemgruppen, die sich seit dem Herbst des Vorjahres mehrfach trafen.

Was die Schüler im Alter von etwa 10 Jahren bis hinauf zur 10.Klasse des Coswiger Gymnasiums ausbrüteten, lässt den erfahrenen Theaterpraktiker einesteils schmunzeln. Andererseits aber kann der eingefahrene Theaterbetrieb auch Anregungen entgegennehmen, wie man der nachwachsenden Zuschauergeneration entgegenkommen kann. Grundsätzliche Einstellungen und Haltungen diskutierten die Gäste des Abschlussparcours beispielsweise in der „Reflexionssstation“. Da meinten die einen, Theater solle „echter“ werden, während die anderen mehr Nachdenklichkeit und Analyse wünschten. Als hätten sie zuvor die gegensätzlichen Auffassungen von Stanislawski und Brecht studiert! Schauspielern kann man durchaus auch solo vor dem Spiegel, kam heraus, und erstaunlich viele plädierten dafür, dass Spieler ihre Texte selber verfassen dürfen – wie bei Stückentwicklungen.

Rührend und phantasievoll hatten Hortkinder die Requisiten der Zukunft aufgebaut: Einen fliegenden Wecker, den Troll-Koffer, die Lava-Pistole, einen Hamster mit Handy-Bauch. Ach ja, das unvermeidliche Handy. Es während der Vorstellung auszuschalten, gehört immerhin zu den anerkannten ungeschriebenen Regeln des Theaters. Aber eigentlich hört Theater auf, wenn man sich allzu genau an Regeln halten, ja „spießig sein muss“, meinten Schüler in einem Film über die Grenzen des Theaters. In einem von den großen Coswigern verfassten Rap drückten sie mit erstaunlicher Leidenschaft ihren Wunsch nach dem ganz individuellen Ausbruch aus. Hört das Theater eigentlich auf, wenn es in der Realität angekommen ist?

Ob es superprofessionell gemacht sein muss oder auch laienhaft geboten werden darf, darüber stritten zwei Gruppen in einer „Crazy Show“ auf der Hauptbühne. Ihren Mindestanforderungen aber müssen Schauspieler in jedem Fall genügen. Also fliegen, sterben und wiederauferstehen und auch absolut Unspielbares spielen können. Sehr sinnlich-haptische Erfahrungen bei verbundenen Augen konnten die Gäste schließlich in einem Hör- und Berührungstheater machen. Wind, Streichelkissen, Knisterpapier sorgten für eine magische Atmosphäre. Theater ist aller Medienkonkurrenz zum Trotz offensichtlich weiterhin ein Thema unter Kindern und Jugendlichen, lässt sich nach diesem Utopien-Projekt mindestens konstatieren. Mehr noch als mitgebrachte Klischees spielt dabei die eigene Phantasie in Vorstellungen von einer Bühnen-Spiegelwelt hinein.

Von Michael Bartsch

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