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Regional Am Festspielhaus Hellerau in Dresden gestaltet Dieter Jaenicke ein opulentes Abschieds-Halbjahr
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19:00 29.01.2018
Das Festspielhaus Hellerau in Dresden ist das Heim des Europäischen Zentrums der Künste Dresden. Quelle: dpa
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Dresden

Dieter Jaenicke als Quasi-Intendant des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau dreht in seinem letzten halben Jahr am Festspielhaus noch einmal auf. Das am Montag vorgestellte Programm bis Ende Juni wirkt wie eine Parade der Favoriten und Stammgäste. Voran beim Tanz, der in der Ära Jaenicke seit 2009 dominierte, wesentlich zur Reputation des Festspielhauses beitrug und dem er als künftiger Leiter der nrw-Tanzmesse auch treu bleiben wird. Die ehemalige Forsythe-Company, jetzt mit Jacopo Godani, darf Ende Februar nicht fehlen. Vier Wochen später bekommt DEREVO, das die Stadt nicht mehr fördern will, seinen möglicherweise letzten Auftritt in Hellerau mit seiner spezifisch russischen Ästhetik. Sein Abschiedssolo wird auch der 43-jährige Brite Akram Khan mit „Xenos“ am 5.April tanzen. Soli und Tanzduos bestimmen ab 3.Mai ein zehntägiges Festival „Me, Myself und I“.

Der Juni gerät dann in jeder Hinsicht zu einem „Grand Finale“, nicht nur bei Hofesh Shechter aus Israel und seinen Tänzern und Musikern. Als „persönlichen Herzenswunsch“ bezeichnete Jaenicke den Soloauftritt der Kanadierin Louise Lecavalier. Höhepunkt wird am letzten Juniwochenende der Auftritt der schon seit 55 Jahren bestehenden israelischen Batsheva Company sein, die sich von Peter Handkes legendärer Publikumsbeschimpfung inspirieren ließ. Beschimpft werden hier vom „besten Choreografen der Welt“ Ohad Naharin allerdings „die da oben“.

Hellerau-Intendant Dieter Jaenicke Quelle: ©Stephan Floß

Die Musik erhält zum Finale noch einmal einen höheren Stellenwert, als es in der Vergangenheit oft schien. Am kommenden Wochenende gibt es den fünften Contest Dresdner Bands beim „Bandstand“, zum Winterferienauftakt sind Kinder bei „KiWi meets Banda Internationale“ eingeladen. Tradition hat auch schon die Dresdner Chorwerkstatt mit dem Dresdner Kammerchor im April, bei der diesmal die Brüder Max und Hans-Christoph Rademann aufeinander treffen. Das Konzert von MDR-Chor und Orchester Ende April bietet Großwerke der Zeitgenossen Dobrinka Tabakova und Nico Muhly. Zwischen den Genres pendelt Mitte Mai das Festival „B-Europe“, das den europäischen Gedanken auffrischen möchte. Und mit Thorsten Lensing kommt am 9.Juni ein hier wohlbekannter Theatermann erneut nach Hellerau. Die geläufigen, teils an Wochentagen platzierten Reihen wie der „Dienstagssalon“ für neue Musik oder „Feature Ring“ werden dieses halbe Jahr fortgeführt. Kinder und Jugendliche haben Mitte Juni bei „Kids on Stage“ noch einmal Gelegenheit zu Präsentation.

Die große Bilanz der neun Jaenicke-Jahre steht noch aus. Einiges nahm er selbst vorweg. So die für die überwiegend städtischen Geldgeber wichtige Zahl von 43 000 Besuchern jährlich, das Vierfache der Ausgangsgröße von 2009. Spezielles Stammpublikum reise mittlerweile aus Prag oder Berlin an. Drittmittel flossen im vergangenen Jahr besonders reichlich, unter anderem für die Rekonstruktion des Appia-Raumes von 1912. Damit ist das Festspielhaus stolz auf einen ungewöhnlich hohen Eigendeckungsgrad von 48 Prozent beim künstlerischen Etat. Stolz ist dem Künstlerischen Leiter auch bei einzelnen Programmpunkten oder bei der Erinnerung an vergangene Auftritte anzumerken, wenn Superlative oder Attribute wie „wunderbar“ zu hören sind. Für besonders wichtig hält Jaenicke den Aufbau des Residenzprogramms für Künstler, das nach der ungewissen Sanierung des Ostflügels voll ausgebaut werden soll.

Zu seiner Nachfolgerin Caren Schlewitt will sich Dieter Jaenicke nicht äußern. Man werde aber alles korrekt übergeben, nicht etwa Adressdatenbanken löschen, wie er es bei seiner Amtsübernahme vorfand. Das Team der künstlerischen Leitung wird mit ihm aufhören, darunter Gesichter wie das der Musikverantwortlichen Barbara Damm oder von Carmen Mehnert vom Tanz, an die man sich gern gewöhnt hat.

Von Michael Bartsch

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