Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Bei seinem Dresdner Konzert hat Rolando Villazón „Schätze des Belcanto“ überaus reichlich verteilt
Nachrichten Kultur Regional Bei seinem Dresdner Konzert hat Rolando Villazón „Schätze des Belcanto“ überaus reichlich verteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 15.10.2017
Rolando Villazón und die kanadische Pianistin Carrie-Ann Matheson im Dresdner Kulturpalast Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden


Die hochgeschätzte Leserschaft muss sich jetzt nicht entscheiden, alle drei Antworten sind richtig und ergänzen einander. Es könnten noch mindestens drei mal drei weitere Gründe angeführt werden, die für dieses Konzerterlebnis sprechen würden (und somit auch die noch leergebliebenen Plätze gefüllt hätten).

Rolando Villazón ist ein Ereignis. Seine Vielseitigkeit als Sänger und Regisseur,, Intendant und Moderator, Autor, Clown und Karikaturist ist hinlänglich bekannt. Dass er in einem einzigen Liederabend aber auch derart vielgestaltig auftreten kann, hat dann doch überrascht. „Schätze des Belcanto“ versprach der mexikanische Tenor seinem Publikum – und diese Schätze hat er überreichlich verteilt. Dabei hätte er es sich recht leicht machen und die Wunschkonzert-Jubelarien präsentieren können, die aus den Opern von Bellini, Puccini und Verdi bestens vertraut sind. Doch Rolando Villazón wollte wirkliche Schätze präsentieren, und die liegen meist im Verborgenen. Auch in der Musik. Folglich offerierte er eher Unbekanntes von Giovanni Bononcini, Francesco Durante und Alessandro Scarlatti.

Von Letzterem (dessen Vorname übrigens nicht nur, wie im 5-Euro-Programmheft mit sieben Doppelseiten voller Eigenwerbung der Veranstalter, mit einem „s“ geschrieben wird) gab es drei nahezu unbekannte Lieder, in denen des Sängers Spielfreude schon mal deutlich zum Vorschein kam. Besonders beim „Su, venite a consiglio“ stand Villazón geradezu neben sich und gestaltete einen wunderbaren Wechselgesang aus Wut und Leidenschaft, in dem sowohl sein Stimmspektrum vom Strahle-Tenor bis zur Bariton-Wärme als auch sein unwiderstehliches Augenspiel zur Geltung gekommen sind. Überhaupt flirtete er rasch mit den vordersten Reihen, agierte auch mimisch und interpretierte so Durantes „Vergin tutto amor“ ebenso ansteckend mitleidig wie „Caro mio ben“ von Giuseppe Giordani (im Programm als Guiseppe ausgewiesen).

Eine unüberhörbare Brüchigkeit in höheren Stimmlagen machten diese herzergreifenden Lieder – jedes für sich schier eine Kleinstoper) nur umso glaubhafter. Villazón geriet zum grandiosen Apostel lebensecht vorgetragener Liebes- und Leidensgeschichten. Als riskanter erwiesen sich allerdings größere Intervallsprünge etwa in Rossinis „La gita in Gondola“, die nicht immer gleich zum notierten Ziel kamen, aber das Gondeln zum mitreißenden Erlebnis und gleich darauf in „Mi lagnerò tacendo“ den guten Tropfen zum Tröster werden ließen. Erheblichen Anteil am überaus harmonischen, dennoch aufregenden Wellen- und Torkelspiel hatte Villazóns kanadische Pianistin Carrie-Ann Matheson, die ihn geradezu mitatmend begleitete und sich späterhin auch noch als wahre Komödiantin erweisen sollte.

Dabei ist es ja eigentlich an Villazón, den Bajazzo zu geben, den Pagliaccio. Wie er mit seinen dunklen Augenbrauen gerudert, pianistische Vor- und Zwischenspiele begleitet hat, um das Publikum mit der ohrwürmelnden Tarantella „La Danza“ in die Pause zu entlassen, das war ganz große Kunst und erinnerte durchaus an den tenoralen Meilenstein Pavarotti.

Im zweiten Konzertteil legten Villazón und Matheson, nachdem sie in bezwingender Noblesse mit Vincenzo Bellini gestartet waren, noch eine veristische Belcanto-Schippe drauf. Insbesondere bei Verdis Romanze „Il poveretto“ durchlitt und durchlebte der Sänger das Betteldasein, um in „L’esule“ das Schicksal eines Verbannten mit höchster Ernsthaftigkeit darzustellen.

Den Komiker ließ er erst zum späten Ende des Abends wieder raus, als das Publikum ihn mit Blumen und Beifall bedachte, um sich eine Zugabe nach der anderen zu erklatschen. Daraus wurde ein Wechselbad der Gefühle, denn vor einem schwungvollen Rausschmeißer richtete sich der Sänger an seine Fans und forderte Empathie für all jene Menschen ein, die ihr Leben nur fliehend retten können, ebenso für jene, die den Flüchtenden hilfreich zur Seite stehen.

Erst danach wurde in den Jubelchor des „Funiculì, Funiculà“ von Luigi Denza eingestimmt. Da schmetterte auch die Pianistin kichernd mit – und die Menschen im Saal lagen dem Latin Lover mitsingend zu Füßen. Gut möglich, dass er bei seinem nächsten Dresden-Besuch als Regisseur kommen oder seinen nächsten Roman vorstellen wird. Willkommen ist Rolando Villazón auf jeden Fall.

Von Michael Ernst

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Regional Kaisermania am Elbufer Dresden - Termine für Roland Kaiser 2018 stehen fest

Nach erneut vier erfolgreichen Konzerten und trotz Regen nahezu 50 000 begeisterten Fans hat Roland Kaiser jetzt die Termine für seine Kaisermania 2018 veröffentlichen lassen. Der in Dresden so beliebte Schlagerstar wird am 3., 4. und am 10., 11. August 2018 wie gewohnt jeweils an zwei Freitagen und Sonnabenden bei den Filmnächten am Elbufer auftreten.

15.03.2018

Die beiden Hegenbarth-Künstlerstipendiaten des Jahres 2014 sind vorgestellt, deren vielversprechende Portfolios sich aus über 40 Bewerbungen hervorgetan hatten.

25.06.2018

Am morgigen Sonntag wird sie 85 Jahre, trotzdem strahlt Ursula Rzodeczko mit jugendlich wirkendem Gesicht, als sie über ihr Künstlerleben spricht. Es gibt noch Reibungen, die sie jung erhalten.

19.06.2018
Anzeige