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Ankauf verschollen geglaubter Winckelmann-Briefe

Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden Ankauf verschollen geglaubter Winckelmann-Briefe

Mit finanzieller Hilfe von Partnern hat die Sächsische Landesbibliothek (SLUB) eine bisher verschollene Korrespondenz von Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) angekauft. Der Briefwechsel zwischen dem Kunstschriftsteller der Aufklärung und Oberhofmeister Graf Wackerbarth-Salmour ist ab sofort auch digital verfügbar. SLUB-Direktor Thomas Bürger sprach von einem „Glücksfall“ im Jahr von Winckelmanns 300. Geburtstag.

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Dresden. Nicht entdeckte Briefe von Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) sind äußerst selten. Der letzte Fund liegt 35 Jahre zurück. Alles aus der Feder des Begründers der wissenschaftlichen Archäologie und modernen Kunstgeschichte besitzt unermesslichen Wert für die europäische Kulturgeschichtsschreibung. Meist nimmt man an, die Schreiben seien verschollen. Jetzt, im Jahr seines 300. Geburtstages – am 9. Dezember – ist es der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden dennoch gelungen, eine solche Rarität für ihre Sammlung zu erwerben.

Es handelt sich um 13 Briefe aus der Zeit um 1760. Sieben davon, verfasst auf Italienisch, schickte Winckelmann aus Rom an Graf Wackerbarth-Salmour. Der Oberhofmeister hielt sich, weil in Sachsen der Siebenjährige Krieg (1756-1763) tobte, mit dem kunstinteressierten sächsischen Kurprinzenpaar Friedrich Christian (1722-1763) und Maria Antonia (1724-1780) in München auf. Sie zahlten Winckelmann das Stipendium, mit dem er von 1755 an in Rom forschte. Dass auch sechs Antwortbrief-Entwürfe des Kurprinzen, fünf auf Französisch, einer auf Italienisch, dazu gehören, ist äußerst selten, was den Wert des Konvoluts noch erhöht.

Johann Joachim Winckelmann

Johann Joachim Winckelmann

Quelle: dpa

Einen „Glücksfall“ nannte SLUB-Generaldirektor Professor Thomas Bürger das gestern bei der Präsentation. „Winckelmann-Briefe sind extrem rar“, sagte er. „Aber wenn sie sich finden, sind sie reich an kulturhistorischem Inhalt.“ In den jetzt entdeckten Texten berichtet Winckelmann über neue Entdeckungen in Rom, nennt wichtige Personen und beschreibt Skulpturen.

Die Briefe hatten Privatpersonen aus Italien im Antiquariatshandel angeboten. Entdeckt hat sie Jana Kocourek, Leiterin der Handschriftenabteilung der SLUB. „Sie schließen eine der letzten Lücken im Briefwechsel Winckelmanns“, sagte sie. Die Kaufsumme, über die Stillschweigen vereinbart wurde, haben die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Kulturstiftung der Länder aufgebracht.

Sachsens Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) betonte: „Es ist wichtig, so etwas für die Öffentlichkeit sichtbar und der Forschung weltweit durch Digitalisierung zugänglich zu machen.“ Deshalb müsse das Digitalisierungsprogramm fortgesetzt werden.

Inzwischen hat die SLUB Abbildungen der Briefe im Internet veröffentlicht. Ediert werden sollen die Briefe in Band 16 der neuen historisch-kritischen Winckelmann-Ausgabe. Er enthält die „Römischen Schriften“ des von Goethe hoch geschätzten geistigen Vaters der klassizistischen Kunst und soll 2018 erscheinen, wie Max Kunze, Präsident der Winckelmann-Gesellschaft (Stendal) sagte.

Auch wenn solch wertvolle Dokumente in digitaler Abbildung allen zugänglich seien, könnten sie die Dokumente selbst niemals ersetzen, erläuterte Professor Frank Druffner, kommissarischer Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder. „Die Originale enthalten wesentlich mehr Informationen als die digitalen Substitute. Zum Beispiel, wie das Papier beschaffen und gefaltet ist oder welche Tinte man verwendete.“

Zeigen möchte die SLUB die Briefe in einer kleinen Kabinettausstellung 2018.

Internet: digital.slub-dresden.de/id49251724X

Von Tomas Gärtner

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