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Ausstellung des kongolesischen Fotografen Baudouin Mouanda über Kunst und Kultur Brazzavilles in Dresden

Ausstellung des kongolesischen Fotografen Baudouin Mouanda über Kunst und Kultur Brazzavilles in Dresden

einst französische Kolonie, ist das Land seit 1960 unabhängig, schlug alsbald einen sozialistischen Kurs ein und wurde in den 1990er Jahren durch einen entsetzlichen Bürgerkrieg gelähmt.

Die Republik Kongo.

Ein Viertel der rund vier Millionen teils französischsprachigen Einwohner lebt in der Hauptstadt Brazzaville, seit 1975 Partnerstadt Dresdens. Brazzaville, am mächtigen Kongo-Strom gegenüber von Kinshasa gelegen, ist die Heimat des 1981 geborenen Fotografen Baudouin Mouanda.

Wegen des Krieges konnte er zwei Jahre lang nicht zur Schule gehen. Sein Vater, ein Lehrer, besaß für Unterrichtszwecke eine Kamera, die für den damals 13-jährigen Baudouin schnell zum Hobby wurde. "Er versprach, mir den Fotoapparat zu schenken, wenn ich meine Abschlussprüfungen bestehe", erzählt Mouanda. Seine Mutter sei wenig begeistert gewesen. Doch er gewann ihr Vertrauen. Die Kamera war bald kein Spielzeug mehr, sondern ein Arbeitsgerät, das er ernst nahm. Doch wie gewonnen, so zerronnen. Als es in Brazzaville mal wieder Probleme gab, liefen ihm drei junge Soldaten über den Weg, die ihm seinen Fotoapparat einfach raubten. Verfluchter Krieg!

Seine Leidenschaft fürs Fotografieren konnten sie Baudouin Mouanda nicht nehmen - im Gegenteil: Den Krieg und seine Folgen machte er zu einem zentralen Thema seiner Fotos. 2003 versammelte er einige Freunde um sich, im Laufe der Jahre bildete sich so das Künstlerkollektiv "Generation Elili" heraus, dessen Name sich auf ein kongolesisches Wort für 'Foto, Bild' bezieht. Im Jahr 2005 bekam Mouanda schließlich ein Frankreich-Stipendium und ging für eine neunmonatige Ausbildung zum Fotojournalisten nach Paris. Dort vervollkommnete er sein Handwerkszeug. In der Folge gewann er mit seinen Fotoreihen mehrere Wettbewerbe, seine Arbeiten stellte er in Europa und Südamerika aus. Und nun in Dresden.

"Als mir das Projekt vorgeschlagen wurde, habe ich sofort zugestimmt", berichtet Mouanda, der in Sachsen einen Teil der kongolesischen Kultur im Bild präsentieren, Afrika mal aus einem anderen Blickwinkel zeigen möchte. Schnell habe er festgestellt, dass Dresden eine sehr schöne Stadt sei, aber es ebenso wie in Brazzaville Spuren von Krieg und Zerstörung gibt. Zu sehen sind vier verschiedene Themenreihen, darunter im LadenCafé aha eine Fotodokumentation über die Gruppe der "Sapeurs". Ihre Mitglieder zeichnen sich durch einen eleganten, bunten und auffälligen Kleidungsstil aus, angelehnt an den Dandyismus des 19. Jahrhunderts in Frankreich und England. Doch geht es nicht nur um Äußerlichkeiten, sondern um eine Lebenseinstellung, die sich nach dem Bürgerkrieg herausbildete. Mit ihrem Auftreten möchten die Sapeurs (Stimmungsmacher) zu mehr Selbstbewusstsein und positivem Denken anregen.

Ebenfalls im LadenCafé aha sind Szenen von jungen Brazzaviller Hip-Hop-Musikern zu sehen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzstraße, im Institut francais, sind die Fotoreihen "Mode" und "Sur le trottoir du savoir" ausgestellt - übersetzt: "Auf dem Bürgersteig des Wissens". Der Hintergrund: Weil sie sich zu Hause gestört fühlen oder schlicht keinen Strom haben, lernen Studenten lieber auf öffentlichen Plätzen oder in Parks. Diesen Weg ist auch Mouanda gegangen. Mit Erfolg. Zu seinen aktuellen Projekten gehört übrigens, Frauen in einem Brautkleid zu fotografieren und sie zu fragen, was ihr Traum vom Leben ist. Auch in Dresden, wo er zur Eröffnung seiner Ausstellung weilt, hat er das Festgewand dabei.

Baudouin Mouanda: Blick in ein MODErnes Afrika - Kunst und Kultur in Brazzaville, bis 31. Januar im Institut francais, Kreuzstr. 6, und im LadenCafé aha, Kreuzstr. 7.

www.dresden.de/europa bei "Aktuelles".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.11.2012

Stefan Schramm

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