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Regional A Forest und Anna Aaron gastieren in Dresden
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17:38 09.09.2015
A Forest stellen im Thalia ihr Album "Grace" vor. Quelle: PR
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Letztere mögen am besten für das stehen, was Analogsoul ausmacht: Offenheit, Klarheit, gediegenes Anti-Schwurbeln, Klang-Raum-Konzept. Pop der Feinheiten eben. Jetzt ist "Grace" erschienen, die erste "richtige" CD des Trios.

A Forest sind neben Fabian Schütze (Gesang, Synthesizer) noch Arpen (Keyboards, Gesang) und Friedemann Pruß (Drums, Percussions). Auch Schützes Kollegen sind in anderen Künstlerkollektiven zu finden, Arpen mit den Volunteers oder als Mud Mahaka, Pruß mit Laing. Mit A Forest aber scheint es, als vertonen die drei so etwas wie Heimat. "Grace" ist angefüllt mit neun elektronischen Songs sehr eigener Stimmung. Wunderbar, wie sich besonders durch Schützes Stimme der Soul nebelgleich auf die hier klaren, dort vertrackten Rhythmen und Tasten legt. A Forest forcieren durch den offensiven Vokalanteil - auch Arpen ist ein begnadeter Sänger - das "Ringen" der Elemente aus Natur und Steckdose, zeitgemäßem Chip und Altklang. Eine Platte wie ein Kompass ohne Norden. Großartig!

Wer in den letzten drei Jahren aufmerksam war, konnte die Stationen von A Forest live in Dresden verfolgen. Sie spielten regelmäßig hier, sei es im Thalia oder im Societaetstheater. Aufbau Wald, nennt man das. Und apropos: Auf der Website der Band (www.iamaforest.com) ist eine Art Manifest zu lesen, das anregt. Es geht um Infrastruktur und Möglichkeiten, wie Musik heute entstehen, Distribution möglich werden und was künstlerisches Überleben bedeuten kann. Zitat: "Ein Album entwickelt sich, genauso wie ein Buch, das ab der ursprünglichen Idee durch verschiedene Phasen des Schreibens, Verwerfens und Lektorierens geht. Hier machen wir diese Phasen sichtbar und stellen unterschiedliche Versionen von Songs vor. Ob rohe Skizzen, ein Mix für eine Online-Veröffentlichung, Songtexte oder das Freigeben einzelner Spuren zum Bearbeiten, Samplen und Remixen - es geht darum, am Strom teilzuhaben, zu kommentieren, zu bearbeiten. Wir denken damit die Idee des unabhängigen, selbstständigen Musikers neu." Und man kann ein Blatt werden im Wald.

Anna Aaron ist eine Kunstfigur, Cécile Meyer ist alles andere als das. Wenn die 29-Jährige zu den nicht gerade wenigen Schweizer Referenden geht, ist sie "die Meyer", wenn sie Texte schreibt und Songs komponiert, wird aus ihr "die Aaron". Die beiden kennen sich gut. Sie sind zusammen gereist, durch Neuseeland, England, Asien, denn Céciles Eltern sind Missionare. Mit 17 meldete sich Anna das erste Mal bei Cécile. Lieder entstanden, ein eher halbherziger Versuch folgte, Philosophie zu studieren, die Entscheidung, Vollzeit-Musik zu machen, war, Zitat, "eine Befreiung". Mit ihrem ersten Album "Dogs In Spirit" war sie 2012 das erste Mal in Dresden. "Von Anna Aaron wird noch zu schwärmen sein", orakelten die DNN nach einer dunklen Stunde voller Pianoballaden, zackigen Rock'n'Rolls und ersten Beats und Samples, die nun auch die zweite Aaron-Platte namens "Neuro" (Two Gentlemen) prägen. Unter anderem.

Die Baselerin wollte die CD wie "ein von innen leuchtendes, goldenes Objekt in einer tiefen, dunklen Umgebung" klingen und wirken lassen, "wie ein Unterseeboot oder ein Raumschiff im Weltall". Die Stimme - rau und abgehangen, die Arrangements - wie ein Hybrid. Anna Aaron kann viele und vieles. Man warf ihr jüngst schon vor, sie selbst bliebe dabei auf der Strecke. Wie engstirnig ist das denn? Sie will partout nicht Rockerbraut sein, nicht Nick Caves Verwalterin, keine Sophie für den Hunger zwischendurch. Sie sucht. Und wird gefunden.

A Forest, heute, 20.30 Uhr, Thalia Anna Aaron, heute, 21 Uhr, Beatpol

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.10.2014

Andreas Körner

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