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Alexa Feser verzückt mit Balladen im Alten Schlachthof Dresden

„Ewig Suchende und Findende“ Alexa Feser verzückt mit Balladen im Alten Schlachthof Dresden

Die Wahlberlinerin Alexa Feser teilte am Montagabend im Alten Schlachthof in Dresden ihre Musik und auch so einige Lebenserinnerungen mit dem Publikum. Die einen hohen Frauenanteil aufweisende Fangemeinde wurde mit einer gefälligen und alles in allem überzeugenden Mischung aus sensiblen pianodominierten Balladen verzückt.

Alexa Feser bei ihrem Auftritt in Leipzig am 21. Januar.

Quelle: Kempner

Dresden. Deutschsprachige Musik aus Deutschland kann in vielerlei Gestalt daherkommen. Auch die aus Wiesbaden stammende Wahl-Berlinerin Alexa Feser mischt da seit einiger Zeit kräftig mit. Die Sängerin beglückte die im Alten Schlachthof versammelte, einen hohen Frauenanteil aufweisende Fangemeinde mit einer gefälligen und alles in allem überzeugenden Mischung aus sensiblen pianodominierten Balladen („Herz aus zweiter Hand“), charttauglichem Elektronik-Pop („Medizin“, „Alles was zählt“) und hymnenhaften Mitsingnummern („Mensch unter Menschen“). Wobei sie sich Verstärkung in Gestalt der „Berlin Strings“ mit auf die Bühne geholt hatte, ein vierköpfiges, aus jungen Frauen bestehendes Streichquartett. Geballte Frauenpower also, nur bei einigen Songs durfte noch ein Mann auf eine Trommel eindreschen. Die Songs haben ein völlig neues Gewand, was der Sache einen ganz eigenen Reiz verleiht. Anders als in den ursprünglichen Arrangements, bei denen beispielsweise bei „Leben“ kräftige Beats die musikalische Vitalität verdeutlichen, wird nun mittels einschlägiger Streichinstrumente eine ungleich subtilere Spannung erzeugt.

Ob alte oder neue Songs – Feser holt sich die Inspiration nicht zuletzt, in dem sie schlicht und einfach beobachtet und dafür schon mal an ungewöhnliche Orte zieht, wobei es im Fall des neuen Albums „Zwischen den Sekunden“ der belebte Berliner Alexanderplatz war. Hier entstand etwa die Idee zum Song „Linie 7“, in dem sie von den Schicksalen von Menschen singt, die ihr beim Warten auf die Bahn begegnet sind und ihr einfach ihre Geschichte erzählten.

Feser ist ihrem Stil treu geblieben. Die gewohnt melodischen Pianoeinheiten ziehen sich durch die Songs, wie ihre tiefgründigen Texte, die über Schicksale, Liebe und das Leben im Allgemeinen philosophieren und bei denen sich zeigt, dass die Künstlerin vortrefflich auf der Klaviatur der großen wie kleinen Gefühle zu spielen vermag. Die Fangemeinde lauscht hingerissen, zumindest einige Kritiker monieren allerdings, das sei nicht verschwiegen, dass da das Raue, das Kaputte fehlen würde, dass man von jemandem erwarten würde, der Zeilen singt wie: „... Narben, die beweisen, dass sich Kämpfen manchmal lohnt.“ Alexa Fesers Songs sind aber nun mal eher eine angstfreie Zone. Sie vergießt Melancholie auf der Suche nach Schönheit. Man dem Beschwören großer Gefühle hat sie kein Problem. Das Lied „Nach Norden“ sei „ein Sinnbild für Sehnsucht“ versichert Feser, der Song „Leben“ verhehlt die Widrigkeiten des Lebens nicht, verleiht aber auch der Hoffnung Ausdruck. „Wir müssen glauben, dass die Richtung stimmt und dieser Weg ein gutes Ende nimmt, dass uns vielleicht nicht immer alles gleich, aber am Ende der große Wurf gelingt.“

Eingestreut sind nicht zu knapp „Erzählpassagen“, wobei so manche Aussage nicht mehr als eine „Binse“(nweisheit), ist, etwa „Wir leben im komplexen Zeiten“ oder „Wir müssen uns die Kindlichkeit“ bewahren. Bei einer Gelegenheit erzählt Feser, die überhaupt so einige Lebenserinnerungen zum Besten gab, dass sie mal Flugbegleiterin bei einer kleinen Fluglinie war – und kann sich dann, was die Passagiere angeht, die Bemerkung „Ein paar Ganoven, ein paar Politiker. Nimmt sich ja nichts!“ nicht verkneifen. Es gab, man hätte es sich denken können, nicht zu knapp Beifall für diese populistische Sentenz. Hätte die Künstlerin eigentlich nicht nötig. Mehr Sympathiepunkte gewinnt Alexa Feser, die gern die Nähe zum Publikum sucht und zwei drei Mal auch die Bühne verlässt, um die Stuhlreihen abzuschreiten, dadurch, dass sie sich als „ewig Suchende und Findende“ sieht. Wobei sie erklärtermaßen das Suchen mehr liebt als das Finden.

Von Christian Ruf

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