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Regional Annaliese Mayer-Meintschel, bis 1991 Direktorin der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister, wird 85
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17:52 09.09.2015
Annaliese Mayer-Meintschel in der Restaurierungswerkstatt im Albertinum. Quelle: Dietrich Flechtner
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Mit junger Begeisterung und Dankbarkeit für das Erhaltene gingen die Kunsthistoriker an die Arbeit, wie in der Stadt die Trümmerfrauen an die ihre. Vom Pillnitzer Optimismus erzählt ein Gemälde des alten Dresden-Malers Fritz Beckert: Serenade vor dem Schloss, die Damen 1947 (!) festlich gekleidet, mit Sommerhütchen. Ob Annaliese Meintschel dabei war?

Sie, geboren am 26. Juni 1928 in Rumburk, hatte ihren künftigen Mann noch nicht gekannt. Erst 1953 bei den Cranachtagen in Wittenberg sollten sie sich begegnen. Der Stuttgarter Kunstadept war von den Spuren des Weimar-Dessauer Bauhauses gelockt, das auch von Stuttgart wertvolle Impulse empfangen hatte - den Hoelzel-Schülern Oskar Schlemmer und Johannes Itten. Es stand in der DDR nun unter dem Formalismus-Verdikt, aber dies hatte Rudolf Mayer noch nicht wahrhaben wollen. Der junge Künstler ist Kunstverleger geworden; im Dresdner Verlag der Kunst konnte er die bald legendäre eikon Grafik-Presse betreiben. Er war ein Mann der Moderne, kein Kunsthistoriker, aber Annaliese Mayer-Meintschel - 1968 bis 1991 Direktorin der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister - hat ihm wohl viel Verständnis für die moderne Kunst zu danken, und er ihr ein kunsthistorisch systematisches Denken. Er verfasste das Standardwerk "Gedruckte Kunst. Wesen, Wirkung, Wandel", auch bisher vernächlässigte Beiträge zur Grieshaber-Forschung - über die Frühzeit des grandiosen Holzschneiders. Rudolf Mayer hatte zuletzt leiden müssen, unter dem Zusammenbruch des Verlags und verdrängt aus seiner Tätigkeit im Glöckner-Archiv, vor allem aber unter der fortschreitenden Krankheit. Zu seinem Andenken hat seine Frau der Galerie Neue Meister ein bedeutendes, nicht billiges Gemälde des Stuttgarter Alt-Abstrakten Max Ackermann gestiftet - wie durch wunderbare Fügung hat das Bild eine große "M"-Form in ihrer Mitte.

Hans-Peter Lühr hat hier vor fünf Jahren über die von Uta Neidhardt herausgegebene Festschrift referiert. Im Vorwort heißt es: "Achtung und Anerkennung der Kunsthistoriker und Museumsfachleute in aller Welt gelten bis heute sowohl ihren wissenschaftlichen Leistungen als auch der mit ihrem Wirken eng verbundenen Bedeutung und Strahlkraft der Dresdener Gemäldegalerie." Das Motto aber, nach Demokrit, war: "Die Glückseligkeit besteht wesentlich in der Ruhe und Heiterkeit der Seele." Das sei als Wunsch wiederholt, zumal in so hohem beschwerlichen Alter.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.06.2013

Dieter Hoffmann

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