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Anhörung zur Literaturförderung im Dresdner Landtag - Lieber Stipendien als Literaturpreise

Anhörung zur Literaturförderung im Dresdner Landtag - Lieber Stipendien als Literaturpreise

Literatur ist eine äußerst kleinteilige Angelegenheit, auch und gerade personell. Schließlich sind Autoren fast immer Einzelkämpfer. In Sachsen verschiebt sich diese Kleinteiligkeit dazu noch auf die Ebene der Verlage.

Etwa 200 gibt es im Freistaat, viele davon mit sehr überschaubarem Personalbestand. Diese Vereinzelung ist beim Thema Literaturförderung aber gleichzeitig ein Problem. Denn die finanzielle Unterstützung von sogenannten Kleinstprojekten ist oft mit unverhältnismäßig hohem Personalaufwand verbunden.

Sachsens Finanzministerium habe für die Jahre 2015/2016 deshalb schon einen Rückgang dieser Art Förderung angemahnt, sagte gestern Ralph Lindner, Direktor der Kulturstiftung des Freistaates, im Landtag. Er war einer von fünf Sachverständigen, die sich zum Thema "Initiativen zur Verbesserung der Situation der Literaturschaffenden in Sachsen" äußerten. Eingeladen zu dieser öffentlichen Anhörung hatte die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Dass das Expertengremium für eine nachhaltige Förderung votierte, war dabei kaum verwunderlich. Auch das mehrfach vorgebrachte Plädoyer für Arbeitsstipendien, die den Autoren die beste Form von Unterstützung geben würden, wie Claudius Nießen, Geschäftsführer des Deutschen Literaturinstituts Leipzig, betonte, war wenig überraschend. Bisher habe die Kulturstiftung 161 Autoren aus Sachsen durch Stipendien gefördert, sagte Lindner. Doch mit dem ausdrücklichen Ja zu diesen Stipendien ging auch ein klarer Zweifel einher, ob die ausgereichten Literaturpreise für die Schriftsteller hilfreich seien. "Schwerpunktsetzung" lautete daher eine der Forderungen von Sibille Tröml, Geschäftsführerin des Sächsischen Literaturrates, mit Blick auf die Literaturpreislandschaft.

Lindner, der für die Kulturstiftung 154 000 Euro jährlich für Literaturprojekte zur Verfügung hat, machte auf die Grenzen der Hilfe seiner Einrichtung aufmerksam. So seien Bewerbungen zu Druckkostenzuschüssen zwar möglich, "aber Werbung mache ich dafür ausdrücklich nicht, sonst würde man uns die Türen einrennen". Auch Tröml sah bei den Druckkostenzuschüssen eher das Problem, "dass sich dann immer mehr Hobbyautoren bewerben". Bei der von der Kulturstiftung angebotenen Konzeptförderung, die sich laut Lindner immer noch in einem frühen Stadium befindet, habe es lediglich eine Bewerbung aus dem Bereich der Literatur gegeben - und der kam von der Buchmesse in Leipzig, die wegen ihrer kommerziell ausgerichteten Natur nicht habe gefördert werden können.

Leipzig war wiederum für Nießen eines der Pfunde, mit dem Sachsen seiner Meinung nach beim großen und weiten Thema Literatur wuchern muss. Der Freistaat habe so etwas "wie ein Ausbildungsmonopol für den Literaturbetrieb", sagte er. Damit meinte er nicht nur das von ihm geführte Institut, sondern unter anderem auch die Arbeit von Illustratoren, die häufig an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst ihr Handwerk erlernen. "Die Ausbildungsdichte in Leipzig ist ein Alleinstellungsmerkmal", betonte er.

Auch das Wort vom Literaturhaus in Dresden war wieder mehrfach zu hören. Nießen hatte im Oktober 2013 eine Studie vorgestellt, die im Auftrag der Kulturstiftung entstanden war und eine entsprechende Institution in der Landeshauptstadt befürwortete. Gestern wurde dieses Thema aber nur gestreift.

Der in Dresden lebende Autor Patrick Beck brachte noch eine andere Problematik ein. Das bisher von der Künstlersozialkasse veranschlagte Jahreseinkommen eines Publizisten wird mit 3900 Euro angesetzt. Beck forderte ein Absenken auf 1000 Euro und ein eventuelles Mitberücksichtigen von nichtkünstlerischen Einkünften bis zu 7000 Euro. Gerade bei diesem Diskussionspunkt bedarf es aber offenbar noch ausgereifter Expertenrunden.

Vieles von dem, was gestern im Landtag eine Rolle spielte, wird wohl während der Gespräche zum kommenden sächsischen Doppelhaushalt 2015/2016 erneut in den Fokus rücken. Lindner ließ wissen, dass die Kulturstiftung bereits 250 000 Euro mehr beantragt habe. Gleichzeitig wies er auf ein existierendes "Förderdickicht" hin und forderte, die Programme mehr auf ihre Wirksamkeit zu prüfen. Lindners Resümee: "Ohne unsere Förderung wäre die Literatur in Sachsen nicht da, wo sie heute steht." Andererseits waren Defizite erkennbar. So sei das Literaturforum Bibliothek Sachsens derzeit einziges großflächiges Literaturprojekt, mahnte Tröml.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.01.2014

Torsten Klaus

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