Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional 30 Minutes (too) late – Thirty Seconds To Mars spielen in der Jungen Garde
Nachrichten Kultur Regional 30 Minutes (too) late – Thirty Seconds To Mars spielen in der Jungen Garde
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:05 23.08.2018
US-Star und Schauspieler Jared Leto mit Thirty Seconds to Mars in der Jungen Garde. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Ganz offensichtlich wurde das Konzert der Band um den bekannten US-Schauspieler Jared Leto und seinen Bruder Shannon von den Dresdner Fans sehnsüchtig erwartet. Bereits Stunden vor der Show harrten die ganz hartnäckigen Anhänger vor der Jungen Garde aus. Das Konzert, eines von fünfen in Deutschland, war zuvor wegen der großen Nachfrage auf die Freilichtbühne im Großen Garten verlegt worden. Obwohl -dem bunten Dialektreigen nach zu urteilen- Fans aus dem ganzen Bundesgebiet eigens zu diesem Event angereist waren, blieben einige Plätze leer.

Bis es endlich losging, machte Deejay Coop den Einheizer – so richtig gelang ihm das nicht. Warum man als Support-Act Remixe von Songs der Hauptband zum Besten gibt, sollte eines von vielen Mysterien an diesem Abend bleiben. Als er sich nach einer halben Stunde samt DJ-Pult von der Bühne verabschiedet, hängt die Luft voll gespannter Vorfreude. Bis 20 Uhr folgt nun ein buntes Potpourri aus Musik vom Band – ein Schelm, wer denkt, dass da eine Spotify-Playlist vom Handy am Werk ist. Zum eigentlichen Konzertbeginn versuchen die Fans nun die immer größer werdenden und wohl aus dramaturgischen Gründen eingestreuten Pausen zwischen den Stücken zu nutzen, um die Band mit Klatschen und Jubeln auf die Bühne zu holen.

Diese Bemühungen bleiben jedoch erfolglos. Erst nach Sonnenuntergang stürmen die beiden Leto-Brüder gut 30 Minutes (too) Late im Stroboskopgewitter die Bühne. Gitarrist Tomo Milicevic hatte im Juni die Band überraschend verlassen und ist bislang offensichtlich nicht ersetzt worden. Mit „Kings and Queens“ von dem Album „This is War“ als Opener geht es dann auch direkt in die Vollen – Leto fordert die begeisterte Meute unablässlich zum Hüpfen und Springen auf und zelebriert das Intro rund 15 Minuten lang, während er in einen wehenden weißen Umhang gewandet mit großen Gesten die Bühne durchquert.

Gepaart mit der dunklen Sonnenbrille mutet diese Performance ein wenig an wie eine seltsame Mischung aus Messias und Darkwing Duck. Das Bühnenbild präsentiert sich passend dazu sehr minimalistisch: Leinwandprojektionen und ein paar Lichteffekte lassen keinen Zweifel daran, wer hier der Star auf der Bühne ist. Als plötzlich scheinbar aus dem Nichts Dutzende schwarzer und weißer Riesenballons auftauchen, kommt aber doch endlich ein Show-Effekt mit hohem Unterhaltungswert ins Spiel. Das Bild ist zweifelsohne imposant – wirft aber die Frage auf, ob das nur ein weiterer Versuch Letos ist, die Fans möglichst wenig von sich sehen zu lassen. Ein Blick in die berühmten Blue Eyes des US-Stars bleibt den Fans auch mangels Großbildleinwand verwehrt.

Auch die musikalische Entwicklung der Band, die einst mit Alternative Rock und tiefgründigen Texten begeisterte, hat nun offenkundig einen anderen Weg eingeschlagen: Es dominieren Elektro-Sounds und eingängige, aber sehr an der Grenze des Mainstream schwimmende Lyrics, die die alten Zeiten ein wenig schmerzlich vermissen lassen. Das fällt aber kaum ins Gewicht, denn die Musik gerät bei der One-Man-Show des Jared Leto zunehmend in den Hintergrund. Songs werden teilweise vorzeitig abgebrochen oder mit endlosen Oooohooohooo-Gesängen künstlich in die Länge gezogen. Dabei wird mehr als deutlich, was die Fans erwarten, als der Sänger dem Publikum die Wahl zwischen einem brandneuen Song, „Hunter“ oder „From Yesterday“ vom ersten Album „Beautyful Lie“ überlässt. „From Yesterday“ macht das Rennen.

Unterhaltsam wird es, als Leto nicht nur das deutsche Brot in den höchsten Tönen lobt sondern auch die Frage stellt, wer der Lieblings-Amerikaner der Dresdner ist. Damit ist augenscheinlich nicht das Gebäck gemeint. Ein kurzes Stimmungsbild, das der Sänger zum amtierenden US-Präsidenten Donald Trump einholt, wird von lauten Buh-Rufen dominiert. Es folgt „Walk on Water“ - Die Textzeile „Do you believe that you can win this fight tonight?“ sorgt dann tatsächlich noch für einen Gänsehautmoment an diesen Abend, den nur das lang erwartete Highlight „The Kill“ noch toppen kann.

Zwischendurch holt der Sänger mehrfach Fans auf die Bühne, die er nach unterschiedlichen skurrilen Kriterien auswählt. Vor allem ein bisschen „crazy“ muss man sein, um auf der Bühne den Background-Tänzer geben zu dürfen. Und hier schlägt sie erneut zu, die Digitalisierung: Anstatt diesen einmaligen Moment der Nähe zum gefeierten Idol gebührend zu genießen, zücken viele der Auserwählten das Smartphone, um den eigenen Instagram-Kanal in Echtzeit mit Videos und Fotos zu füttern.

Spätestens als Shannon Leto, der mit seinem eigenen Song „Remedy“ sogar mal einen kurzen Solo-Moment auf der Bühne eingeräumt bekommen hatte, seine Drumsticks ins Publikum schmeißt, ist klar, dass es wohl keine Zugabe mehr geben wird. Nach nur 80 Minuten ist die Show vorbei. Wer sich auf ein furioses Konzert im Zeichen alter und neuer Hits der Band Thirty Seconds To Mars gefreut hatte, dürfte latente Enttäuschung verspürt haben. Es fehlte ein roter Faden und irgendwie auch die Musik, die hinter Entertainment und Publikumsinteraktion leider zu sehr zurückstecken musste.

Leto selbst bezeichnete das Konzert unter dem Jubel der Fans als „eines der kleinsten aber besten in 10 Jahren Deutschland“ und kündigte an, dass die Band Germany erst in ein paar Jahren wieder mit einer Tour beglücken werde. „Man muss auch mal eine Weile verschwinden, um vermisst zu werden“, ließ er verlauten. Bleibt zu hoffen, dass die Leto-Brüder diese Auszeit nutzen, um das Showkonzept noch einmal grundsätzlich zu überdenken.

Von Kaddi Cutz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Jahr vor dem großen Jubiläum etablieren die Veranstalter eine neue Spielstätte: Zum 49. Dixieland Festival vom 19. bis 26. Mai 2019 werden erstmals Konzerte in und vor der Dresdner Ballsportarena auf der Weißeritzstraße gegenüber der Yenidze stattfinden. Dort spielen etwa sieben internationale und lokale Jazzformationen.

23.08.2018

Der neue Film über den ostdeutschen Musiker Gerhard Gundermann ist bei seiner Premiere in Dresden mit Beifall aufgenommen worden. Knapp 4000 Kinofans applaudierten am Dienstagabend dem anwesenden Regisseur Andreas Dresen, Hauptdarsteller Alexander Scheer und weiteren Akteuren.

22.08.2018

In reichlich einem Jahr – am 10. September 2019 – tritt Herbert Grönemeyer im Dresdner Stadion auf. Aktuell stehen damit für 2019 insgesamt 26 Konzerte auf der Agenda des deutschen Musikers.

22.08.2018