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Bachelor-Absolventen der Palucca Hochschule für Tanz Dresden zeigen eigene Choreografien

Bachelor-Absolventen der Palucca Hochschule für Tanz Dresden zeigen eigene Choreografien

Langweilig ist es schon mal nicht, wenn Studierende der Palucca Hochschule für Tanz Dresden das alte und sich immer wieder neu erfindende Festspielhaus Hellerau als Aufführungsort entdecken.

Und das geschieht speziell auch dann, wenn gleich an zwei Abenden und zudem noch im Großen Saal der Bachelor-Studiengang Tanz zu seiner öffentlichen Abschlussprüfung einlädt. Zehn Absolventen sind in diesem Jahr dabei, und die bewertenden Dozenten sitzen verstreut überall im Saal. Also inmitten des Publikums, zu dem wie stets auch mitfiebernde Kommilitonen sowie Freunde, Bekannte und Verwandte gehören.

Was die Vielfalt betrifft, so haben nun mal junge Tänzer, wenn sie Gelegenheit zum Choreografieren erhalten, deutlich unterschiedliche Ansätze und Erfahrungen. Das Sprichwort "Probieren geht über Studieren" besitzt da wohl seinen eigenen Reiz. Zumal es um die Chancen für kreatives Arbeiten in diesem Beruf gar nicht so schlecht steht - man muss sie nur zu suchen, zu finden und zu nutzen wissen. Und Kreativität, wie sie denn seit bald 90 Jahren immer ein besonderes Merkmal der Palucca Schule war, gehört in veränderter Art auch heute noch zu den Ansprüchen der Ausbildung. Die Studierenden können und sollen sich damit auseinandersetzen, welche Möglichkeiten Tanz, Raum, Licht, Musik bieten. Und das probieren sie halt aus - mit mehr oder auch weniger Geschick.

Eigenwillig, mit einem guten Gespür für Witz, Maß und Präsenz, gelingt das mit "Color Carmin" an diesem Abend beispielsweise Violeta Wulff Mena, die gemeinsam mit Alexei Bernard eine launige Arbeit über Beziehungen auf die Bühne bringt. Gewissermaßen als "Szenen einer Ehe", wo es zunächst mehr um verbale Attacken geht, bei denen aber auch die Körpersprache beredt mitdiskutiert. Da ist schon bald klar, dass sich irgendeine "Tretmine", ein "Fettnäpfchen" immer und überall finden lässt. Und sich möglicherweise auch die Gelegenheit bietet, miteinander auszukommen. "Life. Who does understand it?!"

Dass Reichtum allein nicht glücklich macht, weiß jeder. Und der Gegensatz von Reich und Arm ist allemal ein Thema. Woraus Anton Shults eine recht deutliche Geschichte macht, die sich schon an den Haltungen "ablesen" lässt und für einen Schlusseffekt sorgt. Überhaupt ist es bemerkenswert, wenn die Studierenden außer ihrem geschulten tänzerisches Können auch Charakter zeigen, und so bringt Alexander Bolk gemeinsam mit Anton Shults Konfrontationen ins Spiel, die auf recht unterschiedliche Wege verweisen, für die jeder sein eigenes Tempo, seine eigene "Gangart" wählen muss.

Markant in Sprache gefasst hat dieses "Charakter zeigen" Ann-Kathrin Hennekes in "Fürchtest du, was ich fürchte?" Gemeinsam mit Chiara Detscher erkundet sie den Bühnenraum, schafft mit grafischen und Licht-Momenten besondere Situationen. Die aber in der Bewegung zu wenig zwingend sind. Derweil aus der Höhe beharrlich, couragiert nachgefragt wird, was im Kern bleibt, wenn alles andere abfällt.

Überhaupt ist es sehr sympathisch, dass die jungen Tänzer versuchen, mit den Möglichkeiten im Großen Saal umzugehen. Das klappt zwar meist nur in Ansätzen, aber immerhin testen sie es aus, nutzen den schwarz-weißen Tanzboden-Kontrast oder besagte Emporen, schaffen wechselnde Lichträume und beziehen (erfreulich sparsam) Videos ein. So reduzierte szenische Mittel behindern den Tanz nicht, können auch eigene Akzente setzen. Zum Beispiel reicht in der Choreografie von Anne Maria Wolf, in der sie mit Seth Buckley tanzt, ein assoziierter Türrahmen im großen Bühnenraum, um "Schwellenängste" zu assoziieren. Doch auch ein "Jein" birgt noch keine Entscheidung.

Eigenwillig und irritierend ist das Solo "Ansichtssache" von Xenja Füger. Mit stark formalisierter Körpersprache sucht sie einen Weg über etliche Stationen, um sich schließlich mit dem nassen Element zu verbünden und von Zwängen zu befreien. Dabei setzt sie die Tanzfläche so unter Wasser, dass daraus eine etwas kuriose Techniker-Wisch-Performance entsteht, die zwar die Zuschauer erheitert, aber kaum eine durchschlagende Wirkung zeigt. Getanzt wird natürlich auch an diesem Abend. Und manche führen vor, was sie so alles können. Oder bleiben, wie Anne Hubert mit Anton Shults in "Wechselwirkung", ganz und gar bei sich. Ein liebenswerter Abschluss des Abends.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2014

Gabriele Gorgas

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