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Ausstellungsreihe „Prolog # 1 - 10“ im Japanischen Palais

Völkerkundemuseen neu denken Ausstellungsreihe „Prolog # 1 - 10“ im Japanischen Palais

Man muss wie immer, wenn man zum Museum für Völkerkunde im Japanischen Palais möchte, rechts die Treppe hinauf. Dabei wird man – das ist neu – von einem leisen, vielstimmigen, auch mit Kakophonien durchsetzten „Chor“ empfangen, wie er wohl entstehen würde, könnten all die Objekte, die hier verwahrt werden, ihre Geschichte erzählen...

Hinter dem Titel „Kistengeflüster“ verbergen sich Transportkisten, die zu Erzählern der Geschichte ethnografischer Objekte werden

Quelle: Mo Zaboli

Dresden, .

Zurück zum vielstimmigen „Chor“. Dieser setzt sich fort im zurückhaltend erleuchteten Entrée des Obergeschosses, wo umso mehr die in Vitrinen kunstvoll ausgeleuchteten Skulpturen aus unterschiedlichsten Weltgegenden strahlen. Man ahnt zwar Herkünfte aus Schwarzafrika, Indonesien, Ozeanien, Neuseeland und Südamerika. Darüber hinaus bleiben sie aber voller Geheimnis und werfen ebensolche Schatten. Zwei davon werden eingangs zu „Wächtern“ und leiten den Besucher auf seinem Weg, an dessen Ende er ein informatives Heft zum Mitnehmen findet, das Wichtiges zu jeder der Figuren vermittelt.

Dann tritt man ins Helle. Man ist im lichten, mit Säulen geschmückten Elbflügel angelangt: Der zeigt sich auf den ersten Blick ziemlich leer. Aber aufgepasst! Hier ist etwas im Werden, wie nicht zuletzt ein Blick auf den Boden verdeutlicht, wo Markierungen einzelne Felder abgrenzen und Beschriftungen zu lesen sind wie: „Prolog # 3 Unter der Lupe“ oder etwa „Prolog # 8 Parade – raus aus den Schränken“. Man befindet sich mitten im experimentellen Ausstellungsprojekt „Prolog # 1 – 10“, dessen Vollendung sich bis in den September 2017 hinziehen wird. Dann wird im Saal eine Art Labyrinth mit zehn Installationen entstanden sein, die sich auf unterschiedliche Weise dem Bestand des Museums für Völkerkunde Dresden nähern.

Derzeit empfängt Teil eins unter dem Motto „Kistengeflüster“ die Besucher. Dem gemäß stehen hier zahlreiche, unterschiedlich große Transportkisten über- und nebeneinander. Natürlich ist es damit nicht getan. Jede (beziehungsweise der für die Besucher unsichtbare Inhalt) erzählt (s)eine Geschichte oder macht sich anderweitig bemerkbar – auch mit „Haatschi“, das von einem Federdiadem zu hören ist, dem die Konservierungsgifte zu schaffen machen. In einer anderen beschwert sich ein Kris, es wolle seinen Goldgriff wieder haben, der verloren gegangen ist. Man kann wohl Stunden hier zubringen. Denn die Kisten sind zahlreich. Um deren Hörschlitzen nahe zu kommen, gibt es jedenfalls genug Kissen zum sich Niederlassen. Die Kisten als solche wiederum erzählen nicht allzu viel, sind es doch aus nachvollziehbaren Gründen nicht die originalen aus vergangenen Tagen, an denen beziehungsweise deren Etiketten und Beschriftungen man Schiffspassagen und anderes ablesen könnte. Über das zu Hörende aber bildet sich eine Erzählung über die Objekte, von denen manches wohl im Laufe des Projekts anlässlich von Veranstaltungen seinen Aufbewahrungsort auch verlassen wird.

Man darf jedenfalls gespannt sein, wie es im speziellen Fall weiter geht, sowie was sich Nanette Snoep, Direktorin der drei oben genannten sächsischen Museen für Völkerkunde, und ihre Mitarbeiter gerade für das Japanische Palais einfallen lassen, dessen Gegenwart seine vielfältigen historischen Schichten noch ahnen lässt. Mit ihnen will und muss das Museum arbeiten. Snoep, die im Februar 2015 vom Pariser Musée de Quai Branly nach Sachsen kam, um die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen des Freistaats zu leiten, sieht, wie sie anlässlich der Vorstellung des „Prologs # 1 – 10“ jüngst vor Journalisten ausführte, dieses Projekt im Zusammenhang mit der generellen Neupositionierung ethnographischer Sammlungen in der Gegenwart. Schließlich sei „die Gesellschaft unserer Tage eine andere als die am Ende des 19. Jahrhunderts, als die meisten dieser Museen entstanden“. „Unter den Bedingungen der Globalisierung“ müssten „Fragen wie nach der Herkunft der Objekte“, die oft einen kolonialen Hintergrund habe, diskutiert werden. Immer gehe es auch darum, was man zeigen wolle. Immerhin habe Sachsen „die zweitgrößte ethnographische Sammlung Deutschlands“. Das Japanische Palais böte die Möglichkeit, „neue Formate zu entwickeln“, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen – auch über Themen wie Fremdenangst –, und neue zu gewinnen. Ausstellungen sollen, so Snoep, berühren, zur Auseinandersetzung anregen. Vor diesem Hintergrund sei das „Prolog“-Projekt entstanden, das Monat für Monat weiter hinter die Kulissen des Museums blicken lasse, zum wiederholten Vorbeikommen einlade (Eintritt kostet es nicht).

Volle Unterstützung findet dieser Kurs bei Marion Ackermann, der Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die vom Japanischen Palais bei dieser Gelegenheit als „einer Art Plattform“ sprach und in der neuen Konstellation aus drei Museen auf dieser Elbseite, die durch die Ansiedlung des Marzona-Archivs im Blockhaus (DNN berichteten) entsteht, eine neue Chance für den Kontakt mit vielen Menschen sieht.

bis 31. Oktober 2017
geöffnet Fr 14 bis 18, Sa/So 11 bis 18Uhr:
weitere Termine der Prolog-Eröffnungen:
20. Januar 2017 (Hinter den Spiegeln),
24. Februar (Unter der Lupe),
24. März (Wer bist Du?), 25. April (TaxoMania), 19. Mai (Fremd?), 16. Juni (Wir?), 28. Juli (Parade- Raus aus den Schränken!),
25. August (Der Besucher),
15. September (Last Minute !).
Begleitveranstaltungen:

www.skd.museum

 

Von Lisa Werner-Art

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