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Regional 4. Dresdner Chorwerkstatt möchte Ängste abbauen
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18:19 25.04.2018
Chorwerkstatt: „Wir wollen ein Näherkommen durch Musik erreichen“ Quelle: Stephan Floss
Dresden

Gut möglich, dass sich dieser Name in Dresdens Musiklandschaft festsetzen wird: CoroTopia, ein Neologismus aus Utopie und Chorgesang. Damit ist zumindest die diesjährige, nunmehr 4. Dresdner Chorwerkstatt für Neue Musik überschrieben. Mit ihr gehen die Veranstalter um den Dresdner Kammerchor und seinen künstlerischen Leiter Hans-Christoph Rademann tatsächlich utopisch wirkende Ziele an.

„Wir wollen ein Näherkommen durch Musik erreichen“, so der Dirigent, der dieser Tage im Festspielhaus Hellerau fast so etwas wie ein zweites Zuhause gefunden haben dürfte. Nicht nur, dass er endlich den gemeinsamen Traum vom Dienstagssalon mit seinem jüngeren Bruder Max Rademann in die Tat umsetzen konnte - trotz sehr unterschiedlicher Entwicklung verbindet die beiden Kantorensöhne schließlich die Liebe zur Musik -, darüber hinaus absolviert der Ältere einen höchst intensiven Probenprozess.

Hellerau bietet dazu - in diesem Jahr als Kooperationspartner der Chorwerkstatt - denkbar günstige Bedingungen. Zumal wenn es um so aufwändige Projekte wie gleich drei Uraufführungen geht, wie sie am Freitag ((27. April)) im Großen Saal des Festspielhauses zu hören sein sollen.

„Uraufführungen neuer Musik sind ja eine feste Tradition unseres Chores“, betont Hans-Christoph Rademann, „diesmal haben wir drei Komponisten beauftragen können, explizit etwas für uns zu schreiben und die Stücke gemeinsam mit uns zu entwickeln.“ Die aus Japan stammende Malika Kishino ließ sich natürlich nicht lange bitten und schrieb ein zunächst recht konventionell wirkendes Werk zu einem Text von Arthur Rimbaud. Als Tochter eines buddhistischen Priesters ist die 1971 geborene und seit einigen Jahren in Köln lebende Komponistin mit Zeremonien vertraut. Ihr Stück „Vokale“ teilt den Chor in drei Gruppen, die sich a capella das von Stefan George ins Deutsche übertragenen Gedicht hineinteilen, um, wie die Komponistin begründet, „das geheimnisvolle Funktionieren unserer Gehirnhälften zu deutlich zu machen.“

Mit dem Probenablauf sei sie äußerst zufrieden, strahlt Malika Kishino: „Der Dirigent und der Chor haben meine Idee sehr gut verstanden und leisten hier eine tolle Arbeit!“

Aufgrund der kurzen Zeit, in der die neuen Werke einstudiert werden sollen, ist höchste Konzentration erforderlich. Denn auch „Sanctus“ des 1986 geborenen Maximilian Schnaus, bewusst für zwei Chöre komponiert, und „Was bleibt“ von Carsten Hennig (Jg. 1967) als sprachlich und kulturell grenzüberschreitende Arbeit wollen mit derselben Akribie entwickelt werden. Die drei Komponisten können bei sämtlichen Proben mit dabei sein, um die Umsetzung ihrer Werke zu beeinflussen, umgekehrt allerdings auch wertvolle Tipps etwa für Fragen der Notation zu erhalten. Denn ganz so konventionell, wie es im Notenbild aussieht, es es beispielsweise bei Vierteltönen und rasch wechselnden Vokalen dann doch nicht.

Rademann will mit dieser Werkstatt Mut machen, wieder mehr für Chöre zu komponieren. „Wir brauchen da neue Impulse, denn das Neue muss uns genauso vertraut werden wie etwa die Alte Musik.“ Vor allem aber könne im Gespräch mit den Schöpfern ein vorurteilsfreies Herangehen praktiziert werden. „Um nicht gleich zu werten“, meint Rademann, der darauf setzt, dass Chorkompositionen unterstützt werden, wenn gute Chancen auf Ur- und Wiederaufführungen bestehen.

Dass Kishino, Schnaus und Hennig nun in einem Konzert mit dem 1990 entstandenen „Four²“ von John Cage aufgeführt werden, dürfte für sie einen besonderen Anreiz darstellen und der Hörerschaft zudem einen Großen der Zunft nahebringen.

„Wir wollen uns damit natürlich auch stärker für das Publikum öffnen“, erläutert Agnes Böhm diese Vermittlungsarbeit. „Denn der Austausch findet nicht nur zwischen Komponisten und Interpreten statt.“ Obendrein sollen weitere Zielgruppen durch die Mitwirkung von musikbegeisterten Flüchtlingen erreicht werden, hebt die Geschäftsführerin des Kammerchors hervor und schwärmt von gemeinsamen Lust am Musizieren. Junge Menschen aus Afghanistan, dem Irak und Libyen, aus Russland uns Syrien singen im Projektchor VoiceVenture mit Deutschen und werden bereits heute Abend ((26.4.)) in der Reihe Kitchen Talk die Musik mit sächsisch-syrischer Kulinarik verbinden.

Als spontanes Zugabe folgt auf die 4. Dresdner Chorwerkstatt eine Wiederholung von Carsten Hennigs „Was bleibt“ im Montagscafé des Staatsschauspiels im Kleinen Haus. „Damit werden wir eine Art Vorgruppe bei Aeham Ahmad sein und auch ein Lied gemeinsam mit ihm singen“, freut sich Agnes Böhm. Und schon klingt CoroTopia gar nicht mehr so utopisch.

Kitchen Talk - 26.4., 19.30 Uhr / Abschlusskonzert - 27.4., 20 Uhr, Festspielhaus Hellerau

Von Michael Ernst

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