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Akropolis statt Beatpol Dresden

Sivert Høyem mit Live-CD und -DVD Akropolis statt Beatpol Dresden

Seit den späten 1990er Jahren ist der Norweger Sivert Høyem Stammgast in Dresden, dort vor allem im Star Club, später Beatpol. Die Konzerte seiner Band Madrugada und auch die späteren Soloauftritte waren und sind regelmäßig ausverkauft. Jetzt erscheint der CD- und DVD-Mitschnitt zweier Konzerte.

Sivert Høyem

Quelle: PR (Renee Revah)

Dresden. Wenn ein Musiker sich dazu entschließt, ein Live-Album samt beigelegter DVD herauszubringen, sollten die Aufnahmen an einem Ort geschehen, der ihm am Herzen liegt. Und der etwas hermacht. Sivert Høyem hätte also auch in den Beatpol nach Dresden gehen können. Da gibt es gar nichts zu lachen!

Das schwer historische Herod Atticus Odeon auf der Athener Akropolis ist freilich repräsentativer. 5000 passen dort hinein, die Luft ist offen, das Wetter bestens. Diesbezüglich kann Altbriesnitz in keinem einzigen Punkt mithalten. Und trotzdem: Der Norweger Høyem hat hier immer Heimspiele. Das lag zunächst an der Urkraft von und der Faszination für die Band, in der er seit den Neunzigern als Frontmann sang: Madrugada. Sie waren die nahezu perfekte Verschmelzung von reißfestem Rock’n’Roll, Pop-Geschmeidigkeit und Düsternis, die ein größeres Publikum erleuchten konnte. Nach dem Tod des Madrugada-Gitarristen Robert Burås und mehreren ausverkauften Star-Club/Beatpol-Konzerten löste sich die Band 2008 auf.

Trotzdem kam Sivert Høyem weiter hier her, weil er weiter Musik macht. Soloalben lang blieben die Fans ihm treu. Kein Wunder also, dass er noch in der ersten Phase mit einer neuen temporären Band mit Rob Ellis (PJ Harvey), Simone Butler (Primal Scream) und Rob McVey (Marianne Faithfull Band) hier spielte. Mit Paradise war das, im April dieses Jahres. 400 Menschen waren dabei.

Natürlich: Diese Stimme! Anfang 40 ist Høyem erst, mit Ende 20 klang er aber schon genauso. Volumen – voll. Roh und rau – exzessiv. Charme – offensiv. Hinzu kommt die leidenschaftliche Begabung für genresprengende Lieder, die hier zart und melancholisch sind, dort robust und kühl, hier klein und schillernd, dort episch und ausladend, hier den Solosänger feiernd, dort den fulminanten Vollbandsound. Dazu gaben sich weder Madrugada noch Sivert Høyem jemals abgehoben, elitär oder ausgrenzend. Wenn eben auch der Manager für einen Abend noch mal die alten Jeans anziehen wollte, dann bitte!

Sivert Høyems griechische Fan-Fraktion war nun Ende September/Anfang Oktober 2016 im historischen Amphitheater versammelt. Griechenland zählt zur engeren Høyem-Auswahl in Sachen zweite Heimat. Da wird besonders geklotzt. Viermann-Band, Backgroundgesang von Marie Munroe, ein Streichquartett. Dazu 16 Songs in 100 Minuten als Querschnitt mit vier Madrugada-Liedern, darunter sein persönliches Herzensstück „What’s On Your Mind“.

Das sieht natürlich auch aus! Sivert Høyem und die Band brauchen keine eingeübten Verrenkungen und übertriebenen Showelemente, auf der Bühne wirkt alles nüchtern, das Umfeld bringt die Punkte. Und die Musik. Selbst für den nächsten Beatpol-Termin, der unter allen Umständen kommen wird, ist die Edition als Doppel-CD oder-Vinyl mit DVD eine nahezu unverzichtbare Brücke.

Sivert Høyem, „Live At Acropolis – Herod Atticus Odeon, Athens” (Hektor Grammofon/Rough Trade)

Von Andreas Körner

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