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Al Jarreau, Joe Sample und die NDR Bigband gastierten in Dresden

Al Jarreau, Joe Sample und die NDR Bigband gastierten in Dresden

Drei große Namen sorgten für einen Ausverkauf in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen, die mit diesem Sonderkonzert zur klingenden Manufaktur mutierte: Al Jarreau, Joe Sample sowie die NDR Bigband gaben sich kurzfristig die Ehre und sorgten für einen Abend der Extraklasse.

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Bei Al Jarreau saß zum Auftritt in der Gläsernen Manufaktur jeder Ton.

Quelle: Dietrich Flechtner

Wieso der sich nicht in größeren Hallen mit besserer Akustik verkaufen ließ, bleibt ein Geheimnis von Veranstalter Karsten Jahnke, der seine etablierte Reihe "Jazz Nights" erstmals so weit in den Osten Deutschlands führte.

Auf der Habenseite wurde daraus - für all jene, die das Glück hatten, eine der nicht eben billigen Karten zu ergattern - eine ganz gewiss unvergessliche Begegnung mit Altmeistern des amerikanischen Jazz im modernistischen Ambiente automobiler Handwerkskunst. Der enge Zusammenhang mit dem fingerfertigen Können sowohl der Gastgeber als auch der aufspielenden Gäste wurde hinlänglich betont, in diesem Fall völlig zu Recht.

Jahnkes Europa-Tour mit dieser herausragenden Bigband und den beiden jeweils im achten Lebensjahrzehnt stehenden Jazz-Größen hat in Dresden ein dankbares Publikum gefunden. Dabei war das Konzert alles andere als ein durchgängiges Feuerwerk, in dem die Künstler nur abfackelten, wofür man sie ohnehin liebt. Nein, Joe Sample erwies sich im ersten Set als durchaus tiefgründig und stellte Ausschnitte seines Projekts "Children of the Sun" vor, referierte zwischen den Titeln über die Schönheit blauer Himmel, aus denen die Schrecken von Tornados und Hurrikanen aufbrausen können und unter denen alle Menschen doch irgendwie gleich seien.

Auch die vielen Sklaven in Amerika und deren Nachkommen bis heute. Ihnen hat die Welt schließlich den Jazz zu verdanken, dessen erstes Keimen keineswegs Konzertambition hatte, sondern Widerschrei war. Funkelnde Rufe nach Freiheit stießen exemplarisch zwei Trompeter der erstklassigen Bigband hervor, perlende Läufe schob Sample am Piano dazu - er habe seine Ideen allesamt vom Komponistenbaum gepflückt, meinte er. Zu schade, dass sein exzellentes Klavierspiel allzuoft von strahlenden Sound des 18 Mann starken Orchesters zugedeckt blieb. Mit stoischer Weisheit nahm der Meister es hin.

Ein sichtlich vom Alter etwas mehr gezeichneter Al Jarreau mischte dann aber den Ernst dieses Einstiegs ganz kräftig auf. Als Stimmwunder hat er ein Leben lang brilliert, noch immer sitzt bei ihm jeder Ton, stimmt jede Silbe, passt jede Nuance. Ob er die Gunst der Stunde für Ausflüge in griechische Mythen - oder deren luxuriös rollende Nachgeburt - nutzt, ob er mit seinem Freund Joe Sample an den Tasten parliert oder ob er das Publikum schlicht als Witzbold mit launigen Versionen von Gershwins "Porgy and Bess" betört - er überzeugt und weiß, dass er in jedem Fall ankommt.

Da kann er den Namen Phaeton noch so zerdehnen, kann aus Paul Desmonds Klassiker "Take Five" mancherlei "Fünf" deutschen, kann extemporieren, mit Samba und Blues experimentieren - Al Jarreau bleibt Al Jarreau. Fast hat es den Eindruck, als würde sein Kollege am Flügel ein wenig ins Hintertreffen geraten. Doch das begeisterte Publikum lässt nicht locker, erklatscht sich noch eine Zugabe und hat ganz zum Schluss ein bezauberndes Quartett ganz für sich. Das kommt nicht wieder.

Letztes Konzert der Tour: 20. November, Berlin, Philharmonie

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.11.2012

Aldo Lindhorst

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