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AuditivVokal feiert Zehnjähriges

Dresdner Ensemble AuditivVokal feiert Zehnjähriges

Ab und an braucht es frische Töne im Gebälk der Stadt. Und weil Singen nun einmal das Natürlichste der Welt ist, hat sich AuditivVokal dieser Aufgabe verschrieben – seit zehn Jahren versorgt das Ensemble unter Leitung von Olaf Katzer nun die Musiksüchtigen (und viele mehr) mit neuen Vokalklängen. Es darf gefeiert werden

Ungewöhnlich in vielerlei Hinsicht: das Ensemble AuditivVokal.

Quelle: Isabel Noack

Dresden.  Es war die Lust am Neuen, die Leidenschaft, „Unerhörtes“ aufzuführen und im Experiment, im Offenen an einer Gegenwartskultur unmittelbar mitwirken zu wollen, was den Dirigenten Olaf Katzer und einige Dresdner Sänger und Vokalisten im Jahr 2007 dazu veranlasste, ein neues Ensemble zu gründen. Mittlerweile gehören rund 30 Sänger zum Kern des Ensembles, das sich solistisch wie chorisch hören lässt, aber auch tanzt, springt, rülpst, rennt, malt, vorliest und im Konzert telefoniert – nach Dirigat, selbstverständlich.

 AuditivVokal verbindet schon im Namen die Produktion (Singen) mit der Reaktion (Hören), somit auch Publikum und Interpret, Sprache und Musik, Zeit und Raum. Diese Spannungspaarungen lassen sich angesichts vieler beeindruckender Konzerterlebnisse mit dem Ensemble noch weit fortsetzen, und man stellt dabei staunend fest, in welche außerplanetarischen Vokalsphären AuditivVokal in den vergangenen Jahren vorgestoßen ist. Und das niemals, ohne die Labialachterbahnen und Zwerchfellloopings kraftvoll im Konzert zu dokumentieren, sei es in Hellerau, an der Hochschule für Musik oder im Rahmen von KlangNetz Dresden in den Kooperationen mit den Ausstellungen im Deutschen Hygiene-Museum.

Doch AuditivVokal will weitaus mehr sein als ein bloßes Konzertensemble – und schon damit hat es sich in den ersten Jahren auf namhaften Festivals und mit unzähligen Uraufführungen derart seine Meriten verdient, dass Komponisten und Veranstalter das Dresdner Ensemble zur ersten Garde in der Kompetenz zählen. Interaktives gehört für die Vokalisten ebenso dazu wie eine von Fall zu Fall behutsame wie schockierende (ja, auch Schreie sind Äußerungen, und bei AuditivVokal kann ein Publikum auch schon einmal – im Takt! – ausgelacht werden...) Vermittlungsarbeit oder, was in jüngster Zeit immer mehr die Aufmerksamkeit des Ensembles beansprucht, eine Vokalschule für Sänger, damit auch ein vokales Forschungszentrum und ein Dokumentationsort für neueste Vokalmusik. In Konsequenz der Gründung dieser Neuen Dresdner Vokalschule konnte die Sächsische Landesbibliothek, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) als Partnerin gefunden werden, um das bereits vorhandene und stetig sich erweiternde Material professionell zu archivieren und zugänglich zu machen. Ziel ist die Etablierung eines Sondersammelgebiets zur Vokalmusik des 20. und 21. Jahrhunderts, zukünftig ein generelles Archiv für das zeitgenössische Ensemble- und Chormusikschaffen ab 1950.

An drei Tagen feiert AuditivVokal nun sein zehnjähriges Bestehen mit Uraufführungen, vielen Gästen und hoffentlich einem zeitgemäß-zeitgenießenden Publikum. Das Jubiläumskonzert am 1. Juni steht unter dem Titel „Non.Sense?! Neue (Un)Sinnlichkeiten“ und stellt den „Sinn an sich“ in seinen sinnreichen, sinnfreien, sinnlosen und sinnlichen Facetten in den Fokus. Drei Uraufführungen von Peter Motzkus, Gerhard Stäbler und Charlotte Seither stehen im Mittelpunkt, weiterhin erklingen Werke von Györgi Ligeti und Dieter Schnebel. Das Konzert wird um 19 Uhr durch eine Konzertpredigt von und mit Pastor i. R. und Dichter Christoph Eisenhuth eröffnet.

Bereits am 30. Mai gibt AuditivVokal ein Konzert und einen „auditiven Roundtable“ im Vortragssaal der SLUB Dresden. Das Programm dieses Abends bietet neben Diskussionsbeiträgen und Filmpräsentationen auch Live-Performances des Ensembles. In einzelnen Panels werden Themen der künstlerischen und wissenschaftlichen Stimmforschung genauso angegangen wie die Frage nach der Vermittlung Neuer Musik und ihrer gesellschafts- und bildungspolitischen Rolle. Olaf Katzer und die Ensemblemitglieder zeigen im Rahmen dieser Konzertgespräche ihre vielgestaltigen Betätigungsfelder und wollen zum Mitgestalten einer Ensemblekunst für das 21. Jahrhundert anregen. Gäste beim Roundtable sind unter anderen Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD), Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke), die Komponistinnen und Komponisten Charlotte Seither, Helmut Oehring sowie Prof. Dirk Mürbe (Universitätsklinikum Dresden). Außerdem organisiert AuditivVokal innerhalb der Feierlichkeiten ein Workshop- und Vermittlungsprojekt mit dem Seniorenchor der Singakademie Dresden – auch dies wieder ein eindrückliches Beispiel, dass Neue Musik wenig Sinn im Kämmerchen oder Schublädchen entfaltet, sondern im Miteinander ausprobiert werden will. Dazu bekommen wir hoffentlich mit AuditivVokal in Zukunft viele Gelegenheiten, denn die Ideenkiste, so ließ das Ensemble vermerken, sei prall gefüllt. Herzlichen Wahnsinn, äh, Glückwunsch, AuditivVokal!

AuditivVokal Jubiläumskonzerte am 30. Mai, 19.30 Uhr im Vortragssaal der SLUB und am 1. Juni ab 19 Uhr im Großen Saal des Hygiene-Museums, Kombiticket im Vorverkauf 15 Euro, ermäßigt 10 Euro, Vorverkauf möglich über karten@auditivvokal.de

www.auditivvokal.de

Von Alexander Keuk

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