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Regional Ausstellung des Schaddelmühle-Keramik-Symposiums
Nachrichten Kultur Regional Ausstellung des Schaddelmühle-Keramik-Symposiums
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08:00 27.03.2018
Christa Donner, o.T. Quelle: Fotos (2): Heinz Weißflog
Dresden

Jede künstlerische Arbeit lebt vom geistigen Raum im Künstler. Rilke sprach vom „Weltinnenraum“, der sich ihm in seinen Gedichten auftat. Immer korrespondieren dabei Innen und Außen miteinander. Goethe sprach von den Bildern in seinem Kopf, wenn er schreiben wollte. Im Falle der sieben Künstlerinnen, die sich Ende August 2017 zu einem Keramiksymposium in Schaddelmühle trafen, spielen der Ort und die umgebende Natur eine wichtige Rolle. Die Weite hinter dem kleinen Gehöft einer ehemaligen Wassermühle im Tal der Mulde bei Grimma war inspirierend und der Blick aus den Fenstern einmalig schön und erhebend. Ein großer Brennofen ermöglichte größere Volumina. Die gemeinsame Arbeit war für jede der fünf Bildhauerinnen, eine Malerin und eine Keramikerin spannend, auch im Vergleich mit den anderen. Doch der Raum, seine geistige Ausdehnung, war das Mysterium schlechthin, das alle erfasste.

Im großen Ausstellungsraum der Kreativen Werkstatt Dresden e.V. sind nun die Ergebnisse des Symposiums zu sehen. Dabei gestaltete sich der reale Raum beim Aufbau der Ausstellung besonders spannend. Wie wirken die Arbeiten in der neuen Umgebung? Können sie sich behaupten? Entstehen positive Beziehungen zu den Keramiken der anderen? Fragen, die sich der Betrachter selbst stellen muss. Jeder Ort hat ein anderes Potential.

Im Zentrum des Raumes befindet sich eine Bodeninstallation aus mehreren aufeinander bezogenen, beinweißen, keramischen Elementen von Sandra Rosenstiel. Die einzeln abgeformten Teile verbinden sich zu einem mysteriösem Objekt, das wie ein Insekt, aber auch wie Baum-und Beingeschling aussieht. Die Teile, die durch andere ergänzt werden können, sind ineinander gelegt und bilden ein in sich geschlossenes, frappierend lebendig-kreatürlich wirkendes Ganzes, das in seiner skurrilen Ausstrahlung fast kafkaesk wirkt („Die Verwandlung“).

Darum gruppieren sich die Raumgreifer von Eva Bröer, schachtelhalmartig montierte Solitäre aus bemaltem Ton, die in sich schlüssig fast konstruktivistisch wirken. Florale Formen, organische Konstruktionen, schwarz oder naturfarben, leicht geneigt und verspielt, immer aber mit ernsthaftem Gestaltungswillen geschaffen. In den Diagonalen des Raumes verschaffen sich die figürlichen Keramiken ihr Recht: Am hinteren Raumende hat die in China geborene, in Pegau bei Leipzig lebende Bildhauerin Jiang Bian-Harbort ihre meditativen Büsten platziert. Unter dem Titel „Mysterium der Frau“ entstand eine Keramik mit einem aufgebrochenen weiblichen Torso, der den geöffneten Körper zeigt, aber auch ein Stück Rinde oder Baum sein könnte. Auf der anderen Seite des Raumes gruppieren sich die Porträtbüsten einer Frau (mit Engobe bemalt) und eine verhüllte Muslimin von Christa Donner sowie die Keramik „unterwegs“ von Kornelia Thümmel, eine weibliche Büste mit Brille über der Stirn, in die zwei Augen eingearbeitet wurden. Sie symbolisieren die Zeit, was war, ist und sein wird. Die leichte Neigung des Oberkörpers macht das Interesse sichtbar, das eine notwendige Voraussetzung für das bewusste Sehen und Erleben ist.

Die beiden anderen Künstlerinnen kommen von der Malerei/Grafik und von der Keramikkunst und haben sich im Symposium im Ton ausgelebt, aber auch ihre Arbeiten, zwei Ganzkörperplastiken eines Pubertierenden, mit Zeichnungen vorbereitet (Nadine Wölk) oder in der Radierwerkstatt mit Radierungen auf die Landschaft vor Ort reagiert (Susanne Petzold). Letztere schuf eine große Auswahl von mit Engobe bemalten und geritzten Tellern (darunter manche Textzeile von im Radio gehörter Musik) neben einer Reihe von feingliedrigen Radierungen mit Landschaftsmotiven, inneres Erleben und Außen gleichermaßen zusammenführend.

Bis 15. April. Kreative Werkstatt Dresden e.V., Bürgerstraße 50. Tel. 0351/858 42 00 Di bis Do 10-16 Uhr, Fr 14-18 Uhr, So 14.30-16.30 Uhr

www.kreative-werkstatt.de

Von Heinz Weißflog

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