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Ausstellung der Ponto-Stipendiaten Lisa Pahlke und Richard Leue

Zwei Dresdner in Frankfurt am Main Ausstellung der Ponto-Stipendiaten Lisa Pahlke und Richard Leue

Zwei junge Dresdner Künstler, Lisa Pahlke und Richard Leue, sind die aktuellen Ponto-Stipendiaten. Im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main stellen sie gerade zusammen aus, trotz sehr unterschiedlicher Bildsprachen.

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Richard Leue, Durchs wilde Kurdistan, 2017Courtesy of the artist, Foto/photo: Axel Schneider

Quelle: Axel Schneider, Frankfurt am Main

Frankfurt/Main. „Kopf oder Zahl“ heißt die Schau ganz lapidar. So könnte man meinen, dass Lisa Pahlke und Richard Leue per Münzwurf ausgehandelt haben, wer welche Räume im MMK 3 bespielt, dem Ableger des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main schräg gegenüber dem Haupthaus (MMK 1). Aber es ist viel einfacher. Der MMK-Kurator Sergey Harutoonian hat diesen Ausstellungstitel gewählt, da die beiden jungen Künstler sehr unterschiedliche Positionen vertreten, die auf keinen Nenner zu bringen sind.

Beide sind aber Stipendiaten der Jürgen-Ponto-Stiftung, die seit 40 Jahren Musik, Literatur, darstellende und auch bildende Kunst fördert. So erhalten etwa die bildenden Künstler ein Jahr lang einen monatlichen Scheck, einen Zuschuss für ihre Materialkosten und zum Abschluss noch eine Ausstellung. Die Zusammenarbeit mit der Ponto-Stiftung hat sich für das MMK schon seit mehr als einem Jahrzehnt bewährt, denn ein Museum muss auch die Talente im Auge behalten.

Dieses Mal ist freilich einiges anders. Erstmals konnten sich die Künstler nicht mehr selbst bewerben. Dafür steht jetzt abwechselnd eine Akademie im Fokus, deren Studenten von einer Jury beurteilt werden. Jetzt ist Dresden dran, dann folgt München. Die 1987 in Potsdam geborene Lisa Pahlke ist Meisterschülerin bei dem Maler Christian Macketanz, der 1986 in Hoyerswerda geborene Richard Leue ist Meisterschüler bei dem Klangkünstler Carsten Nicolai. Aber das hat nicht immer viel zu sagen, denn gute Lehrer lassen ihre Schüler machen, ermuntern sie zu einem eigenen Weg und halten sich Kopisten vom Leib. Und die Lehrer dürften erfreut sein über die Schau ihrer Zöglinge.

Der Besucher begegnet zuerst dem Werk von Richard Leue, der einen Raum ganz in Schwarz gestrichen hat, um 38 Schwarz-Weiß-Blätter an die Wände zu kleben. Diese Blätter mit dem Titel „Durchs wilde Kurdistan“ berichten in Bildern und Texten von einer einmonatigen Reise durch den Nordirak, wo das kurdische Autonomiegebiet angesiedelt ist. Leue schildert seine Reise zusammen mit dem Journalisten Sven Wegner ab dem Einchecken am deutschen Flughafen und schließt seinen tagebuchartigen Comic einen Monat später mit dem Abheben des Fliegers im Nordirak. Der Künstler erzählt aus seiner Sicht, er hebt einige Menschen mit großen Porträts hervor, mit denen er und Wegner lange gesprochen haben. Dann folgen wieder kleinteilige Szenen, etwa von einer gefährlichen Fahrt durch Gebiete, die von der IS-Terrormiliz kontrolliert werden.

Ein „Reisetagebuch in Comicform“ nennt Leue sein Werk, aus dem er einzelne Szenen herausgegriffen und im großen Format auf einige Wände in den anderen Räumen übertragen hat. Da geht es scheinbar ganz friedlich zu bei einer Szene mit Hühnern, da zeugt aber wenige Schritte weiter eine Ruine vom täglichen Kampf ums nackte Überleben. Der harte Kontrast zwischen grobem schwarzem Strich und weißem Untergrund passt zu dieser Realität. So fühlt sich der Betrachter regelrecht umzingelt von Politik, er kann den Krieg nicht ausblenden.

Lisa Pahlke, Robin, 2017, Courtesy of the artist

Lisa Pahlke, Robin, 2017, Courtesy of the artist.

Quelle: Axel Schneider

Erstaunlicherweise vertragen sich Leues große Wandbilder mit Lisa Pahlkes zarten Zeichnungen auf Papier. Sie setzt mit Filzstift oder Tusche geduldig eine gewellte Linie direkt neben die andere. Linie reiht sich an Linie, überlappt sich, wird erst plastisch und dann sofort räumlich. Diese gebogenen, zuweilen sogar frei wabernden Linien lassen tatsächlich kühne Räume entstehen, die dreidimensionale Wirkung ist fast wie ein Sog.

Lisa Pahlke will „Formen finden, die nicht etwas darstellen“, erzählt sie. Freilich erinnern die Blätter an Landschaften, an Sedimentschichten oder Gebirge, an Tücher oder Kleiderfalten, an Muskelfasern oder Pflanzen. Aus den Zeichnungen mit dezenten Farben entstehen fließende, auch fliegende Objekte.

Museum für Moderne Kunst (MMK 3), Domstraße 3. Bis 4. Februar, Di-So 10-18, Mi bis 20 Uhr. Tel.: 069/21 23 04 47

www.mmk-frankfurt.de

Von CHRISTIAN HUTHER

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