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Behäbig: Allah-Las mit fehlenden Konturen im Beatpol

Behäbig: Allah-Las mit fehlenden Konturen im Beatpol

Ein Rezensent, der im Unterschied zum applaudierenden und nach Zugabe rufenden Publikum ein Konzert langweilig findet: Das kommt vor. Das Dilemma beginnt, wenn er selbst am Morgen danach noch nicht weiß, warum der Konzertabend langweilig war und geneigt ist, zu flüchten in das vermeintlich sichere Terrain der Geschmackssachen.

Es geht um den Abend am Pfingstmontag im Beatpol. Die Allah-Las aus Los Angeles, Kalifornien waren da: proppevoller Beatpol, heiteres Publikum, das vor Konzertbeginn erwartungsvoll mit den Füßen vor der Bühne scharrte, ein Pfiff, als kurz vor zehn immer noch keiner der Allah-Las auf der Bühne war. Als das Quartett Miles Michaud (Gesang und Gitarre), Pedrum Siadatian (Gitarre), Spencer Dunham (Bass) und Matthew Correia (Perkussion) 2012 ihr Debüt "Allah-Las" rausbrachten, waren alle begeistert vom Revival des trockenen, spartanischen Sixties-Surf-Garage-Sounds. Auch am Montag ab 22 Uhr waren die Doors, die Beach Boys und Velvet Underground als diffuse Mischung vorhanden. Ab und an entwand sich einer dieser sehnsuchtsvollen Surfgitarrensounds dem akustischen Sandberg auf der Bühne und Michaud schnodderte aus dem Untergrund.

Denn was bei den Beach Boys dieser glasklare, schnittige Beach-Sound war oder bei den Doors prägnanter Psychedelic-Blues, ist bei den Allah-Las staubtrockener, vernebelter Wüstensurf. Den Kaliforniern aber fehlt es leider an Konturen und Einmaligkeit und damit die Qualität und Chance, es auf eine Tarantino-Soundtrackliste zu schaffen. In Surf-Genre darf dies als Qualitätskriterium gelten.

Hinzu kam der durchgängig behäbig wirkende Rhythmus der Allah-Las-Songs, den man chillig nennen kann, aber nicht muss. Die Allah-Las machen Surf ohne Strand. Schon auf ihren Alben sind sie wüstenspärlich, live im Beatpol spreizten sich die beiden Gitarren, die Soli drangen nicht durch, es mulmte und alles klang weit, weit weg. Die Bühne im Beatpol war akustisch 50 Meter entfernt. Unnahbar war das und oft eintönig. Wie wenn man durch Milchglas schaut: Man erkennt schon irgendwie, was dahinter ist. Aber eben nur irgendwie. Und so scheuerten die Allah-Las die Beatpolbühne sandtrocken und schafften trotzdem, dass das Publikum zu ihnen hielt.

Das feierte die alten Bekannten wie "Catamaran" und "Long Journey" oder "Artifact" und "De Dida Voz" vom letzten Album "Worship the Sun" (2014). Songs, die auf den Alben mal gut zu hören sind - live krümelten sie dahin. Nach 50 Minuten der letzte Song, noch Zugabe - und dann war gut.

www.beatpol.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.05.2015

Robert Kaak

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