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11:32 05.12.2018
Helmut Raeder ist Direktor des Dresdner Schaubudensommers. Er legt sich voll ins Zeug und gerne auch mal mit anderen an oder einfach am Elbufer in eine Siedlung aus Papphäusern. Quelle: Amac Garbe / Stadtluft Dresden
Dresden

Die Kabarettistin Anna Mateur tiefergelegt, Kinn auf der Tischplatte, melancholischer Blick im Licht der Schreibtischlampe – das Titelbild der dritten Ausgabe von „Stadtluft“, entstanden in der Buchhandlung Büchers Best, ist ein Hingucker. Auch die anderen Fotos in dem einmal jährlich in 3000 Exemplaren erscheinenden 154-Seiten-Bookzine (oder Bookazine), einem Zwischending zwischen Buch und Zeitschrift, fesseln mit besonderen Perspektiven und markanten Momenten. Fotograf Amac Garbe hat ein Auge dafür.

Ungewöhnliche Blicke auf das vermeintlich so vertraute Dresden eröffnen uns Lesern auch die 19 Beiträge von Schriftstellern, Journalisten und Künstlern. Einige von ihnen haben sie jüngst zur Premiere im Dresdner Societaetstheater vorgestellt.

Mit dabei war der Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel. Im Heft erinnert der 1955 in Kropstädt bei Wittenberg Geborene sich an seine Berührungen mit Dresden und gesteht: „Mein Verhältnis zu dieser Stadt war immer ein arg verstörtes.“ Die Ruinen betrachtete der Siebenjährige seinerzeit als „anmutige Reste einer untergegangenen Welt“. Zuletzt vernahm der Skeptiker den anderen Dresdner Sound, den wiedererwachten Patriotismus, registriert jedoch auch den stillen Widerstand dagegen. In dieser Zerrissenheit kommt ihm die Stadt nun näher.

Olaf Kische beschreibt die Erfahrungen der 1987 in Dresden als Tochter eines evangelischen Vaters und einer katholischen Mutter geborenen Schauspielerin Cornelia Gröschel, der Neuen im Dresdner „Tatort“ des ARD-Fernsehens, die inzwischen in Karlsruhe lebt. Eine Art großes Dorf ist die Stadt für sie, dem sie viel verdankt: „Dieser einzigartige kulturelle Mix aus Theater, Tanz, Gesang, Traditionen.“

Stadtluft 3 Quelle: Amac Garbe

Die frühere DNN-Redakteurin Heidrun Hannusch erinnert sich an ihre Begegnungen mit Dresdnern, die in der Nazizeit als Juden verfolgt wurden. Von ihnen hört sie, wie es damals begann. Die Symptome registriert sie heute wieder. Gleichgültigkeit zum Beispiel, Hass gegen eine Menschengruppe, der der Einzelne zugeschlagen wird, verbale Verrohung bis zu Tötungsphantasien, die offen auf der Straße gegen Politiker ausgestoßen werden.

Der Dichter Volker Sielaff zeigt uns Hubertus Giebe, den Dresdner Maler beeindruckender Geschichtsbilder. Ein apokalyptischer Blick wird ihm nachgesagt. Doch im Garten bestaunt er einen Zitronenfalter. Im Atelier begegnet uns ein Künstler, der Ansprüche an Qualität und Ästhetik stellt, sich immer wieder auf eine reiche Tradition zurückbesinnt, ohne die es für ihn keine Kunst geben kann – womöglich eine Dresdner Eigenheit.

Peter Ufer, Moderator des Premierenabends, ließ sich in einem Gespräch von Wolfgang Engler, dem 1952 in Dresden geborenen Soziologen, erklären, wieso eine differenzierte Betrachtung der Dresdner wie der Ostdeutschen fehlt.

Etliche publizistische und poetische Perlen lassen sich entdecken. Köstlich etwa die Beschreibung eines Tages, den Cornelius Pollmer in „Acki’s Sportsbar“ verbringt, dem „ultimativen Durchlauferhitzer“ für Dynamo-Fans. Da ist Volkes Stimme im Originalsound zu lesen. Dresdens derzeitiger Stadtschreiber Kurt Drawert würdigt in einem Gespräch den immensen kulturellen Reichtum Dresdens, „der sich aus vielen Ein- und Zuflüssen speist“. Die Dichterin Undine Materni erinnert sich an den „Himmelsmaler“ Winfried Dierske. Er lässt Dinge so hervortreten, dass der Betrachter dahinte rsehen kann. Eben das ist auch der Anspruch, den „Stadtluft 3“ einlöst.

Stadtluft 3“, hrsg. von Peter Ufer, Amac Garbe, Thomas Walther. 154 S., 12,95 Euro

Von Tomas Gärtner

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