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Regional Anoushka Shankar musizierte mit der Dresdner Philharmonie
Nachrichten Kultur Regional Anoushka Shankar musizierte mit der Dresdner Philharmonie
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18:05 28.01.2018
Die Dresdner Philharmonie mit Anoushka Shankar (Sitar) und Karl-Heinz Steffens (Dirigent) im Kulturpalast Quelle: Markenfotografie
Dresden

Zwei Konzerte mit Musik aus dem 20. Jahrhundert – und der Dresdner Kulturpalast ist lange voraus schon ausverkauft? Ein Werk vom Beginn des Jahrhunderts, als vom fatalen Militarismus noch kaum was zu ahnen war, und eines, das kurz vor der hoffnungsvollen Umbruchszeit entstand, die Europa und die Welt zusammenschmieden sollte.

Inzwischen stehen viele Zeichen wieder auf Krieg, Gewalt und Abgrenzung, da klingt diese Jahrzehnte, Stilistiken und Kontinente verbindende Musik des jüngsten Philharmoniekonzerts geradezu mahnend zeitgemäß. Dass so viele (auch zwischen allen Sätzen klatschenden) Menschen diese Musik live erleben wollten, lag sicherlich an Anoushka und Ravi Shankar. Die bezaubernde Tochter des 2012 verstorbenen Sitar-Gurus hat sich dessen Schaffen verschrieben und interpretierte sein 2. Konzert für Sitar und Orchester. Tonart indisch. Entstanden 1979/80. Uraufgeführt 1981 vom New York Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta.

Bevor die Dresdner Philharmonie nun unter Gastdirigent Karl-Heinz Steffens an dieses Werk ging, stand „La mer“ von Claude Debussy auf dem Programm. Drei sinfonische Skizzen von 1905, die ihren impressionistischen Charakter in beinahe jedem Takt betonten. Kurze Spannungsbögen, die bestens ineinanderflossen, ohne je losgelöst voneinander zu sein, und so die ganz große Welle ergaben. Dass Letztere rauschend in indischer Musik mündete, war Programm. Inhalt der ersten Konzerthälfte jedoch ist ein großartiges Meeresspiel gewesen, aus dem bestens konturierter Bläserklang auftauchte, ausgewogen von Streichern umschwommen, darin Wolfgang Henrichs leuchtturmgleiches Solo, zum Finale in perfekten Rhythmuswechseln aufschäumend bewältigt.

Das Sitarkonzert von Ravi Shankar forderte Publikum und Interpreten ganz anders heraus. Hier war mehr als nur das Zusammengehen von westlichem Orchester und indischem Nationalinstrument zu erleben, es gab eine Vielzahl von Zwischentönen, die das europäische Intervallsystem gar nicht kennt.

Schon das orchestrale Intro glich einem Vogelschwirren, das einer entrückten Stille wich, als Anoushka Shankar zum ersten Sitar-Solo anhob. Spannend waren ihre späteren Zwiegespräche mit dem Fagott, ihre Korrespondenzen mit Harfe und Schlagwerkern. Harsche Rhythmen waren da zu bewältigen, für die Tochter des Komponisten naturgemäß kein Problem, für das in anderen Metren geschulte Orchester eine permanente Herausforderung, die Dirigent Steffens hilfreich zu meistern verstand.

Die nicht notierten Improvisationen auf der Sitar durften weitgehend solistisch genossen werden – und niemand musste da weltentrückte Gedanken pflegen, um diesem Klang zu erliegen. Ein beständiges Klingen und Perlen, ein Sirren und durch den Saal gehendes Vibrieren – die Bordunsaiten der Langhalslaute machten es möglich. In orchestralen Tutti-Passagen ging die Musik der Solistin freilich etwas verloren, dafür durften die Klarinetten flirren und die Trompeten ihren (wenn auch nicht ganz lupenreinen) Glanz verbreiten.

Ravi Shankar hat mit seiner Musik bewiesen, wie sich die Traditionen alter Kulturkreise überwinden und durchdringen lassen, wie etwas Neues gewonnen werden kann, ohne das Alte zu verleugnen. Mit Anoushka Shankar, der Dresdner Philharmonie und Karl-Heinz Steffens fand diese Musik wunderbare Sachwalter.

Von Michael Ernst

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