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Regional AuditivVokal und TanzNetzDresden stellen neues Projekt zu "Hörst Du? Tanz-" vor
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17:23 09.09.2015
"Revolution" - Szenen aus "Hörst Du? Tanz..." im Festspielhaus Hellerau. Quelle: Barbara Lubich

Und so kann es auch nicht verwundern, wenn sich Künstler ebenso in der Gegenwart einer ganz besonderen Zwiesprache der Künste widmen und damit in dem repräsentativen wie zugleich auch spielerisch veranlagten Tessenow-Gebäude bestens zu Hause sind.

Sänger und Tänzer von AuditivVokal Dresden sowie TanzNetzDresden haben bereits im Februar 2014 im Deutschen Hygiene-Museum ihr gemeinsames Projekt "Hörst Du? Tanz-" gestartet und sich dabei in anregender Weise gesucht und gefunden, quasi mit Klang und Bewegung Räume und Sichtweisen erkundet. Das spürt man nun ebenso bei ihrer jüngsten Produktion "Revolution" im Festspielhaus, wo das Publikum zu einer Art Wandelgang durch Zeiten und Orte eingeladen ist, sich die Besucher um den Großen Saal herum bewegen und mittels der Künste auch bewegt werden.

Das Ganze startet in der Seitenbühne Ost mit den höchst eindringlichen Kompositionen "mixed with sorrow" von Stephan Froleyks für vier Stimmen a cappella und zwei Tänzer, "Truth.Courage.Freedom" von Idin Samimi-Mofakham für acht Sänger a cappella sowie von Samir Odeh-Tamimi "Spiegel der Erde" für Bariton a cappella. Daraus entwickelt sich in dem Raum, der auch mit einer Empore ausgestattet ist, spürbar als Anstoß zum Fühlen, Denken eine wunderbare, teils vielsprachig artikulierte Klangintensität. Mit Sinnbildern zu Enge und Begrenztheit, Auflehnen und Widerstehen, und auch die sparsam eingesetzte Bewegungssprache zu Beginn schafft dazu Assoziationen.

Im Hauptfoyer schließlich flankiert das Publikum zur Komposition von Georg Katzer "Mein 1989" ein vieldeutiges Geschehen (Konzept/Choreografie: Ka Dietze) voller Irritationen, Verquickungen, das mit Klangbildern konfrontiert, in denen deutlich Vergangenes und Gegenwärtiges aufeinanderstoßen. Und wo auch erkennbar ist, wie Geschichte und Geschichten ineinandergreifen. Dass die Sänger und Tänzer dabei jeweils mit einem zuweilen auch gebündelt gehandhabten Stab mit Feder zu Gange sind, damit quasi Formationen bilden und Zeichen geben, muss nicht zwingend eine Metapher der neueren Ereignisse sein. Aber man wird nachdenklich dabei. Und assoziiert ebenso für die eigenen Erfahrungen bewegt-beredte Bilder. Besonders dann, wenn alle dicht gedrängt und geballt wie nach Lösungen, Antworten, Auswegen suchen, jeder mal ab- und auftaucht aus der Menge, sich zögerlich Hände emporstrecken und wieder verschwinden, Blicke wie zum Orientieren hin und her gewendet werden. Das erscheint fast wie ein vom Klang bewegtes Fragezeichen, wie die schwierige Suche nach dem, was wirklich lebenswert ist. Und letztlich verbleiben Symbole des Geschehens im Zwischenraum einer der Eingangstüren, assoziieren eine Art Museumsszenerie, in der Relikte aufbewahrt werden.

Im Nancy-Spero-Saal schließlich geht es zu Kompositionen, Collagen, Arrangements von Adrian Nagel, Olaf Katzer (ihm obliegt auch die Musikalische Leitung des Abends) sowie Martin Kirmse um Erfahrungen der Gegenwärtigen. Dazu sind ebenso Text-Passagen der Sänger und Tänzer einbezogen, die mit Eindrücken aus der Zeit des Umbruchs, dem Danach aufwarten wie den etwas anderen Erfahrungen und Erwartungen jener, die später aus weiter Ferne ins vereinte Deutschland kamen. Dass die Bewegungscollage des abschließenden Teils nicht platt ausfällt, dafür sorgen offensichtlich auch Ideen von Marita Matzk. Und jene häufig zitierte Sprachmetapher, das Volk habe mit den Füßen abgestimmt, bekommt mit der rhythmischen Assoziation "Wir sind das Volk" besonderen Nachdruck.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.01.2015

Gabriele Gorgas

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