Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Alles, was Rang und Namen hat: Erstes Dresdner Bandstand-Musikfestival in Hellerau war ein voller Erfolg

Alles, was Rang und Namen hat: Erstes Dresdner Bandstand-Musikfestival in Hellerau war ein voller Erfolg

Im Festspielhaus Hellerau gab es das erste Dresdner Bandstand-Musikfestival - und wurde ein großer Erfolg. Wer auch immer in Hellerau der Meinung war, sicher bestimmen zu können, wer zu den angesagtesten Bands der Stadt gehört, sie oder er hat zumindest sorgfältig ausgewählt.

Voriger Artikel
Der Fluch des Trockenfutters: "Toutou" in der Dresdner Comödie
Nächster Artikel
Gefühle im galaktischen Glitzerraum: Mozarts "Hochzeit des Figaro" an den Landesbühnen Sachsen

Sandra Maria Huimann von der Dresdner Band Machine de Beauvoir beim Konzert der Band zum ersten Dresdner Bandstand Musikfestival.

Quelle: Tobias Strahl

Auf fünf Bühnen in vier Sälen tummelte sich, was in Dresdens Musikszene Rang und Namen hat. Sofia!, Krachgarten, Dÿse und Lestat Vermon, das Soloprojekt des Polarkreis 18-Gitarristen Philip Makolies sowie die Band Woods of Birnam um den Schauspieler Christian Friedel (Ende der Schonzeit), aber auch eher im kleinen Kreis bekannte Musiker wie die schnoddrig-brillante Lily T. Diver und die martialischen Machine de Beauvoir mit der Schauspielerin Sandra Maria Huimann als Sängerin, präsentierten eine musikalische Bandbreite, wie sie den wohl meisten Festivals dieser Art abgeht. Vom pheromonschwangeren Deutschrock-Schlager über Weltschmerz zelebrierenden Bombast-Pop bis zum intelligenten Lärm war alles dabei, was dem Ohr Freude macht. Dabei war alles "Made in Dresden" und das Meiste wurde auf einem Niveau dargeboten, dass sich unweigerlich die nächste Frage stellt: Warum sind die nicht längst reich und berühmt? Das besondere Ambiente des Festspielhauses indes trug seinen Teil dazu bei, die Attraktivität der Veranstaltung noch einmal zu steigern.

Das Naheliegendste wäre es wohl gewesen, sich wahlweise leicht beschwingt, andächtig versunken oder rockend und headbangend von Saal zu Saal treiben zu lassen, an einer der Bars Bier, Weißwein oder Mate-Tee zu schlürfen, um am Sonntagmorgen vollgesogen mit Musik und Eindrücken in den Schlaf zu sinken. Man konnte sich jedoch auch ein paar Fragen stellen. Etwa warum die meisten der Dresdner Bands ausschließlich englische Texte präsentierten. Die Niederpoyritzer Lestat Vermon haben es musikalisch und sprachlich zu solch einer Perfektion gebracht, dass es Nichteingeweihten schwerfiele, sie von ihren offensichtlichen musikalischen Vorbildern wie Calexico, Nick Cave oder Bonnie Prince Billy zu unterscheiden. Ebensolches gilt für Woods of Birnam oder Lily T. Diver. Wer bei letzterer während des Konzerts die Augen schloss, konnte hoffen, wenn er sie wieder öffnete, möglicherweise PJ Harvey zu erblicken.

Ebenfalls auffällig war die hohe Zahl an Zwei-Personen-Combos und Solisten. Sofia!, The Naked Hands, No King No Crown, Tobias Herzz Hallbauer, wiederum Lestat Vermon, Mara+David, selbst Schnaak & the Runduu Choir, die im Namen zumindest ein pluralistisches Engagement versprachen, waren lediglich zu zweit. Ob das am Erfolg der wilden Dÿse liegt, die in der Regel ebenfalls zu zweit auftreten, oder einfach daran, dass man auf dem derzeitigen Stand der Technik, den Synthesizern, Drum-Computern und Loop-Boxen, die reichlich im Einsatz waren, auf einen Großteil an Musikern schlicht und einfach verzichten kann und will, was wiederum die Organisation von Proben und Auftritten erleichtert, darüber kann nur spekuliert werden.

Apropos Technik: Großartig waren die zum Teil aufwendigen Projektionen etwa bei Tobias Herzz Hallbauer und Machine de Beauvoir, die in den hohen Räumen des Festspielhauses brachiale Wirkung entfalteten. Deren Auftritte waren eher nahe an der Theater-Performance, was sich nicht zuletzt dem Engagement der Schauspielerin Sandra Maria Huimann verdankt. Überhaupt bestand mit dem nachdenklich-abgründigen Programm auf der Seitenbühne Ost, das erkennbar die Dresdner Independent-Szene präsentierte, ein gelungener Kontrast zum eher sorglosen, nichtsdestoweniger guten Programm des Westflügels im Nancy-Spero-Saal.

Etwa 800 Besucher fanden den Weg nach Hellerau. Das Team des Hauses war vom Erfolg der Veranstaltung derart begeistert, dass es im nächsten Jahr eine Neuauflage des Dresdner Bandstand geben wird. Als am Sonntagmorgen gegen ein Uhr Dÿse begannen, den großen Saal des Hauses mit ihrem brillanten Jazz-Punk-Hardcore-Geballer zu zerlegen, tobte alles vom durstigen Teenie bis zum begeisterten Mittfünfziger.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.10.2013

Tobias Strahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr