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Regional Album „Morgenland“ als Zeichen gegen die „Verteidiger des Abendlandes“
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18:55 02.02.2018
Rico Schwibs alias M. Stolz (links) im DNN-Interview und hier zusammen mit seinen Bandkollegen von „Letzte Instanz“ Quelle: Andraj Sonnenkalb

Mit dem 2016er Album „Liebe im Krieg“ hat die Band Letzte Instanz aus Dresden gezeigt, dass sich ehrliche und harte Arbeit im Musikgeschäft auszahlt. Bis auf Platz vier der Deutschen Albumcharts kletterte die Platte der einst dem Goth Rock zugeschriebenen Band. Nach etlichen Besetzungs- und Stilwechseln scheint sich die Gruppe nun richtig gefunden zu haben. Mit geballter Streicherpower und unterfüttert von klassischem Rock soll das neue Album „Morgenland“ (Release am 16. Februar) nun auch durchstarten. Geiger und Gründungsmitglied Rico Schwibs alias M. Stolz spricht im DNN-Interview mit Sebastian Burkhardt über den politischen Teint der neuen Platte, die Ziele für die Zukunft und eine Rückkehr nach Dresden.

Frage: Du bist das einzig verbliebene Gründungsmitglied von Letzte Instanz und auch in Dresden geboren. Die übrigen Bandmitglieder stammen mittlerweile aus Berlin, Würzburg und Nürnberg. Fühlt ihr euch noch als Dresdner Band?

M. Stolz: Ja, auf jeden Fall. Hier ist nicht nur unsere „Basis“ samt Technik-, Merchandise- und Managementcrew, wir haben auch unseren Proberaum in der Stadt und treffen uns hier mehrere Male im Jahr.

Warum spielt ihr dann auf eurer aktuellen Release-Tour zum neuen Album „Morgenland“ kein Konzert hier in der Stadt?

Eigentlich wollten wir das noch eine Weile unter Verschluss halten, aber wir feiern im Oktober unser 20-jähriges Bestehen mit einem großen Konzert im Alten Schlachthof. Deshalb lassen wir Dresden auf der Morgenland-Tour aus und spielen dafür in Leipzig. Beide Städte in einer Tour zu bespielen, hat sich in den vergangenen Jahren als nicht besonders clever herausgestellt, da viele Fans aus der einen Stadt jeweils in die andere fahren, um uns zu sehen. Offiziell bekanntgeben werden wir unser Dresden-Konzert im März.

Euer Stil hat sich über die vergangenen Jahre immer wieder verändert. Mal ist es rockiger, mal ruhiger, mal überwiegen die Streicher. Wo würdest du euch aktuell musikalisch verorten?

Das stimmt, unsere Musik hat sich sehr oft verändert. Wir sehen unser letztes Album „Liebe im Krieg“ aber stilbildend und wollen es als Grundlage für künftige Projekte nehmen. Wir sind alles in allem wieder etwas rockiger geworden, das kommt bei den Fans gut an.

In den neuen Songs „Children“ und „Mein Land“ werdet ihr erstmals richtig politisch, positioniert euch deutlich gegen Krieg und Ausgrenzung und macht euch auch für Kinder in Not stark. War die Zeit dafür reif?

Ja. Wir wollen aber keine politische Band werden wie etwa Kettcar oder Feine Sahne Fischfilet. Doch wir sind alle sehr politisch interessiert. Als Band wollen wir über Dinge singen, die uns bewegen und beschäftigen. Und in Zeiten wie diesen drängen sich gewisse Themen einfach auf, vor allem mit Blick auf den Syrienkrieg, die Flüchtlingswellen und die vielen leidenden Kinder. Für „Children“ haben wir einen Song der israelischen Metal-Band Orphaned Land gecovert. Unser Sänger Holly hatte den englisch-arabischen Titel erstmals als Audiospur auf einem Youtube-Video über das Schicksal der Kinder Aleppos gehört und war sehr gerührt. Weil er selbst Vater ist, wollte er unbedingt ein Zeichen setzen und organisiert in Verbindung mit dem Coversong eine Spendenaktion für ein Caritas-Schulprojekt im Nordirak.

Deshalb auch die Symbolik der im Sandkasten spielenden Kinder im Video zu „Mein Land“?

Das ist ein Appell an alle, die gemeinsam in Frieden leben wollen und ein klares Bekenntnis gegen Menschenfeinde und Gesellschaftsspalter. Die Zuwächse für rechtspopulistische Parteien und autoritär denkende Politiker muss man leider überall auf europäischer und sogar auf globaler Ebene beobachten. Aber natürlich war es uns ebenfalls ein Bedürfnis, ein deutliches Statement gegen den Erfolg der AfD in Sachsen abzugeben.

Also darf man den Albumtitel „Morgenland“ auch als klare Botschaft deuten?

(grinst) Auf jeden Fall. Die Idee ist mir gekommen, als ich eine erstaunliche Aufnahme des dpa-Fotografen Sebastian Kahnert von einem Sonnenaufgang hinter der Altstadtkulisse samt Yenidze gesehen habe. Da ist mir klar geworden, dass das „Morgenland“ schon immer seine kulturellen Einflüsse in Dresden hinterlassen hat. Deshalb ist unser Album „Morgenland“ auch ein Zeichen gegen die „Verteidiger des Abendlandes“ hier in der Stadt.

Wer ist bei euch für diesen kreativen Prozess zuständig?

Das sind wir alle gemeinsam. Alben und Ideen entstehen zusammen. Holly schreibt unsere Texte und komponiert. Ansonsten wird alles demokratisch abgestimmt. Meistens geschieht das leider per E-Mail, weil wir alle recht weit auseinander wohnen.

Was erwartet die Fans auf den Konzerten der Morgenland-Tour?

Es sollen wieder diese schweißtreibenden Abende wie früher werden. In der Vergangenheit waren unsere Auftritte zu gesetzt und gediegen, das wollen wir auf jeden Fall wieder ändern und versprechen Vollgas.

„Liebe im Krieg“ ist bis auf Rang vier der Deutschen Albumcharts geschossen, euer erster großer kommerzieller Erfolg. Wie wichtig sind euch Chartplatzierungen und wo soll es mit „Morgenland“ hingehen?

Persönlich ist uns das nicht wichtig. Aber im Bezug auf Medien und Konzertveranstalter spielt das schon eine große Rolle. Letztendlich gehört auch immer etwas Glück dazu, steuern kann man so etwas nicht. „Liebe im Krieg“ wird sicherlich schwer zu toppen sein, da haben viele Dinge gut zusammengepasst. Aber „Morgenland“ ist aus unserer Sicht ein richtig geiles Album geworden. Unser großes Ziel ist es nach wie vor, ganz nach oben zu kommen. Aber wir werden unsere Musik auf gar keinen Fall anpassen, „massenkompatibler“ machen oder uns verbiegen. Wir werden unsere Botschaften und unsere Musik weiterhin glaubhaft transportieren.

Letzte Instanz: „Morgenland“ (Afm Records/Soulfood), Erscheinungstag 16. Februar

Von Sebastian Burkhardt

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