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Arbeiten von Marion Kahnemann und Talia Benabu in der galerie drei

Arbeiten von Marion Kahnemann und Talia Benabu in der galerie drei

Marion Kahnemann (Jg. 1960) und Talia Benabu (Jg. 1984) kannten sich vor dieser Ausstellung in der galerie drei nicht. Talia Benabu wurde in Israel geboren.

Sie belegte Kunstgeschichte und Philosophie an der Hebräischen Universität in Jerusalem und war bis 2012 Meisterschülerin an der Jerusalem Studio Shool. Marion Kahnemann studierte an der HfBK Dresden Bildhauerei. Die Begegnung beiden Künsterinnen hier in Dresden war auf jeden Fall beglückend. Man ist überrascht, wandelt man durch die Präsentation von Bildern, Assemblagen, Collagen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen, wie das Werk der einen in das der anderen übergeht. Marion Kahnemann und Talia Benabu gehören unterschiedlichen Generationen an. Beide haben jüdische Wurzeln. Beiden ist die Seherfahrung Anlass, den Zwischenraum von Realität und eigenem Anspruch bildnerisch zu füllen.

Marion Kahnemann entwirft poetische Bildwelten, die Objektcharakter besitzen. Es sind kleinplastische Pretiosen. Sie liebt Strukturen, die Materialität von Dingen, Raster, das alte Prinzip vom Bild im Bild, um ungeheuerliche, magische Geschichten zu erzählen, und entwirft signifikante Zeichen einer archaischen Formensprache. Die Erinnerung an Vergangenes ist immer präsent in den Verweisen auf Gegenwärtiges, umrankt von einprägsamen Worten, die sie bei Else Lasker-Schüler und Rose Ausländer findet. Farbigkeit brennt sich ein: dunkles transzendentes Blau, dynamisches Karminrot, Gelb, das ins Gold gesteigert wird. Marion Kahnemann sammelt lustvoll Weggeworfenes, dem Gebrauchsspuren anhaften, Spuren gelebten Lebens. Diese Fundstücke bearbeitet sie teils und fügt sie in neue Zusammenhänge, in denen Nähe, Zuwendung, Kommunikation eingefordert wird, in denen Zustände der Entfremdung und der Einsamkeit auftauchen. Sie arbeitet die Abgründe menschlicher Handlungen auf und hat den Mut zu Bekenntnissen. Was bleibt, wenn man auf der Flucht ist? Was nimmt man mit, wenn die Wurzeln gekappt werden? Woran wird man stark, um sich nicht zu verlieren? Faszinierend sind ihre Schachtelobjekte. Kleine Reliquiare, die ihre Gedanken bergen.

Mit dem nicht näher bestimmbaren Dazwischen, dem flüchtigen Augenblick, mit Ahnungen haben auch die fragilen Arbeiten von Talia Benabu etwas zu tun. Sie ist Malerin, wurzelt sich in die Farbmaterie ein, in diese nahezu monochrome Farbfeldmalerei, die Horizonte zulässt, eine Schnittlinie der Träume und Erwartungen, an der sich in unserer Vorstellung der Himmel mit der Erde berührt. Sie weiß einem Ockergrau alle Farbnuancen zu entlocken, sie vermag es, die Oberflächen atmen zu lassen. Sie legt nichts fest. Es ist ungewiss, ob es sich um Felder, Wiesen, Wälder, Architekturen handelt.

Als Talia Benabu sich entschloss, nach Deutschland zu kommen, war sie der Sprache nicht mächtig. Sie verlor sich im Augensinn, ganz unvoreingenommen, und entdeckte pinkfarbene Wälder. Die deutsche Sprache nur ahnend, spielte sie mit Buchstabenzeilen aus Büchern, zerschnitt diese und entwickelte Streifencollagen. Wälder aus Schriftzeichen. Dass sie eine sensible, präzise Beobachterin ist, zeigen die Skizzen von Tanzenden, in denen die körperhafte Bewegung so zart in einem Verfließen angedeutet ist. Sie liebt Monotypien, zerschneidet diese und entwickelt daraus Collagen, die an Blumenarrangements erinnern könnten.

galerie drei, Prießnitzstraße 43, bis 6. Juni, Mi-Fr 15-18 Uhr, Sa 12-14 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.06.2015

Karin Weber

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