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Regional Anna Mateur & The Beuys ganz ohne Disko am Dresdner Elbufer
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08:41 25.07.2017
Mitten im Publikum fühlt sich Anna Mateur am wohlsten.  Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Am Sonntagnachmittag stand erstmals als Veranstaltungsrubrik schlicht „Show“ im Programmheft der Filmnächte am Elbufer – Anna Mateur & The Beuys sollen das „Protokoll einer Disko“ vortragen. Dazu ist die blaugelbe Stuhlarena in praller Sonne in der Mitte gut gefüllt und eigens eine kleine überdachte Bühne mitten ins Asphaltparkett gebaut. Dort steht der weiße Flügel von Andreas Gundlach und Anna Mateur im schicken, zu knappen weißen Top und mit grüner Schürze.

Anna Mateur am Dresdner Elbufer

Just eine Woche nach der jüngsten Schaubudenshow war die Ausgangslage also eine völlige andere als vor zwei Jahren in der rappelvollen Sommerwirtschaft Saloppe, als eine Extra-Ausgabe ihrer Scheune-Show – „Büro für Ordnung und Chaos“ genannt – lauerte, in der ihr erstes Buch, der „Wehwehchenatlas“, einen eigenen Werbeblock feierte.

Doch auch hier, ohne ihre bewährte Bürogemeinschaft, fiel es der Jazzdiplomsängerin, die schon im „Vitz“, der Bühne ihres Gymnasiums, aber später auch bei Spielbrett das spielerische Talent präsentierte – leicht, das Publikum mitzureißen. Dabei erinnert nicht mehr viel an das Ursprungsprogramm, das als ihre vierte große Show vor knapp drei Jahren seine Premiere in der Schauburg erlebte.

Damals spielten als The Beuys der Gitarrist Samuel Halscheidt plus der Cellist Christoph Schenker und boten sich musikalische Duelle. Außerdem teilten sie das Leid einer überschäumenden Diva und ihrer außergewöhnlichen Zuneigung. Diese hatte nun Gundlach allein zu bewältigen, spielte unentwegt selbst dann weiter, als sie unter dem Flügel hindurch auf seinen Schoß flutschte. Dabei beruhigte sie die erschrocken schauende Luisa, ein kleines Mädchen auf einer Männerschulter: „Es ist nur Spaß“ – um ihrem Musiker anzudrohen: Aber nicht mehr lange, denn der Backstage-Bereich sei sehr groß, so dass man seine Schreie nicht hören werde.

Der bewährte Mix aus abgeklärter Comedy und schrägen, aber meist grandios dargebotener Musikperlen aus eigener Feder oder in gewagten Neuinterpretationen, bleibt hingegen und funktioniert natürlich auch hier – mit neuen Songs, neuen Gags und einem Pianisten aus „Hahahahannover“, der einhändig spielen kann und derweil mit der anderen Hand jongliert oder einen Zauberwürfel farblich zurückzaubert. Doch das Diskoprotokoll, angeblich beruhend auf ein Original der Klasse 6b am 29. März 1984 und von ihr einst im Papierkorb des Vitzhum-Gymnasiums gefunden, spielte keine Rolle mehr. Auch das Handykonzert namens „4:33“, in dem die Zuhörer lang vermisste Bekannte anrufen sollen, mit Lautsprecher für alle, fiel aus. Der umjubelte Schluss – ein furioses Medley, unter anderen mit den Gewinnerhymnen von Abba und Queen garniert – blieb hingegen wie ehedem.

Kurz nach sieben radelte Anna Mateur dann davon – der Abendsonne nach zum eigenen Devotionalienstand, wohin ihr ein erklecklicher Teil des Publikums folgte – auch Luise auf den Schultern des Vaters. Dort gab es unter anderem ihre neue Scheibe zu erwerben: „Gut sortiert – Hörschnitzel Vol. 1“ heißt sie und bietet genau dies – also 24 Minihörspiele als Debüt der dreifachen Dresdnerin des Jahres mit einer Hördauer von 59 Minuten, aufgenommen am Küchentisch. „Wild, witzig, weiblich und wahnsinnig“ beschreiben sie ihre Werbetexter vom Heimatverlag Voland & Quist. Das hehre Ziel: die Poetryslamisierung des Abendlandes. Das ist noch ein weiter Weg, der sie im Herbst noch sieben Mal live in den Westen führt. Mit „Protokoll einer Disko“ gastiert sie hingegen vom 15. bis 18. August in der Berliner „Bar jeder Vernunft“ und wird damit auch im September zum Folklorum nach Einsiedel reisen.

Genauere Betrachter ihrer Netzpräsenz wissen auch, dass eine Neuauflage vom „Büro für Ordnung und Chaos“ in der Scheune noch etwas dauern kann, denn von Mitte Januar bis Mitte März warten im „Tipi am Kanzleramt“ weitere Vorstellungen als Zofe Stella mit Flirt- wie Putzambitionen in Paul Linckes „Frau Luna“ – ein lukratives Engagement an der Seite von Cora Frost als Venus, Gustav Peter Wöhler als Prinz Sternschnuppe sowie den Chansongeneratoren Pigor und Eichhorn.

Mangelnde Resonanz würde einem Neustart keinesfalls im Wege stehen: Beim Heimspiel am Sonntag verließen erstaunliche 1300 Leute beglückt das Gelände. Bereits drei Stunden später wartete mit Bud Spencer ein ähnlich multilateral veranlagter Volksheld auf seine Fans .

Am Filmufer folgen noch drei weitere „Shows“ (als Kategorie jenseits von Konzerten): Comedyslam, Olaf Schubert und Helge Schneider – im Kalender sind dafür 3., 17. und 27. August zu blockieren.

Von Andreas Herrmann

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