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Annett Louisan mit Babybauch in Dresdens Altem Schlachthof

Schnörkellos und ehrlich Annett Louisan mit Babybauch in Dresdens Altem Schlachthof

Punkt 20 Uhr ist es, als Annett Louisan an diesem 1. April die Bühne des Alten Schlachthofs in Dresden betritt. Keine Vorband, keine Schnörkel, keine Aprilscherze. Sie ist so direkt wie ihre Songtexte.

Annett Louisan im Alten Schlachthof
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Punkt 20 Uhr ist es, als Annett Louisan an diesem 1. April die Bühne des Alten Schlachthofs in Dresden betritt. Keine Vorband, keine Schnörkel, keine Aprilscherze. Sie ist so direkt wie ihre Songtexte. „Wo ist der tiefere Sinn, wenn ich doch bloß geboren bin, weil die Karre von Günther lieben blieb?“, singt sie in ihrem ersten Lied „Kleine Zwischenfälle“.

Louisan hat überlegt, ob sie diese Tour machen kann. Immerhin ist ein kleiner Passagier an Bord. Der ist allerdings kaum mehr zu übersehen, trotz des schwarzen Wallekleides, das sie trägt. „Wenn ich etwas so sehr liebe wie das, dann kann es gar nicht schädlich sein“, stellt sie aber fest.

Es war Zeit für dieses erste Kind, einen Tag später wird sie 40. Mit ihrem Mann sei sie viel gereist und hätte wilde Partys gefeiert, nun tickte wohl die Uhr. Und doch will sie nur ihre Songs spielen. Sie covert Ich + Ichs „Stark“: „Aber ich steh nur hier oben und sing mein Lied.“ Im Mai 2016 erschien Annett Louisans Album „Berlin, Kapstadt, Prag“, das zehn deutsche Songs von so verschiedenen Künstlern wie Kraftwerk, Tokio Hotel, der Münchner Freiheit oder Udo Jürgens neu interpretiert (DNN berichteten). Die spannendste Neuauflage ist dabei sicher Rammsteins „Engel“, das bei Annett Louisan sphärische Klänge annimmt und umso mehr nach gefallenem Engel klingt, wird sie auch vom Lichtkegel hinter ihr in andere Sphären entrückt.

Nach 50 Minuten knapp eine halbe Stunde Pause. Man merkt Annett Louisan an, dass schwanger zu singen anstrengen kann. Ein rotes Chaiselonge wurde vor dem Klavier postiert, bietet ihr immer wieder einen bequemen Rückzugsort. Sonst steht sie oder nimmt auf einem Hocker Platz. Die Bühne kommt darüber hinaus ohne Schnickschnack aus. Ein bisschen Licht und fünf Musiker. Vier Martins aus aller Welt, Florian am Schlagzeug. Mehr braucht Annett Louisan nicht. Ihre Texte sprechen für sich, erzählen vom Alltag und nervigen Lebensbegleitern. Neben älteren hat sie neue Songs dabei, die aber noch nicht auf ein Album gepresst wurden. Das war der Plan, aber das Leben kam dazwischen, erzählt sie.

Louisan singt von Schnappi, die zuerst nach Luft schnappt und dann eingeschnappt ist. Oft aber geht es um große Gefühle. Um die Liebe einer Mutter und den Schmerz einer Geliebten, die sich nach dem verheirateten Mann sehnt. Um die Tücken des Alltags, wenn die Liebe in die Jahre kommt. Kitschig ist das nie, manchmal frech, meist einfach wahr. Die Paare im Publikum streicheln sich über den Rücken, tätscheln sich den Arm, Frau legt Mann den Kopf auf die Schulter. Die 1000 Zuschauer sitzen. Ausverkauft! Das Ganze wirkt trotzdem eher wie ein Lieder- oder Theaterabend als ein Konzert. Erst als Annett Louisan kurz vor 22 Uhr abgeht und kurz darauf für die erste Zugabe wiederkommt, stehen die Leute auf. „Kommt, tanzt mit mir!“, sagt sie und kredenzt dazu „Das alles wär‘ nie passiert – ohne Prosecco“.

Eine zweite Zugabe gönnt sie der Menge danach noch: „Die schönsten Wege sind aus Holz“. Sie selbst ist es nicht – auf dem Holzweg. Zu zufrieden wirkt sie mit sich. Zu zufrieden ist die Menge. Sie klatscht und johlt nach jedem Song, wippt mit den Füßen, tanzt mit der Hand. Nicht mehr, nicht weniger. Annett Louisan will doch nur spielen, das Publikum lauscht ihr gebannt – geradezu kontemplativ, als sinniere es über jede Textzeile. Selten blitzt ein Handydisplay auf, wird ein Foto oder Video gemacht. Um 22.10 Uhr ist Schluss, zehn Minuten später sind die Halle und der Alte Schlachthof leer. Glücklich war hier wohl trotzdem jeder.

Von Nadine Faust

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