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Auf Anfang: Der Jazzclub Tonne residiert wieder im Kurländer Palais

Auf Anfang: Der Jazzclub Tonne residiert wieder im Kurländer Palais

Als der Jazzclub am Beginn der 1990er Jahre sein bisheriges und langjähriges Domizil in der Ruine des besagten Palais räumen musste und ans Waldschlösschen zog, wanderte viel Hoffnung mit. Die sich allerdings nicht festsetzen konnte. Nun ist er zurück.

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...wohingegen der Blick zurück ambivalent ist: Der Eingang zur Tonne 1987, damals war das Kurländer Palais noch eine Ruine.

Quelle: Matthias Creutziger

Dresden. Da gab es mal einen klugen Menschen, der behauptete: "Geschichte wiederholt sich nicht." Was sozusagen auch heißen soll, es gehe immer nur vorwärts, ein Zurück daher das Synonym für einen Verlust. Doch so einfach ist das Leben zum Glück nicht gestrickt. Dass Verlust zugleich ein Gewinn sein kann, bewiesen nun die Macher des Dresdner Jazzclubs Tonne, der seit vergangenen Sonnabend nach mehr als zwanzig Jahren unter beengten Verhältnissen im Kellergewölbe des Dresdner Kulturrathauses wieder das geschichtsträchtige Kurländer Palais als seine alte, neue und vor allem künftige Heimat betrachten darf.

Als der Jazzclub am Beginn der 1990er Jahre sein bisheriges und langjähriges Domizil in der Ruine des besagten Palais räumen musste und ans Waldschlösschen zog, wanderte viel Hoffnung mit. Die sich allerdings nicht festsetzen konnte. Denn der aus dem Zentrum der Stadt verbannte Jazzclub ging dort mit Differenzen in der Leitung, stetig schwindenden Publikumszahlen und einem mitunter allzu kommerziell gemixten Programm an den Start. Hinzu kamen von Monat zu Monat wachsende Schulden, die der Verein vor sich hertrug. All das produzierte eine stetige und sich mit der Zeit steigernde Unruhe. Bis schließlich die damalige Klubleitung aufgab und der Jazzclub zu zerfallen drohte. Als einzig machbare Lösung blieb die Auflösung des Vereins und eine Neugründung. So gelang es schließlich, aus der Schuldenspirale heraus zu kommen. Und mit einem erneuten Umzug - wieder in die Stadtmitte in das Kellergewölbe unter dem Kulturrathaus - schien der Weg in die Zukunft geordnet.

Allerdings dominierte am neuen Standort ein Platzproblem, denn die Kapazität des Veranstaltungsraumes reichte kaum aus, um wirklich mit Gewinn wirtschaften zu können. So war der Wassereinbruch am Beginn 2015 zwar eine echte Tragödie (DNN berichteten), doch machte die eintretende Unbespielbarkeit des Kellers zugleich auch den Weg für die Suche nach einem neuen Spielort frei. Und nun, anno Oktober 2015, ist die Tonne am neuen Standort angekommen. Die eigentliche Überraschung aber war nicht so sehr die Lösung des Problems an sich, sondern vor allem die Tatsache, dass man "back to the roots" ging. Das Kellergewölbe im Kurländer Palais in der Altstadt ist ab sofort der neue Standort des Dresdner Jazzclubs und schon rein von der Platzkapazität her ein Gewinn.

Dementprechend war auch der Eröffnungsabend am Sonnabend, das "Grand Opening", über alle Maßen gut besucht. So gut, dass es bald schon wieder zu eng wurde. Auch das Programm war auf die langjährige Geschichte des Jazz in Dresden zugeschnitten. Vor allem zwei Jazz-Drummer vor allem prägten den Eröffnungsabend: das sächsische Jazz-Urgestein Günter "Baby" Sommer und sein einstiger Meisterschüler Demian Kappenstein. Zwar liegen ein paar Jahrzehnte Leben zwischen den beiden, der Musik selbst aber sind solcherart Berechnungen fremd. Mit echtem Funk ging es weiter, Schwarzkaffee heißt die im Jahr 2004 gegründete Band. Auch dort hatten und haben sie alle irgendwie mit dem Jazz zu tun. In neunköpfiger Besetzung produzieren sie einen wunderbar tanzbaren Jazz. Mit Soul, Funk und Dancemusik machte danach das DJ-Team The Emu & Al Paka lautstark auf sich aufmerksam. Die Party dauerte bis weit in die Nacht hinein.

Fazit: Die Hoffnung war immer da. Dresden hatte bereits zu DDR-Zeiten einen gut funktionierenden Jazzclub. Mit der deutschen Wiedervereinigung überkam die Neubundesbürger neben all dem Neuen und Schönen aber eben auch die trockene Bürokratie in ungeahntem Ausmaß. Und für den Fiskus ist allemal das Geld, sprich die Steuereinnahmen, viel wichtiger als das kultur- und kunstvolle Programm eines Vereins. Den Spagat zwischen jener Bürokratie und dem Spaß und der Freude an einer Sache hinzubekommen, war aber schon zu allen Zeiten ein riskantes Unterfangen.

Doch genug des Klagens, der Blick sollte nach vorn gerichtet sein. Denn schon am Donnerstagabend wird man im Keller des Kurländer Palais der wunderbaren Stimme der Belgierin Sarah Ferri lauschen können. Im Interesse aller Dresdner wie auch aller aus dem Umland zum Jazz strömenden Fans sollte nun die Hoffnung dominieren, dass der verdienstvolle Dresdner Jazzclub Tonne endlich im sicheren Fahrwasser angekommen ist.

www.jazzclubtonne.de

von Wolfgang Zimmermann

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