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Adel Tawil am Sonnabend in der Jungen Garde Dresden

„So schön anders“ Adel Tawil am Sonnabend in der Jungen Garde Dresden

Nach einem öffentlichen Rosenkrieg und einer abgesagten Tournee wegen einer schweren Halswirbelverletzung kehrt Adel Tawil in diesem Jahr mit seiner neuen Platte „So schön anders“ zurück auf die Bühne. Im Interview erzählt er von seinem neuen Album, Boybands und Solarium-Dauerkarten.

Adel

Quelle: Pr

Dresden. Nach einem öffentlichen Rosenkrieg und einer abgesagten Tournee wegen einer schweren Halswirbelverletzung kehrt Adel Tawil in diesem Jahr mit seiner neuen Platte „So schön anders“ zurück auf die Bühne – Ende des Monats macht er Halt in Dresden. Im Interview erzählt der Berliner Musiker von seinem neuen Album, von Boybands und Solarium-Dauerkarten und wie er den Spaß an der Musik verloren und schließlich neu entdeckt hat.

Frage: Ihr neues Album heißt „So schön anders“. Was ist denn so schön anders geworden?

Für mich persönlich ist es so schön anders geworden: Es klingt anders, fühlt sich anders an, es war auch ein komplett anderes Arbeiten. Das wird sich auch in der Tournee zeigen, angefangen vom Bühnenbild bis hin zur Umsetzung der Lieder. Es wird etwas naturverbundener sein. Alles in allem wird es etwas leiser und reduzierter. Wir werden ein paar Lieder von Ich + Ich spielen, aber auch ein paar Rohdiamanten, sogenannte B-Seiten.

Das letzte Album „Lieder“ liegt schon vier Jahre zurück. Ist die Messlatte nach so vielen Jahren hoch?

Nach dem Erfolg mit Ich + Ich, zusammen mit Annette Humpe, war der Druck unfassbar. Dadurch, dass wir eine Art Historie geschaffen haben und dabei unerwartet erfolgreich waren. Danach ein Album alleine ohne Annette aufzunehmen, war eine große Aufgabe. Ich habe das sehr ernst genommen. Ich war sehr radikal und diktatorisch, habe kaum andere Meinungen zugelassen. Als mein erstes Album „Lieder“ dann so erfolgreich wurde, dachte ich, ich wäre endlich angekommen...

Dann hat Ihr Leben ja privat andere Wege genommen. Die Trennung von der Ehefrau, ein beinahe tödlicher Unfall...

Das ist leider kein Geheimnis mehr. Das war für mich sehr schizophrene Situation. Auf der einen Seite war ich erfolgreich, habe mein Etappenziel – ein eigenes Album zu produzieren – erreicht. Der letzte Rest an Zweifel, dass ich nicht gut genug bin, war weg. Ich war super glücklich – und dann kracht das Privatleben ein.

Manche Künstler spornt es ja erst richtig an, wenn einen das Leben piesackt.

Die Erfahrung habe ich nicht wirklich gemacht. Es gibt ja diesen Mythos, dass die besten Ideen kommen, wenn man ganz am Boden ist. Dazu kann ich sagen: Zu der Zeit, in der ich alleine war, war ich ein ganz normaler junger Mann, der seine Frau verloren hat. Da habe ich nicht im entferntesten daran gedacht, ein Lied zu schreiben. Ich brauchte sehr viel Zeit, um wieder Spaß an der Musik zu finden.

Wie haben Sie ihn gefunden?

Ich habe Deutschland verlassen, bin zu einem Freund nach Hawaii geflogen. Dort habe ich das erste Mal Ruhe gehabt, dort konnte ich in einer paradiesischen Umgebung Musik machen und Stücke für das neue Album „So schön anders“ schreiben.

Kommen wir zum Thema Popmusik: Sie waren in den 90er Jahren Teil der Boyband The Boyz. Erinnern Sie sich gerne an diese Zeit?

(Lacht) Ja natürlich, ich rede darüber heute noch gerne.

War das eine harte Schule?

Ja, das kann man wie eine Ausbildung sehen, wie bei einem Kfz-Mechaniker. Die Lehre ist natürlich extrem anstrengend, man verdient sehr wenig Geld, man muss allen Mist machen und hat keinen eigenen Willen. Das ist jetzt sehr hart gesagt, aber die Zeit bei The Boyz waren dennoch meine Lehrjahre. Eine Freundin zu haben, war tabu. Das musste ich heimlich machen.

Es war wirklich so klischeehaft?

Ja, so war es. Jeder der etwas anderes erzählt, der lügt. Man hat einen Coach, einen Tanztrainer und Gesangslehrer. Wir hatten sogar eine Dauerkarte fürs Solarium. Ich könnte die heute verklagen, ich war ja noch minderjährig (lacht). Mindestens einmal in der Woche mussten wir auf die Sonnenbank. Das war das volle Programm und hat mir einen verklärten Blick auf die Musik gegeben. Aber ich habe in der Zeit meine ersten eigenen Songs geschrieben, unter anderem unseren großen Hit „One Minute“. Ich habe nach vier Jahren meinen Vertrag gekündigt. Mit dem Geld, was ich an dem selbst geschriebenen Song verdient habe, habe ich mir ein Tonstudio gekauft und als Produzent gearbeitet. Eines Tages kam dann Annette Humpe in mein Studio. Ich habe gesehen, wie sie arbeitet und schließlich die ganzen Großen kennengelernt. Da stand ich auf einmal vor Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer und habe gemerkt: Dieser Pop-Zirkus aus den 90er Jahren – so funktioniert das Musikbusiness nicht.

Wird es mit Annette Humpe ein Revival geben?

Ich weiß es nicht. Ich sage ja niemals nie. Das Problem war ja, dass es nicht unanstrengend war. Bei Ich + Ich war der Kompromiss das Konzept. Uns beiden musste es gefallen, wir haben von manchen Liedern 20 bis 30 Versionen gemacht, bis wir uns einig waren. Mit Annette war es schon sehr außergewöhnlich – weil sie eben auch so schön anders war. Viel älter als ich, aus einem ganz anderen Musik-Hintergrund. Dass das gepasst hat, war ein Glücksfall im Universum.

Am 29. Juli kommen Sie nach Dresden. Das letzte Mal spielten Sie 2015 am Neumarkt bei der Veranstaltung von „Dresden Place to be“. Hatten Sie den Eindruck, dass Dresden ein „Place to be“ ist?

Ja auf jeden Fall, ich bin ein riesen Fan von Dresden. Ab und zu bin ich privat hier und mache mir ein paar schöne Tage. Ich musste leider eine unangenehme Erfahrung machen. Es war Montag und ein Hotelmitarbeiter sagte zu mir: „Es wäre wahrscheinlich keine gute Idee alleine mit ihrem Hund durch die Innenstadt zu gehen. Es ist ja Montag, Pegida ist unterwegs – da sind ja leider immer ein paar Chaoten dabei. Da kann es zu Zwischenfällen kommen.“ Er hat es sicher nur nett gemeint, aber das fand ich schon ein hartes Stück. Das zu hören, hat mir schon ein bisschen weh getan. Das steht übrigens überhaupt nicht für meine Erfahrung mit Dresden und Sachsen.

Angenommen, ich könnte Ihnen jetzt den absoluten Traum erfüllen und Ihren Wunschkünstler mit auf die Bühne stellen. Wen würden Sie wählen?

Elif. Die ist gerade für mich die Nummer eins. Aber mir fallen natürlich auch einige Künstler ein, mit denen ich gerne auf der Bühne stehen würde – die meisten meiner Idole sind allerdings schon tot. Ich habe mir bereits einen Kindheitstraum erfüllt: Mit Youssou N’Dour habe ich einen Song aufgenommen.

Interview: Juliane Weigt

Tickets für das Konzert am sonnabend gibt es für 40 Euro an allen bekannten VVK

Album zum Konzert: Adel Tawil, „So schön anders“, Island Records, 2017

Von Juliane Weigt

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