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Ausstellung erinnert an den Dresdner Maler Jürgen Haufe

Ausstellung erinnert an den Dresdner Maler Jürgen Haufe

Heute, am 15. Oktober dieses Jahres, wäre Jürgen Haufe 65 Jahre alt geworden. 1999 versiegte jedoch seine Lebenskraft. Er hat künstlerische Spuren hinterlassen, die ihn unvergessen machen.

Arbeiten von Jürgen Haufe in Korrespondenz mit fotografischen Werken von Matthias Creutziger sind jetzt im Einnehmerhaus in Freital zu sehen, in der 110. Ausstellung des Freitaler Kunstvereins e.V.

Beide Künstler einte eine wunderbare, kreative Freundschaft, beide waren durch die Freiheit des Geistes und ihre leidenschaftliche Hingabe an die Kunst, an die Klangwelten des freien Jazz, an die Bewegung von Licht und Schatten verbunden. Jürgen Haufe war ein warmherziger, offener Mensch, der mit kreativer Neugier seinen Gestaltungswillen durchsetzte. Einer, der zuhören konnte und die Welt und mit ihr die Menschen zu umarmen schien und voller Lebenslust die freie Kunst in seine Plakatgestaltungen, die jahrzehntelang das Stadtbild Dresdens mit bestimmen sollten, einbrachte - und damit eine sehr sinnliche Komponente. Seine Vielseitigkeit, medienübergreifend zu wirken, war grenzenlos fantasieanregend.

Jürgen Haufe besaß ein ausgeprägtes Gefühl für Farbe und Kompositionen. Nichts war für ihn Routine. Bewegt, rasant, provokant, spannungsvoll, dynamisch, so könnte man die Linie charakterisieren, derer er sich bediente, die er mit expressiver Farbe sättigte. Claus Weidensdorfer, mit dem Jürgen Haufe zahlreiche gemeinschaftliche Blätter zum Jazz entwickelte, schrieb über seinen Freund: "Ich weiß nicht mehr genau, wo wir uns das erste Mal begegnet sind, in der Werkstatt des Berufsverbandes oder im Jazz-Keller Tonne. Für beides sprechen unsere gemeinsamen Leidenschaften. Bezaubert von der enormen Variabilität des Jazz und den zahllosen, unvorhersehbaren Einfällen der Musiker, schienen uns auch unsere eigenen Ausdrucksmöglichkeiten unerschöpflich. Die Vereinbarkeit von Selbstbehauptung und Duldung als Möglichkeit kreativer Tatbeteiligung an einem Gesamtkonzept interessierte uns brennend. Wir hatten Lust, gemeinsam ,auf die Pauke zu hauen', es entsprach unserem jugendlichen Nonkonformismus. Die Druckwerkstatt war unser Laboratorium."

In gewisser Weise bewahrte Jürgen Haufe in seinen zeichnerischen Improvisationen Zeitgefühl. Ein Wachsen von innen nach außen. Zerstören und Verändern. Rhythmische Steigerungen. Energiegeladenes Pulsieren von Linien. Das Ineinandergreifen von Formen... Denkt man, man hätte die Form begriffen, hat sie bereits die Flucht ergriffen und sich irrlichternd in ein fremdes Wesen zwischen Linien und Strukturen verwandelt.

1949 in Ohorn geboren, verlief Jürgen Haufes Weg über eine Lehre und Tätigkeit als Gebrauchswerber, ein Studium der Fachrichtung Gebrauchsgrafik an der Fachschule für Werbung und Gestaltung Berlin-Oberschöneweide, Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler der DDR, später im Sächsischen Künstlerbund, Mitgliedschaft im Bund Deutscher Grafikdesigner bis zu einer Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden 1996.

Wirklichkeit und Menschlichkeit und Zeitlichkeit und Poesie verbinden sich auch mit dem fotografischen Blick von Matthias Creutziger. Eduard Boubat, der französische Fotografieklassiker, hat einmal gesagt: "Der Fotograf, der wahre, erfasst vor allem das Unsichtbare - dieses Unsichtbare, das die Wirklichkeit umstellt." Das kann man mit Matthias Creutziger in Verbindung bringen. Sein Werk lädt - in seiner Stimmigkeit und Beständigkeit und für den, der es in seiner Leidenschaft des Entdeckens zu lesen versteht - zum Meditieren ein: über den Raum und die Zeit und über die Kunst der schweigenden, fast körperlichen Annäherung an Musik und Musizierende, an Landschaft und Stadtraum. Den Augenblick so lange auskosten, bis er zu einer über sich selbst hinausgehenden Wahrheit wird, das ist die Kunst des Fotografen. Das ist die Poesie von Matthias Creutziger. Er kann die Großartigkeit eines Moments empfinden und drückt im richtigen Augenblick auf den Auslöser der Kamera. Er ist ganz einfach aufmerksam und entdeckt auch in der Landschaft Strukturen, die lebendig sind und fernab künstlicher Inszenierung oftmals die Seele eines "memento mori" besitzen. Als Fotograf ist Matthias Creutziger nicht nur Chronist, sondern ebenso metaphorischer Lichtmaler, der das Besondere im Einfachen findet. Jedes Bild ist einzigartig, unvergleichlich, ein Unikat.

Matthias Creutziger sucht den kreativen Moment sichtbar zu machen, in dem wahrhaftige Kunst entsteht. Was passiert mit dem Menschen, der sich entäußert? Kann man dieses Schweben des Geistes, diesen kreativen Zwischenraum überhaupt visualisieren? Er setzte sich Konzerten aus, porträtierte, näherte sich dem Kunstschaffen hinter und auf der Bühne, zeichnete mit Entwicklerlösungen, um die innere und äußere Bewegung des Musikers zu verdeutlichen, versetzte sich mit Empathie in die Künstler. Das ist eine Eigenschaft, die er mit Jürgen Haufe teilte.

Ausstellung bis 9. November im Einnehmerhaus, Dresdner Str. 2, Freital. Di-Fr 16- 18 Uhr, Sa/So 10-17 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.10.2014

Karin Weber

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