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Regional Ausstellung widmet sich verstorbener Dresdner Malerin
Nachrichten Kultur Regional Ausstellung widmet sich verstorbener Dresdner Malerin
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12:36 11.03.2018
Petra Vohland: o.T., o.J., Mischtechnik Quelle: Repro galerie drei
Dresden

„Garten Eden“ ist der Titel einer Ausstellung mit Arbeiten auf Papier von Petra Vohland, mit der ihrer die Sezessionistinnen in der galerie drei gedenken, die über viele Jahre die Geschicke der Dresdner Sezession 89 als Gründungsmitglied begleitete. Vohland gehörte zu den stillen, nachdenklichen und handelnden Künstlerinnen. Sie war ein eigensinniges, bildnerisches Talent, das sich seit Kindertagen zeichnend das Leben eroberte. Anfangs sicherlich unbewusst, war ihr an der psychologischen Intensität von lesbaren Bildern gelegen, um eine schlüssige Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herzustellen, eine glaubhafte Verbindung zwischen alten und neuen Mythen.

Vohland spürte intuitiv als Zeichnerin gesellschaftliche Verwerfungen und Brüche, die Diskrepanz vom Wollen und Können. Ganz Mensch, war sie auf der Suche nach Harmonie, war sie bemüht, die eigene Sprachlosigkeit zu überwinden und vertraute sich der zeichnerischen Linie an, die für sie Heimat bedeutete. Mit ihr verortete sie sich oder träumte sie sich fort. Sie thematisierte die Vertreibung aus dem Paradies, das Ringen, das Hadern, das Irren, das Hoffen und das Lieben und blieb der Figur verhaftet. Spitz und kantig bewegen sich die Linien und umkreisen den Menschen, der sich selbst finden und behaupten muss in der Welt. Die Figur agiert in offenen Räumen, die nur vage angedeutet sind und wird von allen Seiten attackiert. Die Linie verliert sich und findet sich wieder. Jedoch bleibt alles, trotz Andeutungen, lesbar und gerinnt immer zu einem Gleichnis, das etwas über die Notwendigkeit von Schutzräumen aussagt. Ihre Stilistik wirkte immer beunruhigend, wie ein stummer Schrei.

Manches bleibt angedeutet, anderes ist klar ausformuliert. Die Offenheit der Kompositionen impliziert viele Interpretationsmöglichkeiten. Schaut man sich die Figurationen genauer an, dann bemerkt man deren androgynen Charakter. Oftmals ist es unbedeutend, ob es sich nun um Mann oder Frau handelt. In ihrem Werk gibt es keine geschlechtertypische Dominanz.

Vohland liebte es, Themen der antiken Mythologie und christlichen Ikonografie zeitbezogen zu interpretieren. Sie liebte die Berge und sie liebte es, fremde Welten zu erkunden. Viele Reiseskizzen sind Ausdruck dessen. Farbe kommt ins Spiel in abstrakten Landschaften, wobei oftmals der Dreiklang von Rot, Grün und Blau dominiert. Elementare Kräfte geraten aneinander, erzeugen Spannungsfelder, vielgestaltig und wandelbar. Mythos und Gegenwart begegnen sich.

Der erste Eindruck ist Wildheit, gesteigert mitunter ins Exzessive, derb-krakelige Linienführung, spitz und heftig, manchmal von Schraffuren oder Farben überlagert. Man liest oftmals ungezügeltes Aufbegehren, dem chaotischen Dasein mit einer Struktur zu begegnen. So entstehen Beziehungen zwischen Abstraktion und Figuration in ihren Arbeiten, die der hintergründigen Frage nach Ordnung im Chaos und dem Chaos in der Ordnung Ausdruck geben. Sie sehnte sich nach uneingeschränkter persönlicher Freiheit, nach Aufhebung jeglicher gesellschaftlich politisierender Zwänge und damit verbundener deformierender Anpassung. Die bildnerischen Entsprechungen sind Zeugnisse einer großartigen Zeichenkunst von hoher sinnlicher Präsenz und vereinnahmender Kraft.

Vohland wurde 1953 in Zwickau geboren. Auf ihr künstlerisches Talent wurde man aufmerksam, als sie die 8. Klasse besuchte. Sie durfte als einziges Kind einen Malzirkel für Erwachsene in Wilkau-Haßlau besuchen, der von dem freischaffenden Grafiker Klaus Matthäi geleitet wurde. Dort lernte sie Siegfried Klotz und die Gebrüder Wolfram und .Hartwig Ebersbach kennen. Ihre erste Porträtzeichnung verkaufte sie sogar in diesem Zirkel an Wolfram Ebersbach. Ihr Ziel war es, eine künstlerische Ausbildung an einer Kunsthochschule zu erhalten. Sie gedachte, über eine Vorausbildung zum Lithographen dieses Ziel zu erreichen, was sich leider nicht verwirklichen ließ. Nach einer Lehre als Porzellanmalerin an der Staatlichen Porzellanmanufaktur in Meißen von 1969-1974 (im Fach Blumendekor) absolvierte sie von 1975-78 das Abendstudium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. In dieser Zeit war sie auch Assistentin an der Technischen Universität Dresden, in der Sektion Architektur (Grundlagen der Gestaltung/Kunstbesitz), wo sie Jürgen Schieferdecker kennen- und schätzen lernte. Von 1978-83 studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste Malerei und Grafik bei Siegfried Klotz und Günter Horlbeck.

Während des Abendstudiums und in der Studienzeit lernte sie Petra Kasten, Ralf Kerbach, Kerstin Gneuß, Andreas Hegewald, Steffen Fischer, Angela Hampel, Maja Nagel, Cornelia Schleime, Gudrun Trendafilov, Sandor Doro, Jörg Sonntag, Ellen Fuhr, ERNA, Paul Böckelmann, Andreas Küchler, Ulrike Rössner kennen. Diese Künstlerinnen und Künstler hat sie namentlich in den wenigen Aufzeichnungen, die von ihr überliefert sind, erwähnt. Wichtig erweist sich auch folgende Notiz: „Studium – Zeit der Gärung – Free Jazz – Penderecki – Stockhausen (12 Tontechnik) – Carmina Burana – Nietzsche. Wichtige Ateliergespräche. Angewöhnen von Schweigsamkeit, Angst, Bespitzelung (Polen/Hair).“ Nach dem Diplom zog sie nach Chemnitz (Aufenthaltszuweisung). Durch Fürsprache von Michael Morgner wurde sie als Mitglied in den Verband Bildender Künstler (VBK) in Karl-Marx-Stadt aufgenommen. 1984 wurde ihre Tochter Norma geboren, für sie ein unendlich großes Glück. Nach Dresden zurückgekehrt, wurde Vohland Mitglied der Arbeitsgruppe junger Künstler im VBK und später in den Vorstand gewählt. Gemeinsam mit Gerda Lepke vertrat sie den Dresdner Verband im Zentralvorstand in Berlin.

Nach der politischen Wende arbeitete sie viele Jahre als Restauratorin, vorrangig für den Meißner Dom. 1989 war Vohland eine der 23 Gründungsmitglieder der ersten Vereinigung von Künstlerinnen im sächsischen Raum, der Dresdner Sezession 89. 1991 schrieb Werner Schmidt im ersten Katalog zur Arbeit der Dresdner Sezession 89 über sie: „Fragwürdigkeit und Widerspruch gerinnen in der skurrilen Zeichenweise Petra Vohlands zum Stil.“

2010 übernahm sie die Leitung der Jugendkunstschule Meißen. Viele Jugendliche hat sie erfolgreich bis zu einer Eignungsprüfung an einer Kunsthochschule geführt und hat an ihrer Seite auch während des Studiums gestanden. Am 31. Januar 2017 schloss Petra Vohland, die Sinnsucherin, völlig unerwartet für immer ihre Augen. Sie war immer auf der Suche nach dem „Garten Eden“, zeitlebens.

galerie drei, Prießnitzstraße 43, 01099 Dresden, geöffnet Mittwoch bis Freitag 15-18 Uhr und Samstag 12-14 Uhr, Ausstellung bis 3. März 2018

Von Karin Weber

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