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Regional Ausstellung: Aufklärung und Voyerismus im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden
Nachrichten Kultur Regional Ausstellung: Aufklärung und Voyerismus im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden
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17:49 09.09.2015
Das Deutsche Hygiene-Museum zeigt eine neue Ausstellung. Quelle: dpa
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Das Kernstück der Ausstellung ist eigentlich ein historisches anatomisches Wachskabinett, das 2009 mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder angekauft werden konnte.

Der Weg dahin führt durch eine klassische Kunstausstellung. Es gehe um die Betrachtung des Körpers und das Verhältnis der Gesellschaft und des Einzelnen dazu, erklärte Kuratorin Eva Meyer-Hermann Ihr Konzept. Verstörend, abschreckend, aber ebenso faszinierend sind 47 Werke zeitgenössischer Künstler zum menschlichen Körper versammelt, die teils ähnliche Reaktionen auslösen wie die rund 100 Jahre alten Modelle vom Schwertschlucker oder Blitzopfer nur wenige Schritte weiter.

Darunter sind Arbeiten von McCarthy sowie Marcel Duchamp, Damien Hirst, Max Ernst, Bruce Nauman, Meret Oppenheim, Man Ray, Cindy Sherman, Rosemarie Trockel oder Luc Tuymans. Das Spektrum reicht von der Ölgemälde-Serie „Der diagnostische Blick“ nach einem anatomischen Lehrbuch über ein Mobile mit Abgüssen von Füllmaterial von Tierpräparaten und Fotos von Operations-Performances bis zu einem längs zerschnittenen Motorrad - einem Symbol der Männlichkeit. Der Konfrontation mit Sex, Gewalt und malträtierten Körpern folgt eine Wunderkammer zur Geschichte anatomischer Wachskabinette, die ab dem 19. Jahrhundert der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Gesundheitsaufklärung, aber auch der Befriedigung der Schaulust auf Jahrmärkten dienten.

Trotz der „abstrakten Rekonstruktion“ des Dresdner Wachskabinetts schockiert der Anblick der über 100 Jahre alter Modelle und Moulagen in Vitrinen und Schaukästen. Während Gebärmutter mit Drillingen, oder Zangengeburt eher Neugier auslösen, schrecken Krankheitsbilder ebenso ab wie Verstümmelungen und Operationen. Anmutend wie McCarthys Nackte oder Schneewittchen liegt indes die einst aufsehenerregende Wachsfigur eines vom Blitz erschlagenen Mädchens in einer Glasvitrine. Eine Rarität ist der fast 80 Jahre alte Gläserne Mann, der 1937 auf der Pariser Weltausstellung zu sehen war - schwer beschädigt in einem Gestell festgezurrt, das Skelett scheint farbig durch die vergilbte Kunststoffhülle.

Das Modell des Schwertschluckers erlaubt einen Blick auf die im Magen endende Klinge. Auch die Werke der Surrealisten, die sich mit den schockierend naturalistischen und teils bizarren Darstellungen und Fantasiewelten der Wachskabinette auseinandersetzten, irritieren. Insgesamt rund 300 Exponate, darunter Leihgaben aus dem In- und Ausland, sollen zur Auseinandersetzung anregen, Emotionen von Erregung bis Ekel auslösen, aber auch Neugier und Schaulust bedienen. Für Museumsdirektor Klaus Vogel ist sie ein „Plädoyer für den Körper“ und für die Kuratorin „auch eine Schule des Sehens“.

Simona Block, dpa

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