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Architektur in Russland - jetzt zu sehen in der Werkstättengalerie Hellerau

Zeitzeichen Architektur in Russland - jetzt zu sehen in der Werkstättengalerie Hellerau

Über sechs Jahre bereiste der jetzt in Moskau und Berlin lebende Fotograf Frank Herfort mit seinem Motorrad Russland. Ergebnis dieser Recherche-Tour ist ein Konvolut aus Architektur und Milieufotografie, das jetzt in einer strengen Auswahl in der Werkstättengalerie Hellerau zu sehen ist.

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Quelle: Frank Herfort

Dresden. Über sechs Jahre bereiste der jetzt in Moskau und Berlin lebende Fotograf Frank Herfort (geb. 1979 in Leipzig) mit seinem Motorrad Russland. Ergebnis dieser Recherche-Tour ist ein Konvolut aus Architektur und Milieufotografie, das jetzt in einer strengen Auswahl in der Werkstättengalerie Hellerau zu sehen ist. Das ausgestellte Werk fächert sich in zwei Serien auf: Die erste Serie (“Imperial Pomp“) beschäftigt sich mit der in den letzten 10 Jahren geschaffenen, privat und staatlich finanzierten Monumentalarchitektur in den russischen Metropolen, die zweite mit den „Russian Fairy tails“ (Russische Märchen), in denen bestimmte Menschen gezeigt werden, die zum Teil auch durch den Fotografen selbst ins Szene gesetzt wurden, wie in den Aufnahmen „Picnic“ (ein Saparoschez auf dem Weg zum Strand) oder in „Holiday“ (eine Frau mit Kind auf der Decke spielend inmitten von Stromleitungsmasten).

Das Zentrum der Ausstellung bildet die Monumentalarchitektur in russischen Städten, aber auch in Kasachstan, die durch ungewöhlich interessante und gewagte Baukonstruktionen auffällt, wie der Ministeriumsbau in Astana (Kasachstan, 2012) oder die Parktürme in Moskau, aber auch neue, imposante Wohnviertel mit einem Vorzeigestück, dem „Arco Di Sole“ (Sonnenbogen) in Moskau. Die pompöse Gebärde der neuen Architektur steht in Herforts Bildern oft im Kontrast zu den maroden Altbausubstanzen mit zugenagelten Fenstern und Brachen, alten Schuppen und ausgedienten Flugplätzen, die sich als banale Subareale an die neuen Viertel anschließen oder sie umgeben. Andere Architekturen orientieren sich an den Bauwerken der Zarenzeit und der stalinistischen Ära. So akzentuiert Herfort seine sozialkritische Sicht am Beispiel der offenbar werdenden Gegensätze in einem fotografischen Kontrastprogramm, das Reichtum, Pomp und die besonders auf dem Lande herrschenden Armut (“Heiliges Wasser“) in den Focus nimmt.

Die digitalen Fotografien Herforts haben eine hohe Auflösung und wirken fast unwirklich-überreal, zusammen mit einer starken Farbintensität und einer überscharfen Lichtqualität. Mit Blitzlicht wurden bestimmte Passagen des Bildes bei Nahaufnahmen aufgehellt, bzw. zusätzlich ausgeleuchtet. Die gigantischen Vorzeigeviertel mit ihren künstlichen, beleuchteten Bäumen und hohen Türmen, akuraten und schnurgeraden Straßen sind oft menschenleer oder werden nur von wenigen Passanten begangen, wie auf dem Areal des Bayterek-Turms in Astana (Kasachstan) mit seiner goldenen, in einem Stahlgeflecht ruhenden Kugelkuppel, der genau als Abschluss der Blickachse des Ministeriumsbaues heraufragt und alles überglänzt. Die Überdimensionierung der Bauten erinnert an die Stalinzeit. Eine seltsame Leere erfüllt sie. Hier wurden alle menschlichen Maßstäbe übertroffen.

In einigen Architekturen spielen alte russische Bauweisen (besonders die sakralen) eine große Rolle, aber auch traditionelle geometrische Formen, Gold, Schnörkeleien und Verzierungen aus dieser Zeit. Sie zeigen die russische Gesellschaft in ihrem Widerspruch zwischen Machtanspruch und Realität gestern und heute. So verbinden sich Tradition und eine ungewisse Zukunft in einem achitektonischen Futurismus nahe am Kitsch, der grandios und überwirklich wirkt und in seiner Hybris oft schockiert oder ein Schmunzeln hervorruft. Frank Herfort studierte 2000-2005 „Visuelle Kommunikation“ an der HfBK Hamburg, arbeitete 2002-2004 als freiberuflicher Foto-Assistent, bereiste 2004 London und 2006-2011 Moskau. Zahlreiche Preise krönten bereits sein jugendliches Werk, wie der Grand Prix Fotofestival Lodz (Polen) im Jahr 2013 und der LensCulture Visual Storytelling Award - Best 25 Storyletters 2014.

Bis 16. Dezember. Werkstätten-Galerie Hellerau, Moritzburger Weg 68, 01109 Dresden. Kontakt: 0351/ 21 590-202 www.dwh.de geöffnet: Mo-Fr 9-17 Uhr.

Von Heinz Weißflog

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