Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Ausstellungen im Kupferstich-Kabinett und im Albertinum
Nachrichten Kultur Regional Ausstellungen im Kupferstich-Kabinett und im Albertinum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:12 18.10.2017
Käthe Kollwitz: Die Gefangenen, 1908. Quelle: Repro
Dresden

 
 
 Bereits 1994 war sie in der von Ulrich Bischoff begründeten Ausstellungsreihe „4 x 1“ im Albertinum vertreten gewesen. Und nun – 2017 – ist die mit dem diesjährigen, mit 20 000 Euro dotierten Hans- Theo-Richter-Preis Geehrte ebenfalls auch dort wieder präsent – mit 36 Werken aus der Serie „Skulls“. Begleitet wird sie in einer weiteren Exposition von jenen Künstlern, die am Altarbild mitarbeiteten: Jan Andriesse und Bert Boogard.

Dresden hat damit ein Ausstellungsprojekt zu bieten, das anregt, thematische und künstlerische Verwandtschaften zwischen Kollwitz und Dumas zu entdecken, zumal für beider Schaffen „elementare Erfahrungen des Menschlichen“ relevant waren bzw. sind, wie es Marion Ackermann, die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, beim gestrigen Pressetermin vermerkte.

Die Käthe-Kollwitz-Schau findet fast auf den Tag genau zum 100. Jubiläum einer Ausstellung anlässlich ihres 50. Geburtstages im Kupferstich-Kabinett statt, erinnerte Agnes Matthias – neben Petra Kuhlmann-Hodick Kuratorin der aktuellen Würdigung. Möglich war beziehungsweise ist beides dank der weitblickenden Sammlungspolitik von Max Lehrs, der als erster Museumsmann Arbeiten der noch jungen Kollwitz erwarb und sich kontinuierlich ihrem Werk widmete, wovon auch ein reger Briefwechsel zeugt, der andeutungsweise in der neuen Ausstellung präsent ist. Vor allem aber zeigt diese in vier Kapiteln unterteilte Ausstellung die Entwicklung des zeichnerischen und grafischen Schaffens der Kollwitz, ihre Experimentierlust und ihre aus einer humanistischen Grundhaltung erwachsene Orientierung auf Themen wie Mutterschaft und Liebe, aber ebenso Elend,Tod und Krieg.

Am Beginn aber steht das Selbstporträt, die wiederholte nachdenkliche Selbstbefragung als Mensch, Ehefrau, Mutter und Künstlerin. Die Arbeiten sind so ausgesucht, dass die von ihr ausgeführten grafischen Techniken – Radierung, Lithografie und Holzschnitt – demonstriert werden. Das zweite Ausstellungskapitel befasst sich vor allem mit dem Sammlungsauftakt durch Lehrs. Da sollte man auch Woldemar von Seydlitz nennen, der Lehrs auf eine Berliner Ausstellung verwiesen hatte, wo die junge Kollwitz den Zyklus „Weiber“ zeigte. Leider kann man die ersten beiden Erwerbungen nicht mehr bewundern: Zwei grau gehaltene Bild-Wandflächen machen sie als Kriegsverluste sichtbar – zwei von 75. In wenigen Tagen wohl werden allerdings drei Blätter davon zurückkehren. Sie waren jüngst in einem durch den finnischen Zoll bereits 1984 beschlagnahmten Konvolut identifiziert worden. Verloren sind auch die meisten Druckplatten. Sie fielen den Bombardements im Zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Umso schöner, dass eine solche Platte – für das Blatt „Zertretene“ (vor Mai 1900) – mit in der Ausstellung präsentiert wird. Interessant ist diese Arbeit, die einige Metamorphosen erfuhr, auch, weil sie auf mögliche Inspiratoren verweist. Ist es hier Klinger, so sind es an anderer Stelle Munch, Barlach oder Carrière.

Im dritten Kapitel der Schau, die den Schwerpunkt auf die Entwicklung der Künstlerin legt, begegnet man Arbeiten, die unter dem Eindruck eines Paris-Aufenthaltes entstanden. Nun zeigt sich beispielsweise Farbe im Werk, etwa bei der Lithografie „Weiblicher Rückenakt auf grünem Tuch“ (1903). Blätter wie diese erscheinen nahezu malerisch, zeichnen sich zudem durch wunderschöne Lichtreflexe aus.

Das abschließende vierte Kapitel führt unter dem Motto „Zeitgenössisches“ dann auf ein Feld, das Menschen zwischen Dresden und Rostock partiell aus ihren Lese- und Geschichtsbüchern geläufig ist. „Das Gedenkblatt für Karl Liebknecht“ (1920), hier einschließlich seiner Vorarbeiten von 1919, oder das Plakat „Helft Russland“ (1921), das der Unterstützung der von der damaligen Hungersnot Betroffenen galt, seien hier genannt – Arbeiten, die die Kollwitz aus humanistischer Motivation schuf. Letzteres gilt ebenso für den nach wie vor beeindruckenden Holzschnittzyklus „ Krieg“, dessen Blätter – ähnlich wie Goyas „Desastres de la guerra“ – das menschliche Elend des Krieges thematisieren, das durch den Kriegstod des Sohnes Peter auch das ganz eigene, unmittelbare Elend war. Der mögliche Verlust eines Kindes hatte sie gleichwohl schon früher beschäftigt, wie die eindrucksvolle frühe Strichätzung „Frau mit totem Kind“ (1903) vermuten lässt.

Dem existenziell auf verschiedene Weise angegriffenen und bedrohten Menschen begegnet man auch in der uns Heutigen geltenden Präsentation „Hope and Fear“. Marlene Dumas, die zwar seit 40 Jahren in Amsterdam lebt, dürften Themen wie Bedrohung, Ausgrenzung, Tötung von Menschen in ihrem Geburtsland schon früh begegnet sein, herrschte dazumal doch noch Apartheid. Mit den eigenen neuen Horizonten und dem immer noch von Krieg und Gewalt geprägten Heute ist es mehr als je gerechtfertigt, sich in der Kunst existenziellen Koordinaten wie Liebe, Tod, Macht und Ohnmacht zu widmen.

Im Kupferstich-Kabinett geschieht dies mit Werken aus drei Zyklen – „Rejects“ (seit 1994), „Jesus Grizzly“ (1994) und den 20 Blättern von „Blind Folded“ (2002) –, in deren Zentrum Köpfe stehen, die verschiedene existenzielle Zustände ausdrücken. Sie basieren auf Fotos aus Zeitungen oder Büchern, entstehen mit Tusche und Pinsel. Meist überwiegt das grafische Schwarz-Weiß. Während „Rejects“ vor allem im Zusammenhang mit der „Model“-Serie zu sehen ist, in der Dumas letztlich die Frage nach der Schönheit untersucht, sind die Männer der Serie „Blind Folded“ mit ihren verbundenen Augen – sie entstand nach der palästinensischen Intifada im Jahr 2000 – in einer prekären psychischen und physischen Situation bzw. einige wohl schon tot. Diese Arbeit wirkt wie ein Memorial für Gefangene verschiedenster Kämpfe und verschiedener Seiten in unserer Zeit – von Vietnam über Chile bis zum Nahen Osten. Diese wie auch die anderen Blätter sind sehr berührend und stützen die Idee, Werke beider Künstlerinnen im Kupferstich-Kabinett parallel zu präsentieren. Der Besuch lohnt sich.

19. Oktober bis 14. Januar, 10 bis 18 Uhr,
Dienstag geschlossen, Katalog 20 Euro (im Museum), Donnerstag
19. Oktober, 18.30 Uhr, Gespräch mit Marlene Dumas im Lichthof des Albertinums

www.skd.museum

Von Lisa Werner-Art

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Regional Kaisermania am Elbufer Dresden - Termine für Roland Kaiser 2018 stehen fest

Nach erneut vier erfolgreichen Konzerten und trotz Regen nahezu 50 000 begeisterten Fans hat Roland Kaiser jetzt die Termine für seine Kaisermania 2018 veröffentlichen lassen. Der in Dresden so beliebte Schlagerstar wird am 3., 4. und am 10., 11. August 2018 wie gewohnt jeweils an zwei Freitagen und Sonnabenden bei den Filmnächten am Elbufer auftreten.

15.03.2018

Die beiden Hegenbarth-Künstlerstipendiaten des Jahres 2014 sind vorgestellt, deren vielversprechende Portfolios sich aus über 40 Bewerbungen hervorgetan hatten.

25.06.2018

Am morgigen Sonntag wird sie 85 Jahre, trotzdem strahlt Ursula Rzodeczko mit jugendlich wirkendem Gesicht, als sie über ihr Künstlerleben spricht. Es gibt noch Reibungen, die sie jung erhalten.

19.06.2018
Anzeige