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Regional 400 Dresdner besuchen Lesung von Thilo Sarrazin in der Messe Dresden
Nachrichten Kultur Regional 400 Dresdner besuchen Lesung von Thilo Sarrazin in der Messe Dresden
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23:02 09.09.2015
Thilo Sarrazin war am Mittwoch zu einer Lesung in Dresden. Quelle: Stephan Hönigschmid
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Über mangelndes Interesse konnte sich der frühere Bundesbanker dabei nicht beklagen.

Etwa 400 Dresdner hatten 19,55 Euro für eine Eintrittskarte bezahlt, um gebannt seinen Worten zu lauschen. Damit war der Veranstaltungssaal fast ausverkauft. Zu Beginn stellte der Journalist Günther von Lojewski kurz die wichtigsten Lebensstationen von Sarrazin vor. Als er dabei auch einige umstrittene Äußerungen Sarrazins über Hartz IV-Empfänger, die seiner Meinung nach im Winter die Raumtemperatur regelten, indem sie zur Abkühlung die Fenster öffneten, erwähnte, brandete sofort Beifall auf.

In seinem Vortrag betonte Thilo Sarrazin, dass es ein Irrglauben sei, dass Europa, insbesondere die EU, dem Untergang geweiht sei, wenn der Euro scheitert. „Die EU hat seit den Zeiten der Montanunion auch ohne gemeinsame Währung hervorragend funktioniert“, so Sarrazin. Entscheidend sei der gemeinsame Wirtschaftsraum gewesen und nicht die Währung. Kritisch äußerte er sich auch zu Argumenten, die das Schicksal des Euro zu einer Frage von Krieg und Frieden machen möchten.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur in Ländern mit gemeinsamer Währung Kriege. Das waren zum Beispiel Jugoslawien oder die Sowjetunion“, stellte der ehemalige Finanzsenator klar. Als Quintessenz zog er den Schluss, dass eine Transferunion dazu führen würde, dass deutsche Sparer für den Konsum in den Südländern zahlen müssten, weil diese Länder nicht zum Sparen fähig wären. Damit rufe man, ähnlich wie bei Goethes Zauberlehrling, Geister, die man nicht wieder los werde.

Thilo Sarrazin dürfte diese Erfahrung nur all zu gut bekannt sein. Auch mit seiner Lesung lockte er erneute „Geister“ an, auf die er wohl lieber verzichten würde. Im Eingangsbereich des Messegeländes verteilte die NPD Flugzettel und verkündete per Lautsprecher ihre simplen Botschaften.

Stephan Hönigschmid

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