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Aquarell und Zeichnung von Gunter Jacob ist im Stadtmuseum in Neustadt zu sehen

Aquarell und Zeichnung von Gunter Jacob ist im Stadtmuseum in Neustadt zu sehen

Der Dresdner Maler und Grafiker Gunter Jacob wirkte 35 Jahre lang für die Erhaltung älterer Kunst. Seit der Einrichtung des Studiengangs Restaurierung an der Hochschule für Bildende Künste war er dort für das künstlerische Grundlagenstudium künftiger Gemälderestauratoren, später auch für die Vermittlung historischer Maltechniken und Gemäldekopien verantwortlich.

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Gunter Jacob. Asien, aus dem Großsedlitzer Skulpturenzyklus. Zeichnung.

Sein eigenes künstlerisches Werk wuchs in relativer Stille.

Das Stadtmuseum Neustadt/Sa., auf halbem Wege zwischen Dresden und seinem Geburtsort Hinterhermsdorf gelegen, gibt jetzt einen Einblick in den Schatz seiner freien Handzeichnungen und Aquarelle. Es wird spürbar, dass Skizzen und Zeichnungen nach wie vor Medien sind, in denen sich, tagebuchartig, Temperament und Intentionen eines Künstlers unmittelbar mitteilen.

Aktstudien von äußerster Konzentration und strenger Reduzierung zeigen Torsi in unterschiedlichen Sitzhaltungen, teils in raumgreifender Drehung, teils in verschlossener Abkehr. Nur etwa sechs bis zehn Linien genügen, die charakteristische Form zu geben. Farbe spielt keine Rolle. Die Formate sind klein - die Modelle saßen jeweils wenige Minuten in einer Position. Keine Zeit für Experimente oder Korrekturen, und doch entstanden so konkrete Figuren, dass man meint, sie auf einigen Blättern wiedererkennen und die Fortsetzung einzelner Bewegungsabläufe nachvollziehen zu können.

Jacobs Landschaftsstudien verlas-sen das rein Linear-Zeichnerische und folgen meist dem malerischen Prin-zip, bei dem Raum und Perspektive mit Hilfe von Licht und Schatten und unterschiedlichen Grauwerten erfasst werden: Elbblicke und Sächsische Schweiz, Reiseimpressionen aus dem nahen Brandenburgischen, aus ferneren Ländern und aus dem Hochge- birge.

Blätter eines römischen Skizzenbuchs und einer Ischia-Tour zeigen hingegen einen sachlicheren, nahezu dokumentarischen Zeichenstil, fast im Sinne von Veduten. Aus spannungsvoll niedrigem Blickwinkel ist am Motiv der Engelsbrücke mit der dahinterliegenden Engelsburg zu sehen, wie der Zeichner teils mit der Spitze des Stiftes arbeitete, teils mit einer flachen Breitseite. Architekturen werden als Baukörper wahrnehmbar - als Ensembles mit weiteren Raumgefügen neben- und ineinander. Ein farbiger Grund; ein blaues oder ein graubraunes Tonpapier können die Stimmung eines Blattes verändern: Blau weckt Fernweh, gibt Kühle und Weite. Das Braun-Beige, das stellenweise großzügig offen liegen gelassen wurde, schafft eine sichere, warmtonige Basis.

Die Ästhetik des barocken Chiaroscuro, das durch weiße Lichtsetzungen dunkler gehaltenen Gegenständen dramatische Plastizität verleiht, übertrug Jacob mit lockerer Hand auf eine Aquarellfolge von fünf Großsedlitzer Skulpturengruppen. Die in Stein gehauenen Personifikationen von Afrika, Europa, Asien und Amerika sowie die Allegorie "Feuer und Wasser", die mit ihren Attributen theatralisch bewegt frei am Wege stehen, werden im Lauf des Tages vom Licht umwandert, und zu jeder Stunde wird eine andere Achse beleuchtet. Solch malerischen Motiven wäre mit sachlich schnörkelloser Linienführung kaum beizukommen. Dennoch genügen nur wenige Farbtöne aus dem Aquarellkasten, um sie in ihrer ausgreifend bewegten Gestalt zu modellieren. Die darunter liegende Farbe des Tonpapiers bestimmt unmerklich die Grundstimmung eines jeden Blattes.

In den Landschaftsaquarellen schließlich entfaltet sich ein reiches, fein differenziertes Farbenspiel. Wer in einer malerischen Landschaft aufgewachsen ist, ist von ihr geprägt, und sucht Landschaft auch an anderen Orten bis in die Tiefen unter der Oberfläche zu verstehen, ganz im Sinne Paul Cézannes, der "Farben als Ausdruck dieser Tiefe an der Oberfläche" verstand.

Gunter Jacob ist den Spuren des Vaters der Moderne gefolgt, nach Aix-en-Province. Er besuchte die provenzalischen Weindörfer, das Atelier Les Lauves und den Chemin de la Marguerite, wo jener seine letzten Gemälde vom Sainte-Victoire schuf. Es kann kein Zufall sein, dass er dort seine Palette ganz ähnlich wie Cézanne zusammenstellte: mit wenigen, aber genau ausgewählten Farben einer Stufung zwischen Gelb-Ocker-Orange und Blaugrün, mit denen er zu vergleichbaren farblichen Stimmungen kam. Fest und unverrückbar thront der Berg hoch über dem Tal. Im nächsten Bild hingegen dehnt sich endlos weit, luftig leicht der Himmel mit seinen Wolkenzügen über einem sehr niedrig gehaltenen Horizont am Meer. Licht wird hier nicht nur durch punktuelles Aufsetzen von hellen Akzenten gewonnen, sondern durch eine Auflichtung ganzer Passagen oder sogar des gesamten Blattes, bei gleichzeitiger Verringerung von Kontrasten. Jördis Lademann

Bis 15. Juli, Stadtmuseum Neustadt/Sachsen, Malzgasse 7. Die-Do 10-12 und 13-16; Fr 10-12; Sa/So 14-17.

Heute, 19 Uhr, Künstlergespräch mit Gunter Jacob

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.07.2012

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