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Regional Ausstellung zum 80. Geburtstag des Malers Gert Pinzer
Nachrichten Kultur Regional Ausstellung zum 80. Geburtstag des Malers Gert Pinzer
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17:39 24.07.2017
Gert Pinzer: „Boot“ Quelle: Bürgerzentrum Hellerau
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Dresden

Einst war die historische „Waldschänke“ in Hellerau (Am Grünen Zipfel) ein Gründungsort der Gartenstadt und eine bedeutende Herberge, wo die Vertreter der europäischen Avantgarde um Franz Kafka, Gerhart Hauptmann, Oskar Kokoschka und andere zusammenkam. Heute ist das zwischen 2008 und 2013 unter Initiative eines Fördervereins sanierte Gebäude eine Stätte der Kunst, Kultur und Kommunikation, vor allem aber nun der Sitz des Vereins Bürgerzentrum Waldschänke Hellerau e.V. mit einem reichhaltigen Angebot von kulturellen Veranstaltungen, Vernissagen, Lesungen für Jung und Alt, Konzerten und Vorträgen. Hier haben sich die Hellerauer Bürger eine Begegnungsstätte geschaffen, die für ein qualitätvolles Miteinander sorgen soll.

Gert Pinzer: „Käfig“ Quelle: Bürgerzentrum Hellerau

In den historischen Räumen zeigt der Hellerauer Maler Gert Pinzer aus Anlass seines 80. Geburtstages am 9. Juli diesen Jahres eine Auswahl von Malerei und Skulpturen, die durch ihren Farbenrausch und eine expressive Gestik auffallen: Oft sind Fabel-und Märchenwesen, Masken, Könige und Clowns, aber auch Freunde und Verwandte Gegenstand seiner Malerei. Rot, Schwarz und Gelb sind die dominierenden Farben im Figürlichen. Landschaften neigen mit einer leichten Symbolik zur Allegorie, wie „Westwind“ oder „Boot am Strand“, Musizierende wie „Posaunenspieler“ drücken Lebensfreude und eine enge Beziehung des Künstlers zu den Musen aus. Mythische Themen wie das „Urteil des Paris“ reihen sich an mondbeschienene Landschaften (“Abend am Berg“, 2002) sowie an seine Menschenbilder mit dem genussvollen „Rotweintrinker“ (2007).

Gert Pinzer wurde 1937 in Gräben (Schlesien) geboren. Als Flüchtlingskind kam er nach Dresden und absolvierte hier zunächst eine Lehre als Buchdrucker. 1961 studierte er am Pädagogischen Institut (Deutsch/Kunsterziehung) sowie im Praxisunterricht an der HfBK Dresden bei den Professoren Claus Weidensdorfer, Christian Hasse und Jutta Damme. 1965 bis 1969 arbeitete er als Lehrer in Spremberg und Dresden. Kunstrezeption und Vermittlung übte er als Leiter der Abteilung Museumspädagogik an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden aus. Ab 1977 arbeitete er im Bereich Kunstpolitik und beim Rat des Bezirkes Dresden als leitender Mitarbeiter. 1992 vertiefte er sich in die künstlerische Arbeit mit Kindern. Von 2000 bis 2004 schuf er eine Bilderfolge über seinen langjährigen Aufenthalt auf Mallorca. Seitdem lebt und arbeitet er in Dresden-Hellerau.

Gert Pinzer ist noch nicht „angekommen“. Mit seinen 80 Jahren versteht er sich noch immer als „Suchender“. Auch in seinen Bildern herrschen Freude und Neugier am Experiment. 1998 entstand das Gruppenbild „Drei“, eine Reihe von gesichtslosen Schemen, denen der Stacheldraht über die Haut gewachsen ist. Nachdenkliches angesichts der eigenen Kindheit; der Vater war Antifaschist, Benachteiligung und Verfolgung waren die Folge. In der DDR fand er sein Zuhause. Das Jahr 1989 war Zäsur, Bruch und Neuorientierung, diesmal ganz auf die eigene schöpferische Arbeit. Die vierteilige monumentale Komposition „Verspannungen“ ist ein Blickfang der Ausstellung: Sie drückt einen inneren Prozess aus, der das Eigene ebenso umfasst wie aktuelle Herausforderungen, die von außen herangetragen werden.

Gert Pinzer: „Akt“ Quelle: Bürgerzentrum Hellerau

Die Bilder von Gert Pinzer sind immer auch Klärungsarbeit und Verwandlung. Sie haben etwas Märchenhaftes an sich, das in die Kindheit und seine Träume entführt. Seine Steinskulpturen (“Januskopf“) und aus Fundstücken gezauberte Holzobjekte, das Kruzifix „Palästinenser“, umschreiben den weitgefassten Themenkreis des Künstlers.

Bis 7. August. Bürgerzentrum Waldschänke Hellerau e.V., Am Grünen Zipfel 2. Kontakt: 0351 79 53 98 11; Geöffnet: Mo 17-19 Uhr, Mi 10-12 Uhr und nach Vereinbarung.

www.hellerau-waldschaenke.de

Von Heinz Weißflog

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