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Barockoper im orientalischen Gewand - Jasmin Solfaghari inszeniert Händels "Xerxes" mit Dresdner Studenten

Barockoper im orientalischen Gewand - Jasmin Solfaghari inszeniert Händels "Xerxes" mit Dresdner Studenten

Jasmin Solfaghari inszeniert mit Georg Friedrich Händels "Xerxes" (1738) erstmals die gemeinsame Opernproduktion der Dresdner Hochschulen für Musik und Bildende Künste im Kleinen Haus.

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Jasmin Solfaghari inszeniert mit den Studenten der Dresdner Hochschulen für Musik und Bildende Künste Händels "Xerxes" im Kleinen Haus.

Quelle: Cathleen Herwarth

Die 51-Jährige hatte im vergangenen Jahr mit ihrem "Ring in 100 Minuten" an der Oper Leipzig für Furore gesorgt. Das Dresdner Publikum kennt sie durch die Inszenierungen "Hänsel und Gretel" (2005), "Pariser Leben" (2012) und "Eine Nacht in Venedig" (2013) an der Staatsoperette. Nicole Czerwinka sprach mit der Regisseurin.

Frage: Wie ist es zu dieser Hochschul-Opernproduktion in Dresden gekommen?

Jasmin Solfaghari: Professor Andreas Baumann, der bis vor einem Jahr diese Inszenierungen als Regisseur betreut hat, kannte mich schon aus Leipzig und hat mich eingeladen, "Xerxes" hier zu inszenieren. Ich hatte auch im Winter 2012/13 zwei Semester an der Gesangsabteilung der Dresdner Musikhochschule gelehrt, daher bin ich den Dresdner Studenten nicht ganz unbekannt.

Hatten Sie Einfluss auf die Auswahl des Stückes?

Nein, das stand lange vorher fest. Ich habe den "Xerxes" aber schon einmal kurz nach der Wende in Rostock inszeniert. Die Barockoper eignet sich trotz der hohen stimmlichen Anforderungen auch gut für junge Stimmen. Ich bin sehr angetan von dem Niveau dieses engagierten, jungen Ensembles.

König Xerxes verliebt sich in die Geliebte seines Bruders, woraus wiederum ein Intrigengeflecht voller Verwirrungen gestrickt wird. Wie haben Sie sich dieser Handlung genähert?

Diese Handlung ist wirklich verworren, es handelt sich um einen archaischen, altorientalischen Stoff und eine Barockoper. Die Oper war 1738 in London ein Misserfolg, weil das Publikum damals lieber das einfache Volk auf der Bühne sehen wollte. Händel bedient sich zwar historischer Figuren, es geht dabei jedoch von Anfang an unmittelbar um deren Seelennöte. In meiner Version ist Xerxes schon von seiner Frau Amastre getrennt, einfach abgehauen. Sie schleicht sich mit jeder Konsequenz in das Heer ein, um ihn zurückzugewinnen. Am Ende bekommt sie ihren König, aber - und das ist für mich die eigentliche Tragödie - innerlich hat Amastre ihren Xerxes dennoch verloren, da er sich von ihr mittlerweile entfernt hat.

Das klingt jetzt aber doch nach einer sehr zeitlosen Lesart -

Ja, natürlich! Emotionen gab es im-mer, und wir gehen auch heute noch in die Oper, um Menschen dort zu sehen, die ganz große Gefühle ausleben. Zentrum des Stückes ist ein kleines Seelendrama, es geht emotional hoch und runter. Xerxes ist für mich ein Mann, der immer erobern will, der nimmt, was er haben möchte, so eine Art Kinski-Typ. Er ist dabei aber auch zerrissen und irrsinnig einsam. In Romilda erkennt er eine Seelenverwandte, doch sie steht zu ihrem Arsamene. Gleichzeitig fällt es ihr aber auch schwer, sich Xerxes' Werben gänzlich zu entziehen - das zeigt sich für mich in dem kurzen Duett "L'amerete".

Es gibt mehrere Versionen der Oper, aber keine allgemeingültige Genrezuweisung - Opera seria, Barockoper oder Dramma per Musica, von allem steckt etwas drin. Wie sind Sie da vorgegangen?

Gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Prof. Franz Brochhagen habe ich eine Strichversion entwickelt, basierend auf dem Urtext der Halleschen Händel-Ausgabe. Dabei war es mir wichtig, dass die Oper rein musikalisch ihrem Ursprung treu bleibt, denn die Partitur ist für mich immer Grundlage der Insze-nierung. Wir haben also keine Da-capo-Arien gekürzt, um den musikalischen Charakter der Barocktradition zu wahren, sondern lieber ganze Nummern gestrichen. Wir verwenden Barockinstrumente wie Laute und Cembalo, auch der Chor und die für die damalige Zeit prägenden Verzierungen bleiben erhalten. Da ich ein großer Fan der Originalsprache bin, werden die Arien auf Ita-lienisch gesungen, die Rezitative sind auf Deutsch, um dem Publikum den Anschluss an die Handlung zu ermöglichen.

Sie sind halb Perserin, halb Deutsche. Nun inszenieren Sie diese Geschichte vom persischen König Xerxes. Inwiefern hat Ihre eigene Herkunft Sie da auch geleitet?

Ich lebte in den ersten sechs Jahren meines Lebens in Teheran und fühle mich mit dem Stück daher sehr verbunden, da steckt für mich auch viel Orient drin. Wir haben daher optisch mit orientalischen Motiven gespielt. Die Arbeit mit den Ausstatterinnen Maira Bieler und Romina Kaap von der HfBK hat große Freude gemacht. Die Bühne sollte die sinnliche Kraft Persiens widerspiegeln, das zeigt sich auch im Einsatz der Beleuchtung. Letztlich ist eine Inszenierung ja nichts anderes als ein persisches Mosaik, wo alle Teile ineinandergreifen und zusammen funktionieren.

iPremiere am 10. Mai, 19.30 Uhr im Kleinen Haus; weitere Termine 15. und 31.5.; 5., 10., 15., 18. und 29.6.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.05.2014

Nicole Czerwinka

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