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Affäre mit Tiefgang: "My Lady's Affair" hat Premiere an der Dresdner Musikhochschule

Affäre mit Tiefgang: "My Lady's Affair" hat Premiere an der Dresdner Musikhochschule

Die Ansage ist deutlich: "Macht es einfach ganz groß und ganz übertrieben", rät Prof. Elisabeth Holmer ihren Studenten auf der Probebühne der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber (HfM).

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Professor Elisabeth Holmer bei Probenarbeiten mit ihren Studenten für "My Lady's Affair".

Quelle: Nicole Czerwinka

Die Dozentin für szenisches Sprechen übt hier mit den jungen Sängern das Stück "My Lady's Affair" - eine Adaption von Frederik Loewes Musical "My Fair Lady", für die Holmer das Buch schrieb und in der sie nun Regie führt. Im Gespräch mit Nicole Czerwinka erzählt die Professorin, was es damit auf sich hat.

Frage: Im Gegensatz zu den großen Bühnenproduktionen der HfM am Kleinen Haus ist "My Lady's Affair" keine Oper und auch keine Operette, sondern ein Schauspiel. Wie kommt das?

Elisabeth Holmer: Die Produktion ist Teil der Sprech- und Schauspielausbildung an der Hochschule. Es ist wichtig, dass alle Sänger im Laufe des Studiums mindestens einmal auf der Bühne stehen, ohne zu singen. Dann müssen sie sich nicht auf die Stimme konzentrieren, sondern können im Spiel freier agieren. Dieser Lerneffekt ist deshalb bedeutsam, weil die Theater heute nicht mehr nur Sänger, sondern Darsteller suchen. Die Hochschule reagiert darauf, indem sie die szenische Sprechausbildung fest im Curriculum des Gesangsstudiums verankert hat. Daher wird es nun jedes Jahr eine solche Produktion geben.

Frage: Warum dient dieses Mal gerade "My Fair Lady" als Vorlage?

Elisabeth Holmer: Wir haben diese szenischen Aufführungen in den vergangenen Jahren immer an die Opernproduktion der Hochschule im Kleinen Haus angelehnt. Vor zwei Jahren haben wir die "Figaro-Romanzen" zu Mozarts "Hochzeit des Figaro" gespielt, 2013 war es "Flying Falstaff" zu Verdis "Falstaff". Dieses Mal ist es aber etwas Unabhängiges. Ich habe die Eliza mehrfach selbst an verschiedenen Bühnen gesungen und finde, das Stück, das ja auf George Bernhard Shaws "Pygmalion" beruht, eignet sich ganz wunderbar, um es in heutiger Form auf witzige und ironische Weise weiterzuerzählen.

Frage: Wie wurde aus "My Fair Lady" dabei am Ende "My Lady's Affair"?

Elisabeth Holmer: Kaum jemand kennt die Hintergrundgeschichte zu Shaws "Pygmalion" - ich selbst wusste lange Zeit auch nichts davon, obwohl ich es schon so oft gesungen hatte. Es ist nämlich so, dass Shaw sich mit 56 Jahren in eine Londoner Schauspielerin verliebte. Sie war 49 Jahre alt und geschieden, er jedoch verheiratet. Er hat das Stück "Pygmalion" eigentlich für sie geschrieben, sie spielte später auch die Eliza - mit großem Erfolg. Die beiden haben sich schon Briefe geschrieben, bevor ihre Affäre begonnen hatte. Sie schrieben sich letztlich bis zum Tod. Eine Freundin hat schließlich eine Hutschachtel mit all diesen Briefen unter dem Bett der verstorbenen Schauspielerin gefunden, die Briefe wurden wiederum zur Vorlage von Jerome Kiltys Stück "Geliebter Lügner".

Frage: Sie haben also diese Vorgeschichte in das Schauspiel einfließen lassen. Was haben Sie noch verändert?

Elisabeth Holmer: Ich habe den "Pygmalion"-Teil komplett umgeschrieben und die Geschichte auf den heutigen Hochschulalltag bezogen. So entsteht eine gewollte ironische Seite. Ich habe den realen Briefwechsel dann dem fiktiven Stück "Pygmalion" gegenübergestellt. Es geht auch darum zu zeigen, dass das Schauspiel aus dem Leben entstanden ist. Ausgangspunkt ist der Gedanke: Was ist, wenn eine höhere Macht die Menschen lenkt, wie Romanautoren ihre Figuren lenken? Dabei verweben sich in dem Stück die reale und fiktive Ebene immer mehr miteinander, bis sie kaum noch zu unterscheiden sind. Higgins, als Kunstfigur, lernt hier aus dem realen Briefwechsel. Aber es ist dennoch ein offenes Ende, wie bei "My Fair Lady" auch.

Frage: Das Schauspiel ist mit elf Rollen verhältnismäßig groß besetzt. Warum wollten Sie es auf der Probebühne der HfM inszenieren?

Elisabeth Holmer: Ich liebe die intime Atmosphäre der Probebühne. Außerdem wollten wir mit wenigen Mitteln viel erreichen - und hier braucht es kein großes Bühnenbild. Wir haben eigentlich nur Regenschirme, Plastikblumen und Taschentücher als Requisiten. Für die Zuschauer stehen 50 Papphocker im Raum verteilt. Durch die große Nähe zum Publikum haben die Darsteller zudem keine Sicherheiten. Alles passiert unmittelbar, sie sollen sich ja trauen, aus sich herauszugehen und sich nicht hinter einem künstlichen Abstand zum Publikum verstecken.

Premiere 10.3., 19.30 Uhr auf der Probebühne der HfM, Wettiner Platz 13

weitere Vorstellungen am 15.3., 19.30 Uhr, 16.3., 16 Uhr in der HfM und 17.3., 18 Uhr im Landesgymnasium - Eintritt frei, um Anmeldung wird gebeten: Tel. 0351/4923696

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.03.2014

Nicole Czerwinka

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