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Begegnung mit göttlichen Sandalen: Dresden verdankt dem Schwaben Ernst von Sieglin bedeutende Skulpturenschätze

Begegnung mit göttlichen Sandalen: Dresden verdankt dem Schwaben Ernst von Sieglin bedeutende Skulpturenschätze

Der Fuß, in anderen Kulturen als eher unreines Körperteil angesehen, spielt in der altägyptisch-pharaonischen Religion eine Rolle, wie dem Bestandskatalog zur "Skulptur des Hellenismus und der Kaiserzeit aus Ägypten" zu entnehmen ist, der vollständig darlegt, was an Marmorskulpturen in die Sammlungen im Dresdner Albertinum, im Stuttgarter Landesmuseum und im Institut für Klassische Archäologie der Universität Tübingen Eingang fand.

Dazu gehören auch Funde, die während der Grabungen in Alexandria im Königsviertel sowie im berühmten Sarapis-Heiligtum zutage kamen. Sie alle eint die Herkunft aus dem ptolemäisch-kaiserzeitlichen Ägypten.

Während im griechischen Kult die Verehrung einzelner Körperteile oder deren Bedeutung als Stellvertreter für eine Gottheit unbekannt sind, findet sich im griechisch-römischen Ägypten im Kult des Min/Perseus die "göttliche Sandale", durch die sich die vorhergehende Anwesenheit bzw. Epiphanie des Gottes offenbarte. Diese wurde durch die Verehrung der Segen spendenden "Fußspur", eine Votivgabe in Form eines Fußabdrucks, verewigt. Zu den Anekdoten, die Vespasian als (römischen) Kaiser legitimieren sollten, gehört auch die durch Tacitus und Sueton überlieferte Wunderheilung im alexandrinischen Sarapeion. Vespasian habe durch die Berührung mit seinem Fuß einen Lahmen geheilt, indem Sarapis ihm die Kraft verliehen habe.

In Dresden gibt es eine ganze Reihe mit Darstellungen von Füßen (aus Marmor), rechten und linken, männlichen und weiblichen. In einem Fall haben sich auch nur zwei Zehen erhalten. Die Dresdner Schätze sind alle einem Unternehmer aus Schwaben zu verdanken: Ernst von Sieglin (1848-1927), der sein von ihm mit Seifenpulver erworbenes Vermögen einsetzte, archäologische Grabungen als Mäzen generös zu unterstützen. So unterstützte er von 1909 bis 1914 die erfolgreichen Kampagnen des Leipziger Professors für Archäologie, Georg Steindorff, in der Nekropole der Cheops-Pyramide in Gizeh, der Nekropole von Qaw el-Kebir und im nubischen Aniba. Anhand bislang unveröffentlichter Bilder, Pläne und Skizzen wird der Verlauf der von Sieglin finanzierten Expedition von 1898 bis 1902 verdeutlicht.

Auch kaufte er verschiedene Skulpturen-Sammlungen an, durch Vermittelung des Leipziger Archäologen Theodor Schreiber (1848-1912) etwa 1899 einen Teil der Sammlung von Carl August Reinhardt, dem deutschen Konsul in Kairo. Und 1910 erwarb er die Sammlung des Kaufmanns Karl Herolds, der mehrere Jahre in Alexandria lebte, von dem aber an sich nicht viel bekannt ist. Ein Gutachten Schreibers weist aus, dass die Sammlung Herolds bis auf ein paar Gegenstände aus der Oase Fayum aus Funden gebildet ist, die aus Alexandria und der Umgebung stammten. Auch hat Herold, wie der von Ingrid Laube herausgegebenen Publikation zu entnehmen ist, den größten Teil der Sammlung Pietro Pugiolis (1831-1902) angekauft, der im späten 19. Jahrhundert einer der bekanntesten Kunsthändler in Ägypten war.

Es gab ein regelrechtes Tauziehen um die Sammlung Herold - belegt ist dieses durch die im Sächsischen Staatsarchiv überlieferte Korrespondenz. Erst mal landeten die Funde in Leipzig, im November 1910 wurden endlich 4671 (!) Stücke nach Dresden weitergeleitet - die Versandkosten übernahm Sieglin, der zu Recht darauf bestand, dass die Sammlung in angemessener Form ausgestellt wird. Sie sollte in Absprache mit Georg Treu, dem Leiter der Skulpturensammlung, im Mosaiksaal des Albertinums präsentiert werden. Zum Dank für die Schenkung wurde Sieglin vom König von Sachsen das Komturkreuz des sächsischen Albrecht-Ordens verliehen, er erhielt noch viele andere Ehrungen für seine Förderung von Kunst und Wissenschaft.

Zu den vorgestellten Werken gehören auch Bildnisse Alexanders des Großen und ptolemäischer Herrscher sowie römische Porträts. Auch an Darstellungen von Göttern ist kein Mangel. Zum Dresdner Bestand zählen gleich zwei Gallier-Köpfe sowie der Torso eines kämpfenden Galliers.

Ingrid Laube: Expedition Ernst von Sieglin. Skulptur des Hellenismus und der Kaiserzeit aus Ägypten. Die Sammlungen in Dresden, Stuttgart und Tübingen. Hirmer Verlag, 405 Seiten mit 750 Abb., 49,90 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.11.2013

Christian Ruf

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