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8. Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Klassik 8. Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Mit Reinhard Goebel als Dirigenten und in kleiner Besetzung – den Salzburger Osterfestspielen geschuldet – erweckte die Staatskapelle am Sonntag das barocke Dresden zum Leben.

Reinhard Goebel dirigiert die Staatskapelle.

Quelle: Oliver Killig

Dresden.  Lang, sehr lang ist die Tradition der Konzerte der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die sie regelmäßig am Sonntag Palmarum zu spielen pflegt. Durch den Einsatz eines großen Teils des Orchesters bei den Salzburger Osterfestspielen wurde es notwendig und möglich, dabei neue programmatische Schwerpunkte zu setzen. Mit Reinhard Goebel konnte ein Dirigent gewonnen werden, der als Spezialist für die Musik des 17. Und 18. Jahrhunderts gilt und sich seit vielen Jahren an der Balance zwischen historischer Aufführungspraxis und modernem Orchesterapparat versucht. Mit ihm an der Spitze wird nun immer in diesem Konzert die Musik des barocken Dresden lebendig – ein schöner und bereichernder Programmschwerpunkt.

Diesmal stand die stolze Habsburgerin Maria Josepha im Mittelpunkt. Sie war eine energische Frau, Gattin des eher zurückhaltenden Sohnes Augusts des Starken, aber ebenso kunstliebend wie Friedrich August II., sächsische Kurfürstin und polnische Königin. Als Katholikin hatte sie es in Sachsen nicht leicht. Erst am Ende ihres Lebens gewann sie dank ihres klugen Verhaltens im Siebenjährigen Krieg die Zuneigung ihrer Untertanen.

Das Konzert wartete nun mit Werken auf, die aus gegensätzlichem Grund Verwendung fanden. Der Bach-Schüler Johann Ludwig Krebs hatte 1757 aus Anlass des Todes von Maria Josepha ein Oratorio funebre geschrieben, in dem La Gloria (Alt) ein Loblied auf die Taten der Verstorbenen anstimmt, dem die Trauer und das Entsetzen des Genius Sachsens (Tenor) gegenübersteht. Stimmlich entpuppte sich das Ganze als einziger, großer Ohrenschmaus: herrlich die warme, geschmeidig strömende Altstimme Anke Vondungs, wundervoll der helle, tragfähige Tenor Daniel Johannsens. Beide kannten sich bestens mit den Feinheiten und den Verzierungen barocker Musik aus, was natürlich auch und ganz besonders für die Sächsische Staatskapelle Dresden gilt. Klangliche Biegsamkeit und absolute Homogenität waren der Kapelle eigen. Es gab hier – wie auch später – eigentlich nur ein Problem: Reinhard Goebels zur Hektik neigende Tempowahl. Er präsentierte sich wieder einmal als Feuerkopf unter den Dirigenten, der Extreme nicht nur nicht scheut, sondern sie geradezu herausfordert.

Bereits im knappen, dunkel-sanften Einleitungswerk, dem Concerto funebre B-Dur (RV 579) von Antonio Vivaldi, boten die Musiker edlen, kostbaren Klangsinn (welch kantable Bläserleistungen) auf, schönste instrumentale Differenzierungskunst.

Nach der Pause wurde dann ausführlich jubiliert, zunächst in einem Concerto grosso von Georg Philipp Telemann, das zur Serenta „Deutschland blüht und grünt im Frieden“ gehört. Der makellos Glanz der Trompeten (Helmut Fuchs, Volker Stegmann und der Akademist Sebastian Böhner), der empfindsame Oboenton (Sebastian Römisch und Andreas Lorenz), Philipp Zellers Fagottspiel, das farbenreiche Miteinander aller Beteiligten – was soll man mehr preisen!

Am Vorabend des Geburtstages seiner Kurfürstin, dem 8. Dezember 1733, wurde gerade noch rechtzeitig die Tinte unter Bachs Huldigungskantate „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten“ trocken. Die schönsten Nummern daraus sind später im Weihnachtsoratorium wiederzufinden. Für den Dresdner Kammerchor, der schon vorher bei Krebs mit einem knappen Coro zu hören war, gibt es hier nur ein Prädikat: brillant, mitreißend, souverän bis ins letzte Detail. Dass er diesen Schwung und diese Expressivität unbeeindruckt vom wahren Höllentempo entwickelte, auf das Reinhard Goebel hier setzte, verdient besondere Hochachtung. Mit Klug pointierten Akzenten fügten sich die obligaten Instrumente in die Wiedergabe ein, flexibel und ausdrucksstark die Streicher und die Basso Continuo- Gruppe. Mit jeweils nur einem Rezitativ und einer Aria bedachte Bach seine Solisten – lässt sich nicht ändern. Neben Anke Vondung und Daniel Johannsen ergänzten Anna Lucia Richter mit ihrem glasklaren, koloraturensicheren Sopran und Stephan Genz, der seinen noblen Bariton einbrachte, das Quartett. Da hätte man gern noch mehr gehört.

Von Mareile Hanns

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